ober-
[+ Subst.]; das Bw fungiert als
Adj.,
s. ober
(Adj.).zur Auswahl der hier gebuchten Stichwörter und zur Reduktion des Beschreibungsprogramms s. die Vorbemerkungen zu
nach-
[+ Subst.]; zur Häufung der Bildungen mit ober
(Adj.) in den Bedeutungen 5 und 6 vgl. die diesbezügliche Strecke im Rwb
, die die gesamte Hierarchie der Verfaßtheit der Gesellschaft spiegelt.10, 78-198
Wortbildungen:
oberacht
a-
in aberacht
2
acht
ober
oberacker
ober
acker
oberarm
ober
arm
der
) 1.oberarzet
ober
arzet
oberban
ober
2
ban
blutgericht
oberbank
schweisbad
ober
bank
oberbeinröre
ober
beinröre
unterbeinröre
oberbereiter
ober
2
bereiter
oberbergamptleute
ober
amptman
oberbergmeister
Rwb
); zu 10, 95
ober
bergmeister
oberbornmeister
ober
bornmeister
oberbraue
ober
braue
unterbraue
oberwimperbraue
oberbüne
ober
büne
obercustos
ober
custos
oberfar
ober
berat
erfarnis
urteil
oberfrau
ober
obergaume
ober
gaumen
der
). – Bdv.: oberrache
obergenosse
ober
genos
der
) 1; 2.obergeschrift
ober
geschrift
obergestüle
ober
gestüle
obergut
ober
1
gut
das
) 3.oberhau
ober
1
hau
oberhemd
ober
hemd
oberhorn
ober
oberkoch
ober
koch
der
). – Bdv.: küchenmeister
oberkumpan
ober
kumpan
oberkunkel
ober
kunkel
klobe
reiste
oberlade
ober
lade
oberläuterung
läuterung
o-
wohl motivationelle Umdeutung von 3
aber
Rwb
10, 147
Hrg
); vgl. auch 2, 1651
aber|läuterung
ober
läuterung
oberleder
solleder
ober
leder
solleder
oberlefze
ober
lefze
oberleine
ober
leine
oberlerer
ober
2
lerer
obermeid
ober
meid
magd
obermüle
ober
müle
oberpforte
ober
pforte
oberschwelle
oberpfoste
ober
pfoste
oberrache
ober
obergaume
oberreiter
ober
oberrok
ober
mantel
oberror
ober
oberschale
ober
oberschenkel
ober
oberschepfe
ober
oberschmelzer
ober
oberschnabel
ober
obersiegler
ober
obersiz
himmel
lokalisierter hoher Sitz, Vorsitz (im Rat der Götter)‹; zu ober
oberstat
ober
stat
die
) 2; 3.oberwale
ober
oberwelscher
oberwer
ober
oberwind
oberwindeshalb
sonnehalb
oberzehenter
ober
oberzeile
ober
ober
Belegblock:
Zu
oberacht
: Toeppen, Ständetage Preußen
2, 694, 28
(preuß.
, 1446
): [ochtbriff] dorinne die Hollander in der ocht und obirocht des keysers woren.
Opel, Spittendorf
46, 2
(osächs.
, um 1480
): hies der keyser, das wir den vierten man schicken solten [...], bey verlierung aller freiheit, privilegien, [...], darzu bey der acht und überacht.
Bremer, Voc. opt.
1152
; Rwb
10, 77
(mit Ausdifferenzierung und reichhaltiger Belegung).Zu
oberacker
: Thielen, Gr. Zinsb. Dt. Ord.
134, 37
(preuß.
, 1437
/8
): die gemeyne czinset 7 m vor obiracker.
Zu
oberarm
: Mylius
B 8r
(Görlitz
1577
): Brachium Oberarm.
Bremer, Voc. opt.
1152
(halem.
, 2. H. 14. Jh.
): Lacertus hinderarn [...] oberarn [...] hinderarm [...] ellenbog.
Zu
oberarzet
: Dict. Germ.-Gall.-Lat.
348, 23
(Genf
1636
): ober Artzt / Der fuͤrnembste vnder denn aͤrtzten.
Dasypodius
387v
.Zu
oberban
: Hertel, UB Magdeb.
3, 375, 21
(nd.
/omd.
, 1487
): das syne gnade [...] der alden stad Magdeborch den overban und blodgerichte hyr bynnen der alden stad Magdeborch bevolen hefft.
Zu
oberbank
1: Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
53, 5
(Frankf./M.
1568
): Mit wolschmacker Laug mã euch wescht / | Denn auff die Oberbanck euch setzt / | Erschwitzt / deñ werdt jr zwagn vnd gribn.
Mylius
G 2v
(Görlitz
1577
): Sudatorium Vapatarium Laconicum Hypocaustum Schweißbadt / Oberbanck.
Zu
oberbank
2: Rwb
10, 92
.Zu
oberbeinröre
: Zingerle, Inventare
32a, 7
(tir.
/vorarlb.
, 1464
): v parr oberpainrörr. | vi parr vnderpainrör.
Zu
oberbereiter
: Bücher, Berufe Frankf.
1914, 303, 90
(a. 1495
).Zu
oberbergamptleute
: Löscher, Erzgeb. Bergr.
77, 19
(omd.
, 1563
): alß ist uf gutachten der churfuͤrstlich saͤchßsichen oberbergkamptleuthe erkenet worden, das [...].
Ebd.
71, 37
.Zu
oberbergmeister
: Löscher, Erzgeb. Bergr.
144, 20
(omd.
, 1554
/1633
): Abreisung der schichtmeister undt steiger hat niemandt zu erlauben dan der oberhaubtman, oberbergkmeister und bergkvoigt.
Zu
oberbornmeister
: Opel, Spittendorf
74, 24
(osächs.
, um 1480
): Der öberbornmeister erfuhre das, das die zwene knechte weggingen ohn urlaub, wiewol sie uffn freitagk wider kamen.
Ebd.
133, 12
: Es sollen auch zu obirbornmeistern verstendige rechtvertige, frome und redeliche menre gekorn werden, der dann eyner usz den pfennern und eyner usz der gemeynen und auch eyner usz den innungen, die eygen solgud in tale haben, seyn sal, die dann auch zu dem ampte der bornmeisterschafft und dem gerichte des tals sweren sollen, yre ampte und die scheppenbang anch yrem besten vormogen [...] zu verhegene.
Zu
oberbraue / oberwimperbraue
: Schmitt, Ordo rerum
337, 10
(2. Dr. 15. Jh.
): Supercilium [...] oberprag [...] ouerwinbran [...] ouerwenkebran [...] ober augpra.
Voc. rerum
2v
.Zu
oberbüne
: Maaler
310r
(Zürich
1561
): Oberbüne (die) Solarium.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
348, 31
(Genf
1636
): oberbuͤne / f. Le grenier, Granarium.
Zu
obercustos
: Wendehorst, UB Marienkap. Würzb.
297, 32
(nobd.
, 1502
): eingehorungen, die zu lehen ruren von dem erwirdigen herrn Cristoffeln Eßpacher, obercustos, chorherrn und jubileus des stifts zum Newenmunster.
Zu
oberfar
: Loersch, Weist. Boppard
241, 2
(mosfrk.
, 1596
): da dan die höber daselbs der sachen nit genochsam erfharen, sollen sey davon auf dem Floriner hof zu Kerlich zu oberfhar und ortell und berats umb ihre belonung da selbs sich erkundigen.
Zu
oberfrau
: Kisch, Leipz. Schöffenspr.
694, 11
(osächs.
, 1523
/4
): Lieber wirt, hastu das erbe nicht zu bezalen, so unterwind dich des erbes nicht, wan ich kein oberfrauen in dem haus gehaben mag.
Zu
obergaume
: Schmitt, Ordo rerum
338, 26
(omd.
, 1466
): Rumen [...] obergume [...] oberrach.
Zu
obergenosse
: Große, Schwabensp.
208a, 3
(Hs. ˹nd.
/md.
, um 1410
˺): wil auͦer der buͦrger mit campe sin hus weren, so sal her dem eynen de hant abe zihen der swerere, daz tuͦt her vnder den dren eynem wol, swelchem her wil. Jst er wol sin obergenoze, wil he, her muͦz mit im campen kempfen.
Leman, Kulm. Recht
2, 5, 39
(Thorn
1584
): Vnd ist her ouch syn
[des
burgheren]
obir genos. her mus myt ym kempen. [...]. Synt sy abir alle dry [Schwörenden]
syn obir genos. so werden sy kampes myt rechte ken ym (es geht um die Beschuldigung von Raub und Hehlerschaft bzw. das Abschwören der Tat).
Zu
obergeschrift
: Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 297, 1
(Straßb.
1522
): versiglet in [Brieff] und schreib ein schoͤne Obergeschrifft daruff.
Brack
b 6v
; c 7r
;Zu
obergestüle
: Chron. Augsb.
4, 74, 22
(schwäb.
, v. 1536
): [der preceptor von Memingen] hat mit im gefiert Matheus Lang in ainem chorrock wie ain thuͦmherrn und hat in neben die fürsten in das obergestiel gestelt.
Zu
obergut
: Winter, Nöst. Weist.
3, 795, 21
(moobd.
, Hs. 16.
/17. Jh.
): unangesechen in demselben lantgerichtsgezürk si die obergüeter ligent sein.
Zu
oberhau
: Sachs
4, 213, 19
(Nürnb.
1545
): Er sprach: Der kunst zu eym eingang | Lehrt man öber- unnd under-haw, | Mittel und flügel-haw genaw.
Zu
oberhemd
: Voc. inc. teut.
r viijv
(Speyer
um 1483
/4
): Owerhemd Faitia vnomõ d’r camisia artar stricta astringe͂s malieru͂ pectus.
Pfälz. Wb.
5, 198
.Zu
oberhorn
: Bauer u. a., Kunstk. Rud.
180
(oobd.
, 1607
/11
): das oberhorn oder überbain ist nidergedruckht brait außgewelbt, scheint meines bedunckens das weiblin vom vorigen sein.
Zu
oberkoch
: Dasypodius
12r
(Straßb.
1536
): Archimageirus, Kuchen meister oder oberkoch.
Zu
oberkumpan
: Toeppen, Ständetage Preußen
5, 465, 20
(preuß.
, 1501
): Hat inen m. g. h. den oberkumpan zugeschickt, und aber abschlagen lasen mit erzelung der guten zuversicht, die s. g. zu inen trag.
Zu
oberkunkel
: Schmitt, Ordo rerum
205, 13
(salem.
, 2. Dr. 15. Jh.
): Pensum disene [...] ein chlaben flasch [...] dysen of vlas dat op dem rocken is [...] oberkunckel [...] ein ryße flaß.
Zu
oberlade
: Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 38, 34
(schles.
, 1535
): zu der orberladen
[sic!],
dorein alle gulden und zubusse der ein-und auslendischen gewercken sollen gethan werden.Zu
oberläuterung
: Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
237, 26
(thür.
, 1474
): Hiruff sprechin wir schepphin zcu Lipczk vor recht zcu eyner obirlutterunge.
Ebd.
328, 10
: szo sulte er ewern [spruch] zcur zceit auch nach annehmunge bimeltes spruchs ober gehabte leuterunge zcu keyner obirleuterunge [...] gelassen werden.
Zu
oberleder
: Ziesemer, Marienb. Ämterb.
140, 17
(preuß.
, 1406
): 200 par solen czugesneten, item 400 par obirleder czugesneten.
Ders., Gr. Ämterb.
506, 32
(preuß.
, 1434
): 20 stukke solleder, 40 stucke scheffte und oberleder.
Zu
oberlefze
: Dict. Germ.-Gall.-Lat.
348, 36
(Genf
1636
): oberlefftzen / die obersten lippen am Mund.
Zu
oberleine
: Ermisch u. a., Haush. Vorw.
223, 16
(osächs.
, 1570
/7
): Do [...] du deine netze gestelt und aufgericht hast, so lauf dem netze, das erstlich gezogen, nimb die oberleine von der furkel und erhebe die undere leine an derer statt hinauf.
Zu
oberlerer
: Luther, WA
30, 3, 385, 30
(1531
): das, wo es einem andern denn dem oberlerer offenbart wird, sol der oberlerer schweigen und folgen.
Zu
obermeid
: Bücher, Berufe Frankf.
1914, 90
(a. 1398
).Zu
obermüle
: Ziesemer, Marienb. Ämterb.
151, 14
(preuß.
, 1441
): In der obirmole: 8 billen und 2 steynwoffen.
Zu
oberpforte
: Ziesemer, Proph. Cranc Jer.
20, 2
(preuß.
, M. 14. Jh.
): und sluc Phassur Jheremiam den propheten unde sazte in in den stok, der do was in der obirphorten
[
hohen thorFroschauer
1530: ;
obern portenDietenberger
1534 / Eck
1537: ;
öberthorLuther
1545: ]
Benyamin bi dem huse des herren.Zu
oberpfoste
: Schmitt, Ordo rerum
56, 7
(omd.
, 1466
): Superliminare (Superlimen [...]) obirposten [...] vberswelle [...] oberswell.
Zu
oberrache
: Schmitt, Ordo rerum
338, 26
(salem.
, 3. Dr. 15. Jh.
): Rumen [...] obergume [...] oberrach [...] vnderrach.
Zu
oberreiter
: Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 5, 31
(schles.
, 1529
): es sall kein czechenpferd one wissenund zubus des oberreiters von czechen weggenommen werden, er wer dann sache, dass [...].
Zu
oberrok
: Dasypodius
31r
(Straßb.
1536
): Chlaena, Laena, Ein ober rock oder mantel.
Zu
oberror
: Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 3, 9
(hess.
, um 1450
): sal durch das wort gantzen harnesch verstanden werden ein isenhut, ein koller, ein gantzer rucke und krebs, armegewandt, isern wapen, hentschuwe und oberroren.
Zu
oberschale
: Bauer u. a., Kunstk. Rud.
126
(oobd.
, 1607
/11
): 2 thierlein voller schieppen als von einem tannzapfen allein die oberschaln scheint ein geschlecht sein der armadillen.
Zu
oberschenkel
: Mylius
B 8v
(Görlitz
1577
): Femur Oberschenkel.
Zu
oberschepfe
: Leman, Kulm. Recht
2, 2, 7
(Thorn
1584
): Strofet eyn man eyn orteyl daz ym eyn scheppe teylet tzu schaden. [...]. vnd tzuhet sich der strofer myt den scheppen tzu rechtir tzucht an dy obir scheppen.
Rwb
10, 170
.Zu
oberschmelzer
: Ermisch, Sächs. Bergr.
139, 4
, Anm. (osächs.
, o. J.): desgleichen yn iczliche hutte einen oberschmelczer, dornoch sich dye andern schmeltczer, [...], müssen richten mit auffnehmen der schmeltczer knecht schobmacher (?) und vorlauffer und dorzu gethreulichen auffczusehen der gewerckenn und mein g. h. yrn nucz. [...] und dem oberschmelczer ein czimlicher lon von den offen geben.
Zu
oberschnabel
: Bauer u. a., Kunstk. Rud.
181
(oobd.
, 1607
/11
): 1 ander ebenmessiger ober und underschnabel, [...], beysam gebunden.
Zu
obersiegler
: Buch Weinsb.
4, 183, 3
(rib.
, 1593
): der abt, ein grober, geiziger man, [...], machte gunst zu hoff bei den reten, officialn, obersigler und bei etlichen burgermeistern, das der untersetzster monch durch die gwelrichter angegriffen, [...] und in gefenknis bracht (wart).
Zu
obersiz
: Lappenberg, Fleming. Ged.
199, 89
(1638
): daß du [Jupiter] den Himmel blos nur uns zu danken hast | und deinen Obersitz.
Zu
oberstat
: Toeppen, Ständetage Preußen
1, 98, 9
(preuß.
, 1403
): dy geste, dy czur zee wart her in dys land komen, das sy keyne nyderloge in den obirsteten halden, sunder mit erem gute varen und keren im lande, wor sye wellen.
Chron. Strassb.
98, 23
(els.
, 1362
): gewunnentz [brouehus] an dem ersten tage des monotes [...]. und alle oberstete von Berne, von Lucerne, von Basel, von Friburg, und andere stete vil.
Zu
oberwale / oberwelscher
: Schmitt, Ordo rerum
126, 5
(salem.
, 2. Dr. 15. Jh.
): Jtalicus wale [...] ober wale [...] oberwalich [...] oberwelscher.
Zu
oberwer
: Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
539, 3
(m/soobd.
, 17. Jh.
): Daß jeder burger sein gebührende ober- und seitenwöhr habe.
Zu
oberwimperbraue
: s.
oberbraue
. Zu
oberwind / oberwindeshalb
: Boner, Urk. Aarau
930, 5
(halem.
, 1631
): ein behausung alhie vff dem blatz, [...], oberwindtshalb an den fuͦßweg, sonenhalb an den Hirtzengraben gelegen vnd mitternachthalb an die gaßen stoßende.
Turmair
4, 42, 1
(moobd.
, 1522
/33
): Oster- und westerwind, den man ober und nider nent, wäen dick und oft und gegen denen pflegt man nit zu pauen; der oberwind pringt gern regen und ungewitter, der ander schœn und stæt wetter.
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
260
(a. 1522
) (mit Beleg zu oberwind
).Zu
oberzehenter
: Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl.
1, 1077, 2
, Anm. (mosfrk.
, 1497
): die solten dem junker als ein oberzenner dis dorfs uf seinen kosten zusammen thun kommen vur das dorf zu erhalten bei seiner gerechtigkeit, alsdan solt sich aller schaden kosten und boeß an denen verfallen, die danran schuldig und versäumet.
Rwb
10, 196
.Zu
oberzeile
: Chron. Strassb.
232, 13
(els.
, A. 15. Jh.
): Jn dem sehsten capitel sint [...] ouch ander ding noch ordenunge der buͦchstaben der öberzilen des abeces.
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
260
.