räs,
1
res, Adj.;
zu
– Eng vernetztes Bedeutungsspektrum mit mehrfachen, je spezifisch perspektivierten Übertragungen.mhd.
ræze
›scharf, ätzend‹
(Lexer
).2, 354
1.
›scharf, würzig; salzig‹ (vor allem von pfeffer
und salz
gesagt); als Geschmack, Geschmacksrichtung auf der Zunge auch im Orientierungsfeld mit bitter
(Adj.) 1, sauer
(Adj.) 1, süs
1 genannt; speziell von Mineralien: ›beißend, ätzend‹.Bedeutungsverwandte:
bitzelecht
gesalzen
hart
herb
scharf
versalzen
Gegensätze:
süs
Syntagmen:
etw
. (Subj., z. B. der pfeffer, die tugend des salzes, die nägel
›Gewürznelken‹) r. sein
; pfeffer
(Subj.) das essen r. machen, j. die kost mit salz r. machen, j. etw. r. kochen
; der rässe pfeffer
.Wortbildungen:
˹ (˺ ›Schärfe‹ (als Geschmacksrichtung),
räs
das
), rässigkeit
rässe
kraft
schärfe
Belegblock:
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
162, 17
(Frankf.
1535
): [Mogra.] An seinem geruch ist ein ressigkeyt.
Ebd.
186, 13
: Des saltz tugent ist reß vnnd scharpff.
Ebd.
192, 19
: Ein pflaster [...] vff den magen gelegt / ist guͦt wider zuuil stuͦlgeng. Jn seiner substantz ist ein scherpffe / vnd ein wenig resse.
Goldammer, Paracelsus. B. d. Erk.
22, 31
(obd.
, Hs. n. 1570
): dieweil er derselbe baum ist [...] vnd mehr frucht gibt / vnd listiger / vnd manichfalltig / suß / saur / bitter / reß.
Sudhoff, Paracelsus
3, 5, 1
(1526
/7
): Nun aber vom alcali zuwissen und salz, ist mancherlei. [...]. eines ist saur als sal gemmae, eins reß und ist im zinzibere, eins bitter und im rhabarbaro.
Ebd.
4, 135, 21
(1570
): pontica, das reß, piper. das auswendig brennt, urtica.
Ebd.
6, 118, 2
(1528
): wie wolt ir küntlich machen, das so vil seure und süße, räße und bittere mit so mancherlei anzeigung und zeichen aus vier dingen sollen wachsen.
Sachs
20, 44, 18
(Nürnb.
1558
): Pfeffer macht reß das essen gnungk, | Daß einem schmeck darauff ein trunck.
Goedeke, Fischart, Landlust
211
(Straßb.
1579
): Macht im sein kost mit salz gnug reß.
Bächtold, H. Salat
181, 4
(o. O. 1537
): Die wenigen senfkörner des großen künigs Alexandri hatten me kraft und räße in in, dann kuͤnigs Darii magsamen aller.
Wiessner, Wittenw. Ring
7440
(ohalem.
, 1400
/08
): Ein pfefferchorn vil rässer ist | Dann ein grosser hauffen mist.
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl.
186, 22
; Chron. Nürnb.
4, 208, 5
; Sachs
23, 283, 20
; Klein, Oswald
45, 39
; Schöpper
75a
; Maaler
324v
; Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
275
; 280
; Schweiz. Id.
6, 1270
ff.; 1280
; Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 224
.2.
›schonungslos, unnachsichtig, streng‹ (von Haltungen, Gesinnungen); Ütr. zu 1; offen zu 3.Bedeutungsverwandte:
ernsthaft
hart
hitzig
rau
scharf
tapfer
heftig
herb
Gegensätze:
milte
Wortbildungen:
rässe
milte
die
, 1).Belegblock:
Sachs
18, 26, 19
(Nürnb.
1563
): [gott] Warnt sie mit solchen worten reß, | Sie sollen sich züchtigen lassen.
V. Anshelm. Berner Chron.
3, 145, 21
(halem.
, n. 1529
): Da huͦb der bischof von Sitten an und ermant in mit rassem ernst, dass er soͤlte von semlichen spiz- und spezworten lassen.
Ebd.
5, 263, 23
: Nun disen anstand, mit beger einer zaumen - da iez mit raͤsse nuͤtset milts usszebringen - gwalzbotschaft, flux haruf ze vertigen.
V. Anshelm. a. a. O.
1, 117, 4
; Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
275
; Schweiz. Id.
6, 1273
f. (mit weiteren Nuancierungen); 1275
f.; 1280
.3.
›feindselig, boshaft‹ (Personen, Tiere, Handlungen gegenüber anderen charakterisierend); speziell: ›bissig, scharf, ,gesalzen‘‹ (von Worten); Ütr. zu 1.Bedeutungsverwandte:
bitter
böse
frevenlich
hässig
unleidig
zänkisch
Gegensätze:
freundlich
Wortbildungen:
rässe
gift
die
, 5, truz
der
, 1).Belegblock:
Sachs
9, 138, 10
(Nürnb.
1558
): Der wolff, zenckisch und reß, | Sprach: Hol du den [käß]! es gebürt dir, | Das du den käß antwortest mir.
Ebd.
21, 347, 9
(1546
): Pauern und pewrin sint mir [carmelit-münich] res.
Qu. Schweiz. Gesch.
1, 73, 19
(halem.
, 1470
): Uff dise herrn Adrians raͤsse und lange ree
[sic!]
hat aber der statthalter Kistler vil hitziger, giftiger worten lassen loufen. V. Anshelm. Berner Chron.
4, 403, 23
(halem.
, n. 1529
): an dem allem nit gesaͤtiget, sunder baͤbstlich heilikeit und die heilig kilchen an irer stat raͤss frevenlich angriffen.
Maaler
324v
(Zürich
1561
): Raͤß ding schreyben / das einen übel sticht vñ beißt.
Klein, Oswald
29, 12
(oobd.
, 1426
?): Lass, herr, dein zoren nicht ergän | nach unser schuld, wie wol wir dick verschroten han | mit tün und län dein huld durch sündlich rässe.
Schweiz. Id.
6, 1272
f.; 1275
f.4.
›spitz, schneidend, scharf‹ (von konkreten Sachgrößen); mehrfach ütr.; im Einzelnen: ›spitz(züngig), spitzfindig‹ (von js. Ausdrucksvermögen); ›durchdringend, unangenehm laut‹ (vom geschrei
); ›rau, klamm‹ (von nasskaltem Wetter).Bedeutungsverwandte:
lang
scharf
murk
giftig
laut
herb
Wortbildungen:
rässe
fazwort
schimpfrede
Belegblock:
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
126, 5
(Frankf.
1535
): [Der Corall] ist reß vnd stellt vast den bluͦtfluß. Er schneidet ab das erwachsen fleysch.
Holtzmann, Gr. Wolfdietrich
1624, 3
(Hs. A. 15. Jh.
): ahi waz starker schupfen ez [daz tier] von dem wurme brach, mit sinen klowen räsze.
Mayer, Folz. Meisterl.
50, 104
(nobd.
, um 1480
): wie geswind | Sint heint die külen wind. | Ich spur des riselns nesß. | Wie reß | Wirt es der reiff gen tag!
Sachs
17, 482, 21
(Nürnb.
1563
): Doch wert solch spiegelfechtn nit lang, | Wiewol ir geschrey ist res und laut.
Wiessner, Wittenw. Ring
532
(ohalem.
, 1400
/08
): Jo, wie zittert er von zorn! | Sein varw hiet er so gar verlorn, | Stamblent ward sein rässeu zung.
Ebd.
8725
: Er hiet zwen zen so lang und räss, | Daz er vil mangen ztod erbäss.
Maaler
324v
(Zürich
1561
): Scharpffe Raͤsse / fatzwort vnd schimpfreden. [...]. Die maͤngel vnd praͤsten die die natur sunst hat / mit geflißner boßheit Raͤsser vnnd scherpffer machen.
Martin, H. v. Sachsenh. Tempel
242
(schwäb.
, 1455
): Ich dörfft wol der mir riett | Zuo disem winckelmaeß. | Es ist ein teil zuo raeß | Den krancken synnen min.
Schweiz. Id.
6, 1271
; 1274
(mit weiteren Nuancierungen).5.
›rau, heiser, kratzig‹.Bedeutungsverwandte:
grob
2
gram
heiser
Belegblock:
Pyritz, Minneburg
748
(nobd.
, Hs. um 1400
): Ich wurde in der keln reße, | Solt ich ir eren bluendes zwye | Und auch sie zart min suß amye | Mit worten volle brysen.
Barack, Zim. Chron.
2, 250, 22/23
(schwäb.
, M. 16. Jh.
): Das beschach aber mit ainer solchen ressen, groben stim, das meniglich hinder und über sich thet plicken, wer doch mit so resser stim sich reusperen.