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taube,die
;-Ø/-n
.›Taube, Columba‹; in der Tradition der Tierallegorese steht die Taube, die keine Galle besitzt, für Sanftheit, Bescheidenheit, Friedfertigkeit und Unschuld; häufig als Symbol und gestalthafte Repräsentation des Heiligen Geistes; ütr., häufig in mystischen, vom Hohelied beeinflussten Texten, auf die Seele bezogen: ›Geliebte‹.
Zur Sache:
Lex. d. Mal.
f.8, 491
Bedeutungsverwandte:
gans
hun
einfalt
die
) 2, friedfertigkeit
fromkeit
liebe
frome
jungfrau
sele
traute
Gegensätze:
geier
schlange
Syntagmen:
j. die t. aussenden / fangen / haben / schiessen / ziehen, die t. mit angeln fangen; die t.
(Subj.) ausfliegen / grimmen / herabfaren / reizen / scharren / stieben, etw. bedeuten
; die gestalt der t
.; die brütende / feige / fleissige / flüchtige / friedsame / furchtsame / gallose / gebratene / gemästete / girrende / himlische / kluge / liebevolle / sanfte / saubere / schnäbelnde / schneweisse / teure / waffenlose / weise / wilde / zame t
.Wortbildungen:
taubenbild
taubenei
taubenfeder
taubenfleisch
taubenkorb
taubenkot
taubenkraut
taubenkutter
tauber
taubenleben
taubenmist
taubennez
taubenvogt
taubenzug
täubin
täubler
Belegblock:
Quint, Eckharts Pred.
2, 605, 8
(E. 13.
/A. 14. Jh.
): hie von sprichet diu sêle in der minne buoche: [...] ,mîn tûbe‘ – daz ist: einvaltic an der begerunge.
Lichtenstein, Lindener. Katzip.
152
(o. O. 1558
): Auf einem landtag kommen vil grosser herrn zuͦsammen in ein wirdtshauß. Under andern kompt ein seltzammer tauben-vogt hinein.
Luther, WA
35, 469, 27
(1543
): Der heilig Geist ernider fert | Jn Taubenbild verkleidet.
Luther. Hl. Schrifft.
1. Mose 8, 8
(Wittenb.
1545
): Darnach lies er [Noah] eine Tauben von sich ausfliegen / Auff das er erfüre / ob das Gewesser gefallen were auff Erden.
Ebd.
Hld. 5, 2
: Thu mir auff liebe Freundin meine schwester / meine Taube / meine frome / Denn mein heubt ist vol tawes / vnd meine locken vol nachtstropffen.
Ebd.
Mt. 3, 16
: Vnd Johannes sahe den geist Gottes / gleich als eine Taube her ab faren / vnd vber jn komen.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
11835
(rib.
, 1444
): Eyne ionffrowe [...] was as eyn kreische duve | Mit plumen gebrewet umb yre voisse.
Schmitt, Ordo rerum 182, 20.
2
(rhfrk.
, 1414
): Cenapenum eyn dubin netcze.
Perez, Dietzin
1, 135, 25
(Frankf.
1626
): Eben also hat mich mein liebe Mutter als ein fleissige vnnd saubere Daͤubin vnterrichtet / nicht allein das Hauß sauber vnd rein zu halten / sondern auch den Gaͤsten die Beutel vnnd Taschen zu reinigen.
Hübner, Buch Daniel
3225
(omd.
, Hs. 14.
/A. 15. Jh.
): Vruntlich sprechet er
[Jesus]
da vor: | Tu mir uf, min swesterlin, | Unvermeilte trutyn min, | tube, die ich han irlost! Thür. Chron.
1v, 17
(Mühlh.
1599
): Darnach sandte er
[Noah]
auß eine Tauben / vnnd da sie keine Ruhe stadt fand / kam sie wider. Gajek, Seidelius. Tych.
9, 4
(Breslau
1613
): Gehofft vnnd gegafft allezeit / | Ob jhn ein gebratn Taub bereit. | Kem in den Mund geflogen ein.
Schultheiss, Achtb. Nürnb.
85, 7
(nobd.
, 1344
): daß sie huͤner und tauben mit den angeln fiengen.
Dietrich. Summaria
19r, 24
(Nürnb.
1578
): [...] das sie
[die Jünger]
klug sein / wie die Schlangen [...] vnnd doch / wie die Tauben / on allen falsch / trew / und fleissig ir ampt außrichten. Harsdoerffer. Trichter
3, 447, 22
(Nürnb.
1653
): Die schneeweisse / fluͤchtige / girrende / waffenlosse / furchtsame / friedsame / zage / feige / gallloße / nie entruͤste / liebevolle / schneblende / brutēde Taube deß Geyers Beut und Raub. [...] Die Tauben bedeuten die Einfalt / treue Liebe / Friedfertigkeit und Frommkeit.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 277, 14
(Hagenau
1534
): Wer will haben eyn reynes hauß / Der laß Pfaffen / Münch / und tauben drauß.
Ott-Voigtländer, Rezeptar
205v, 28
(Hs. ˹nalem.
, um 1400
˺): Ob dir die nase stink, so nim [...] tuben / mist, stoss den mit essich vnd tuͦ das in die nase.
Merk, Stadtr. Neuenb.
126, 14
(nalem.
, 1616
): Sie die müller sollen auch ohne eines ersamen rates wißen und willen keine hiener, tauben gens, moren noch schwein [...] haben, bei der straf 3 ℔ stebler.
Brack
d 7r
(Basel
1483
): Columbus. tauberkutter. Columba. tuͤbin.
Lemmer, Brant. Narrensch.
110a, 96
(Basel
1494
): Nün duben züg / vnd eyn blapphart | Das ist mit drincken yetz die art.
Heidegger. Mythoscopia
8, 1
(Zürich
1698
): Jtem jenne orthodoxe Geistliche / deren Hieronymus gedenkt / daß sie unter religieusen prætexten dem Matronen-Volk beygeschlichen / und das Dauben-Leben mit ihnen gefuͤhrt.
Barack, Zim. Chron.
4, 218, 12
(schwäb.
, M. 16. Jh.
): Dann hettest des kaisers gut, | Ich wöllt mir dein nit fluchen. [...] Du gebest mir nit ain daubenai.
Andreae. Ber. Nachtmal
58v, 19
([Augsb.
] 1557
): zuͦ bayden thailen wirdt eingefaͤrt vnd gebraucht das gleichnus von der Tawben / in dero gestalt der hailig Gaist / sich bey der Tauf vnsers Herren Christi geoffenbaret hat [...].
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
179, 27
(oobd.
, 1349
/50
): diu taub reizt niht noch grimmt mit irm snabel und ist ân gallen.
Ebd.
181, 28
: Plinius spricht, daz frischez taubenflaisch und swalbenflaisch zuo ainander gemischt und gemachet guot sei für die slangen.
Deinhardt, Ross Artzney
33
(oobd.
, 1598
): Streich es [puluer] dem roß mit ainer tauben federn in die augen, so beist im das puluer die feel in wenig tag(en) heraus.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
47, 12
(tir.
, 1464
): der heilig geist der cham herab auf dich in der gestalt der tauben.
Perez, a. a. O.
1, 129, 22
; Hübner, a. a. O.
2238
; Gilman, a. a. O.
2, 92, 24
; Pyritz, Minneburg
5162
; Lindqvist, K. v. Helmsd.
1834
; Welti, Stadtr. Bern
365, 29
; Vetter, Schw. zu Töß
35, 17
; Müller, Stadtr. Ravensb.
87, 24
; Pfeiffer, a. a. O.
359, 15
; Klein, Oswald
21, 43
; Voc. rerum
108r
; Brack
d 7r
; Dasypodius
306v
; 436r
; 475r
; Mylius
D 4v
; Dalby, Lex. Mhg Hunt.
1965, 244
.‒
Vgl. ferner s. v. abbiegen
1, ambrosienkraut
, 1
arche
1, aufwischen
2, bäen
1, behüten
10.