1
stachel,der
,die
.1.
›Stachel (z. B. von Insekten, Disteln); Kralle (z. B. der Katze); Spitze eines Werkzeugs‹; vielfach ütr., dann z. B.: ›heftiger, stechender Schmerz‹, in religiösen Kontexten vor allem auf den Tod, die Sünde bezogen.Phraseme:
wieder den s. lecken
o. ä. ›[...] löcken‹.Bedeutungsverwandte:
1
angel
dorn
1
gart
ger
der
) 1, spies
spitze
stichel
der
) 1, sticher
stichling
steft
1
stich
Syntagmen:
einen s. haben / fülen, den s. bergen
›versenken‹ / erdulden, nicht vertragen, dem teufel des s. nemen, den s. sünde nennen
; der s
. (Subj.) abbrechen, dem fleisch ein s. gegeben sein
; wieder den s. laufen / scharren
(Variation zu o. a. Phras.), der s. des todes / fleisches, der helle / sünde / biene
; der s. im herzen
; stacheln an dem igel
; der lange / schwere / spitzige / starke / stechende s
.Wortbildungen:
stacheldorn
stachelfisch
stachelkraut
stachelschnecke
nagelschnecke
purpurschnecke
stachelstab
Belegblock:
Peil, Rollenhagen. Froschm.
362, 1774
(Magdeb.
1608
): Gott machts wenn sie [Bien] einen stech / | Das jhr Stachel bald gar abbrech.
Ebd.
567, 1921
: Wer sich der Bienen stachl lest schrecken / | Bekompt den Honig nicht zu lecken.
Oorschot, Spee/Seifert. Proc.
465, 20
(Bremen
1647
): daß sie [stupffnadeln] nicht mit kunst bereitet sein / zu stechen / oder den stachel zu bergen.
Luther, WA
17, 2, 27
(1525
): ,Stimulus carnis‘, eyn spies odder stachel des fleyschs. Aber das mag nicht bestehen. Denn fleyschliche anfechtung heysst er
[Paulus]
nicht stachel. Syntemal stachel viel mehr etwas boͤses [...] ist, Und stachel des fleyschs hie nicht ist, da mit das fleysch sticht, sondern damit es gestochen wird. Ebd.
17, 2, 382, 36
(1527
): Es würt dir schweer werden wider den stachel lecken.
Ebd.
29, 286, 3
(1529
): So viel ein conscientia fult stachel et gravedines, so feilts yhm am glauben.
Ebd.
30, 3, 431, 33
(1531
): ym ist schwaͤr, widdern stachel mit versen zuscharren.
Ebd.
36, 428, 10, 37
(1532
): hunger, krieg, pestilentz, seuche, [...] des brauchet er [Gott] als stacheln umb sich her.
Ebd.
36, 694, 21
(1533
): so soltu
[Tod]
deinen eigen stachel fressen und daran erwürgen. Ebd.
41, 6, 4
(1535
): pfu dich ketzlein, hastu so schonen balck und so stachel, leckts, stichst.
Ebd.
47, 405, 8
(1538
): ein distelkopff, wo man den hinwirfft, so will die Stachel imerdar ankleben.
Ebd.
49, 767, 28
(1545
): Der Stachel der Hellen ist die Suͤnde, die Krafft aber der Suͤnde ist das gesetz. Die Suͤnde ist des Todes Stachel, Das ist: Der boͤse Reuel im Hertzen
[Spiel mit gen. subj. und gen. obj.].
Ders. Hl. Schrifft.
Apg. 9, 5
(Wittenb.
1545
): Es wird dir schweer werden wider den Stachel lecken.
Ebd.
1. Kor. 15, 55
: Tod / wo ist deine Stachel?
[
garteMentel
1466: ; Var. 1475
angel2
: ]
Helle / wo ist dein Sieg? Hübner, Buch Daniel
3108
(omd.
, Hs. 14.
/A. 15. Jh.
): Sat ist ire [hirten] predigat, | Ein stachil dorn ubiltat.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim.
326b, 14
(Frankf./M.
1649
): mit desto heftigerm Stachel vñ Schmertzen jhres Gewissens.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
186, 7
(Nürnb.
1548
): Der todt ist verschlungen in dem sieg. Todt wo ist dein stachel? Helle wo ist dein sieg? Aber der stachel des todtes / ist die sund.
Golius
216
(Straßb.
1579
): Fuscina, stachel damit man die fisch sticht / fischer geren.
Gesner, Fische O
7r
(Zürich
1556
): Stachelfisch [...] pisciculus que͂ ipse (Rõdeletius) Aculeatum cognominat. [...]. Stichlig zu Staßburg.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
501
(Genf
1636
): Stachelschneck / Certain poisson de mer.
Weber, Füetrer. Poyt.
301, 2
(moobd.
, 1478
/84
): MIt ainer waibil rŭeten | von stachel lannck vnnd schwär.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
185
(oobd.
, 1607
/11
): 1 vogelkopf [...] hatt hinden am kopf [...] ein strauß subtiler federlein wie börsten, gescheggicht wie die stachel oder meerschwein haben.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
238
(oobd.
, 1607
/11
): das kleiner fischlin ist etwas underschiden, hatt hinden und vornen 2 stachell.
Luther, WA
36, 689, 15
; 36, 695, 28
; 41, 119, 4
; 45, 367, 30
; 47, 405, 8
; 49, 776, 11
ff.; Peil, a. a. O.
526, 621
; 537, 977
; Alberus, Barf.
271, 4
; Bauer u. a., a. a. O.
233
; Dasypodius
426r
; Mylius
D 2v
; Volkmar
279
; Marzell
4, 332
; Schweiz. Id.
9, 1197
; 10, 1561
; Tpma
11, 92
f.‒
Vgl. ferner s. v. balg
1, igel
1, 2
lecken
.2.
›Sprietstake, Bootshaken zur Messung der Wassertiefe‹; zu
stackel
.Wortbildungen:
stächelruder
stächelstange