rotzig,
rützig,
Adj.
›verschleimt; verschnupft‹; auch: ›mit Rotz verschmiert‹ (als Attribut von Kindern sowie abwertend von erwachsenen Personen); speziell auf Pferde bezogen: ›vom Rotz (Pferdekrankheit) befallen‹; ütr.: ›nicht viel wert, (durch Krankheit) untauglich‹;
vgl.
roz
.
Bedeutungsverwandte:
geiferig
,
harschlächtig
,
krank
(Adj.) 3,
räudig
,
schleimig
 2,
schnuderig
,
unflätig
 1; vgl.
butzig
,
hauptmürdig
,
koderig
.
Syntagmen:
das pferd / ros
(Subj.)
r. sein
;
j. das pferd r. erfinden
;
der rotzige husten, die rotzige magd / nase, das rotzige ros / volk, die rotzigen buben / personen
; subst.:
rotziges und räudiges durcheinandergehen
.
Wortbildungen:
rützigkeit
›Rotz (eine Hautkrankheit, die Vieh, besonders Pferde befällt; vgl.
Höfler, Dt. Krankheitsnamen-Buch.
1899, 523
)‹ (a. 1552; dazu bdv.:
hauptmürde
).

Belegblock:

Luther, WA
10, 1, 2, 180, 21
(
1522
):
Denn alßo leret die rotzige, unflettige natur, mit yhrer hubschen vernunfft, die alletzeytt widder den geist unnd was des geysts ist [...].
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
318, 11
(
thür.
,
1474
):
hat eß sich begebin, daz Hanß von Swydenicz daz phert rutczig unde harslechtig irfunden hat.
Mayer, Folz. Meisterl.
46, 16
(
nobd.
,
v. 1496
):
Schlegreym, die cleb und uberhoff | Die plestu sam ein altes schoff, | Das den roczigen husten hot.
Sachs
17, 425, 7
(
Nürnb.
1563
):
Doch versprecht ir mir in dem handel | Dem gaul für die verbotten wandel, | Daß er nit sey reudig noch rützig, | Auch nit haarschlecht, stetig noch stützig.
Ebd.
21, 68, 2
(
1524
):
Ich hab noch kain lust zu ewerm hauffen, weyl also rutzigs und reüdigs durcheinander geet.
v. Keller, Ayrer. Dramen
3004, 24
(
Nürnb.
1610
/
8
):
Die rotzig Magd wird alle mahl, | Wie sies begert, haben die wahl.
Schade, Sat. u. Pasqu.
2, 137, 28
(
els.
1521
):
auch begabt man iez kinder in der wiegen und rotzig buͦben mit großen pfründen.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
389, 10
(
Straßb.
1650
):
jeder Mutter ist zu sinn, ihr Kind seye das schönste, wann es schon eine rotzige Nase hat.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
387
(
Genf
1636
):
rotzig / der viel vnflat auß der Nasen gibt.
Deinhardt, Ross Artzney
180
(
oobd.
,
1598
):
wann ain pferdt haubt khranckh vnnd rizig dar zu ist
(Überschrift).
Turmair
1, 247, 26
(
moobd.
,
1529
):
so kumbt ain grosse anzall volks zusamen, rüzigs und reudigs, geniets und ungeniets, knecht und dirn, jungs und alts, und ist kem der halb tail geschickt zum kriege.
Sachs
5, 263, 4
;
Schmitt, Fachprosa
71, 18
;
Sudhoff, Paracelsus
2, 8, 9
;
Löffler, Columella/Österreicher
2, 84, 6
;
Siegel u. a., Salzb. Taid.
114, 30
;
Pfälz. Wb.
5, 615
;
Schweiz. Id.
6, 1932
;
1935
.