niedersehen,
V., unr. abl.
›den Blick senken, nach unten blicken‹ (von der Sehrichtung gesagt); in mehrere Richtungen als
niedersehen
metaphorisiert: ›etw. verachten‹; ›(demütig) nach unten auf die eigene
krankheit
, das
nicht vermögen
blicken‹; ›nach unten auf die
dinge
blicken‹ (von einer Richtung des
verständnisses
der
vernünftigkeit
gesagt);
vgl.
nieder
1.
Älteres und mittleres Frnhd.; Texte der Mystik.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
1, 351, 4
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
als diu sêle sich her nider kêret, sô ist si ein vrouwe. Mit einem gedanke und mit einem nidersehenne sô ziuhet si vrouwenkleit ane.
Ebd.
2, 202, 2
:
Vernünfticheit nimet wol von lîplîchen dingen: in dem stücke ist wille edeler; aber ez ist an einem teile der vernünfticheit in einem nidersehenne und in einem nidervalle, dâ diz verstantnisse bilde nimet von lîplîchen dingen.
Karnein, Salm. u. Morolf
27, 2
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
Bitz einer das wort ie vollen gesprach, | der kunig von zorn nider sach.
Vetter, Pred. Taulers
163, 18
(
els.
,
1359
):
in disem aller seligosten wege der pinlicheit sol der mensche alwegen leren nider sehen in sin krankheit, in sin nút vermúgen.
Ebd.
164, 14
:
In disem nidersehende in sine gebresten sol sich der mensche sere demuͤtigen und legen sich fúr die fuͤsse Gotz.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
1, 158
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
vs minne kumet vollekomen ruwen vnd luterunge der consciencien, vnd daz geschiht in dem nider sehend vf die missetat vnd vf die flecken der selen.