nieder-
[+ Subst.]; zur Auswahl und zur Reduktion des Beschreibungsprogrammes vgl.
nieder-
[+ V.].nieder-
fungiert in folgender Zusammenstellung als Adjektiv, motivationell sind die Bildungen in der Regel an nieder
1 anschließbar; falls nicht, wird die jeweilige Zuordnungsentscheidung des Lexikographen angegeben; man vgl. aber die Wortbildungsstrecke mit nieder
im Rwb
mit vielfachem Gebrauch im Sinne von ›untergeordnet, nachgeordnet‹ (bei uns Ansätze 2; 3; 5).9, 1471-1512
Wortbildungen:
niederacht
nieder
3
acht
Gegensätze:
hochacht
niederbauch
›Unterbauch‹.Bedeutungsverwandte:
1
leib
niederdorf
›landschaftlich niedriger als eine Vergleichseinheit gelegener Dorfteil, Unterdorf‹. – niedereigentum
›Gesamtheit abhängiger bis leibeigener Hofleute‹; zu nieder
2.Bedeutungsverwandte:
eigenman
1, eigenschaftleute
, untertane
(s. den Regestbeleg Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl.
, Anm. 4; a. 1582).1, 1231
niederfart
1 ›Fahrt flußabwärts‹.Bedeutungsverwandte:
niedergang
niederschwif
Gegensätze:
auffart
Bedeutungsverwandte:
auffart
niederschwif
niedergesteig
›Abstieg, Pfad abwärts‹.niedergürtel
eher ›Lendentuch (Serviette)‹ als ›Gürtel‹. – niederhaltung
wohl ›tiefe Stimme‹; zu nieder
7. – niederhar
›Schamhaar bei jungen Männern und Frauen‹ (auch als Zeichen für das Alter, die Heiratsfähigkeit).Bedeutungsverwandte:
bart
milchhar
unterhar
niederhemd
›Unterhemd‹.Bedeutungsverwandte:
vgl. niederpfeit
niederholder
›Zwergholder‹.Bedeutungsverwandte:
attich
niederleib
›realer menschlicher Körper‹ (im Unterschied zu einem himlischen leib
). – niedermezler
wohl eine sozial niedriger stehende ›Gruppe von Metzgern‹ oder aber ›Metzger von Kleintieren‹; je nach Interpretation vgl. nieder
(Adj.) 2 bzw. vgl. nieder
(Adj.) 5.Gegensätze:
obermezler
niedermüle
›tiefer als eine obermüle
gelegene Mühle‹. – niedermütigkeit
›Demut (des Menschen gegenüber Gott)‹; vgl. nieder
4; 5, mutigkeit
1; 2.Bedeutungsverwandte:
demütigkeit
tiefmütigkeit
niederpfeit
›Unterkleidung‹ (im Beleg als Grenze für die Geschäftsfähigkeit der Frau).Bedeutungsverwandte:
vgl. niederhemd
niederpforte
›untere Pforte‹. – niederschein
›Augenblick als kürzest mögliche Zeitspanne‹.Bedeutungsverwandte:
vgl. anblik
augenblik
niederschwif
›Fahrt flußabwärts‹.Bedeutungsverwandte:
vgl. niederfart
niederteich
›unterer Teich‹. – niederwasser
›Niederwasser, niedriger Wasserstand‹.Wortbildungen:
niederwasserfisch
niederwasserschif
niederwirk
›Untersatz, Postament‹.Belegblock:
Zu niederacht:
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl.
1, 480, 1
(mosfrk.
, 1491
): wie wit breit und verre dat [...] hogericht des amptes von Nurberch ghae und kere, und wiltban, hoacht und nederacht?
Zu niederbauch:
Apherdianus
27
(Köln
1575
): Hypogastron, niderbauch / leib.
Zu niederdorf:
Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica
556
(schles. inseldt.
, 1476
): III firdunge gartten golde, der do obig der brocken ist ÿn dem nÿderdorffe.
Zu niederfart a):
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
7698
(preuß.
, um 1330
/40
): daz er [unholde] genzlîch wolde | tûn den brûdrin vorspart | beide ûfvart und nidirvart | zu schiffe ûf dem wâge.
Zu niederfart b):
Luther, WA
47, 50, 23
(1538
): Das ist nu unser glaube, das Christus warhafftiger Gott und Mensch sej, und seine auffart und nidderfart zeigen an, was er gethan hab. [...] Was nun das werck wird geltten der auffart und nidderfart, das wollen wir sparen.
‒
Vgl. ferner s. v. niedergang
.Zu niedergesteig:
v. Tscharner, Md. Marco Polo
9, 15
(osächs.
, 2. H. 14. Jh.
): So kumt man an eynen grozen unde bosin nydir gestege von xx mylin.
Zu nidergewild:
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
176, 4
(halem.
, 1525
): das sin gnad mit recht gewisen, das si hoch und nider gwild jagen und fahen.
Zu niedergürtel:
Sexauer, Schrr. in Kart.
240, 10
(nöst.
, v. 1450
): di [prüder] dann von im [Chuchenmeister] nemen zu gesaczten tëgen. prot. wein. salcz. löffel. schuzzel. nidergürtel. nadel. vadem.
Zu niederhaltung:
Voc. Ex quo D
60
(oobd.
, 1468
): nider haldung mit der stim.
Zu niederhar:
Schmitt, Ordo rerum
344, 6
(oobd.
, 1. H. 15. Jh.
): Pubes [...] vnder hor [...] nyderhar [...] das haur an der scham.
Zu niederhemd:
Drescher, Hartlieb. Caes.
376, 17
(moobd.
, 1456
/67
): Sy [weibzpild] hett nicht an dann ain nyder hemd und die vor gemelten neẃen schuͦch, die vast wol geflickt warn.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
77, 17
(oobd.
, 1349
/50
): die vaizten dünst, die durch ir [der puoben] niderhemd fliehend.
Zu niederholder:
Henisch
137
(Augsb.
1616
): Attich / Feldholder / niderholder / roterholder.
Zu niederleib:
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
261, 13
(schwäb.
, 14. Jh.
): Ez ist zemerken, ob alle niderlibe, die da natürlichen werden geleitet in wesene, ob die gewerden übermitz die engele von mitele bewegunge der himelscher libe [...]; daz ist, daz si geleitet werden von der macht in die getat.
Zu niedermezler:
Chron. Mainz
1, 15, 24
(rhfrk.
, 15. Jh.
): die obermetzeler und ir genoßen, die nedermetzeler und ir genoßen.
Zu niedermüle:
Ziesemer, Gr. Ämterb.
156, 24
(preuß.
, 1412
): In der nedirmole: primo 8 billen, item 2 steynwoffen.
Ebd.
454, 24
; 611, 29
; Ziesemer, Marienb. Ämterb.
150, 29
.Zu niedermütigkeit:
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
1, 471
(els.
, E. 14. Jh.
): Demuͤtikeit, daz ist nidermuͤtikeit vnd tiefmuͤtikeit, daz ist ein indewendig nider nigen [...] fúr die hochwirdikeit gottes.
Zu niederpfeit:
Winter, Nöst. Weist.
3, 818, 10
(moobd.
, Hs. 1643
): daß kainer frauen geschäft verer craft hat den umb ihr niederpfaid und ihre schuehe und rocken und spindl.
Zu niederpforte:
Ziesemer, Proph. Cranc Hes.
40, 19
(preuß.
, M. 14. Jh.
): er maz di breyte von der sytwende der nydirphorten
[
des ynnersten thorsMentel
1466: ; nd. Bibel 1478:
der nedersten porten; 1522:
der vndersten porten;
des untern thorsLuther
1545: ]
bis an dy sitwende des inrin vrithofs uzwendic hundirt elyn.Zu niederschein:
Strauch, Par. anime int.
59, 17
(thür.
, 14. Jh.
): alse si [sele] sich her nider kerit, so ist si ein frauwe. mit eime gedanke und mit eime nidirschine zuhit si frauwin cleidir an.
Zu niederschwif:
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
13070
(preuß.
, um 1330
/40
): dî brûdir hattin vumfzên schif | geladin, dî den nidirswif | ûf der Wîzlin nâmin.
Ebd.
18805
: Mertin mit den gesellin sîn | [...] | [...] sâzin in daz schif | neminde den nidderswif | unz zu Thorûn.
Ebd.
20439
; 24237
.Zu niederteich:
Ziesemer, Proph. Cranc Jes.
22, 9
(preuß.
, M. 14. Jh.
): ir habent gesament daz wazzir des nydirtiches
[
im untern TeicheLuther
1545: ],
und di huys Jherusalem.Zu niederwasser:
Ralegh. America
22, 9
(Frankf.
1599
): wenn es aber nider Wasser war / warffen wir den Ancker auß.
Maaler
306v
(Zürich
1561
): Niderwaͤsser fisch (die) Fisch in rünnenden wassern. Piscis fluuiatilis. Niderwaͤsser schiff (die) Naues fluuiatiles.
Zu niederwind:
Plant u. a., Main. Naturl.
298rb, 23
(ohalem.
, Hs. E. 14. Jh.
): heizit eurus bisa od’ nider wint vn̄ weget von oriente.
Zu niederwirk:
Buch Weinsb.
1, 358, 32
(rib.
, um 1560
): den 15. mai haben die nachparen s. Jacob in der kirchen [...] ein steinen neder wirk [...] bauwen laissn.