neidig,
Adj.;
auch: neidisch,
neidlich,
neidiglich
.›von Natur aus, infolge der Sündhaftigkeit des Menschen oder aus eigener Verantwortung zur Feindseligkeit, Mißgunst veranlagt bzw. sich für diese entschieden habend (als Haltung); zu unfreundlichem, aggressivem Verhalten gegen andere neigend‹; speziell: ›aufgrund e. S., über die man nicht verfügt, einem anderen gegenüber neidisch, eifersüchtig, haßerfüllt, gehässig gesonnen und entsprechend handelnd‹;
zu
neid
(der
) 1.Gehäuft Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘, auch berichtende Texte.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld; oft kumulativ belegt): abgünstig
, arg
(Adj.) 4; 5; 8, aufrürisch
1, beissig
3, böse
(Adj.) 6; 7, eiferig
1, eigennützig
, geitig
1, giftig
3, 1
gram
(Adj.) 1, hässig
1, hoffärtig
, quadwillig
, stolz
(Adj.) 1; 2, truzlich
1, übel
(Adj.) 1, ungetreu
1, ungünstig
, unhold
(Adj.), unleidig
, untreu
, unwürdig
, verbünstig
, zänkisch
, zornig
.Syntagmen:
(auf neidig
hin normalisiert): das auge / j
. (z. B. der bischof / prediger
) n. sein, j. jm
. (z. B. die hausfrau der magd
) n. sein, j. gegen jn. n. sein
; j. n. beissen, jn. n. ertöten / schelten, jm. n. zusetzen, n. auf einander schlagen, die worte n. lesen
; der neidige anblik / bürger / mensch / nachbar / tor / geist / schlange / has / mut / zorn / stich, der neidige ungetreue (Judas), die neidige ärge / betrübnis / rede, das neidige auge / bubenstük / gemüt / herz
; neidig als ein esel / hund
; subst.: der neidige ein leider sein
; die zäne, der vater der neidigen (Judas)
.Wortbildungen:
neidigkeit
Belegblock:
Schade, Sat. u. Pasqu.
2, 265, 9
(o. O. 1559
): Ein papistisch bischof, pfarrherr, prediger sol ein [...] ehebrecher sein, [...], ein weinseufer, spiler, beißig, neidisch, zenkisch.
Schöpper
17b
(Dortm.
1550
): Inuidus. Neidisch neidig abguͤnstig Verbuͤnstig eiferig.
Luther, WA
17, 2, 166, 34
(1525
): ‚die liebe eyffert nicht‘, das ist, sie ist nicht neidisch, verdreusst sie auch nicht, obs andern besser gehet denn yhr.
Ebd.
22, 201, 22
(1544
): der so hessig und neidisch ist, das er nur freude und lust davon hat, wenn es seinem Nehesten ubel gehet.
Chron. Köln
1, 2820
(rib.
, Hs. 1. H. 15. Jh.
): Die nidige verdreuen burgere | woruen mynen laster sere.
Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 91, 7
(Köln
1583
): Auff daß wir wuͤrdn erloͤset vnd gefreit, | Von vnser Feinden hend vnd neidigkeit.
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl.
196, 11
(Hs. ˹pfälz.
, M. 16. Jh.
˺): Neidiger stich der leyd ich vyl, | mit untreuw wol durchspicket.
Gille u. a., M. Beheim
114, 14
(nobd.
, 2. H. 15. Jh.
): alle tir, schaͮff, gaiss, ku und rass, | junge cziken und verchel, | Und sy dach all czeit neidig sein | uff dy klainen walt vogelein.
Ebd.
246, 31
: der mensch ist kalt und truken, | Neidig und hessig, pos und ark | und ungetreu, geitik und kark.
Sachs
19, 264, 4
(Nürnb.
1563
): Falsche meuler decken irn haß | Und stechen doch hart hinder-rück | Durch neidig, gifftig bubenstück.
Thiele, Minner. II,
13, 152
(Hs. ˹nalem.
/sfrk.
, 1470
/90
˺): unmynn, die ungehurst, | die schuff den selben kauff zu winckelmessenn | in Judas hercz, dem nydisch ungedruwen.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 360, 18
(Straßb.
1522
): Also sein noch vil neidiger Menschen, die gern eins Augs manglen, damit ein anderer gar blind sei.
Jörg, Salat. Reformationschr.
30, 17
(halem.
, 1534
/5
): der gott / so den nydigen schlangen verfluͦcht jmm paradys.
Dreckmann, H. Mair. Troja
11, 20
(oschwäb.
, 1393
): aber diu neidkait diser wellt, diu da all zeit nit wann uf daz böst gat, diu kom da so gar in all dise wellt, das [...].
Heydn. maister
34r, 10
(Augsb.
1490
): vie einer fliehen möchte den haß der neÿdigen menschen.
Ebd.
27v, 13
: wenn sein haußfraw die was neÿdig seiner schoͤnen maget / dÿe er het.
Brandstetter, Wigoleis
221, 8
(Augsb.
1493
): sy schluogen vnnd haueten so neidiklich auf einander dar von sich das feür aus den helmen [...] erzünden thet.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 255, 33
([Augsb.
] 1548
): So warn sy
[Bauern]
über alle massen stoltz / halßstarrig / ungehorsam / auffruͤrisch / geytzig / neydisch / ungeleübisch / Yedermann was nichts / dann sy allaine. Chron. Augsb.
2, 97, 2
(schwäb.
, Hs. 16. Jh.
): von unser aller großer sünd wegen, daß niemant kain gotsforcht hat, wir seien hoffertig, neidig und heßig gen ainander.
Rot
287
(Augsb.
1571
): AEmuliern, Eyfern / unguͤnstig sein / einem etwas mit neydigem gemuͤt nach thuͦn.
Niewöhner, Teichner
177, 47
(Hs. ˹moobd.
, 1360
/70
˺): ob dann ayner saezz da neben | der seim lob wolt wider streben | durich seinen neydichleichen muͤt.
Klein, Oswald
39, 24
(oobd.
, um 1426
?): Von geitikeit ich selden rü, | spot, zoren, unkeusch ist mir kund, | überessen, trinken spat und frü, | träg, neidig als der esel und hund.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst. Vorr.
84
(moobd.
, A. 15. Jh.
): daz si daz icht unwirdichleich und neydichleich peyssen vnd fraisleich reissen, sunder liepleich vnd prüderleich straffen.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
37, 5
(moobd.
, 1473
/8
): Des gwan er von den zwayen neydliches hassen.
Helm, H. v. Hesler. Apok.
170, 21
; Peil, Rollenhagen. Froschm.
130, 2689
; Luther, a. a. O.
41, 245, 12
; Frantzen u. a., Kölner Schwankb.
3, 531
; Kehrein, a. a. O.
7, 23, 4
; Fischer, Brun v. Schoneb.
9925
; Leman, Kulm. Recht
2, 5, 49
; Ermisch u. a., Haush. Vorw.
232, 36
; Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
12, 35
; Gille u. a., a. a. O.
173, 95
; Sachs
12, 35, 24
; 15, 67, 12
; 15, 421, 4
; 16, 476, 24
; Williams u. a., Els. Leg. Aurea
167, 11
; 371, 1
; Kurrelmeyer, Dt. Bibel
3, 43, 12
; Bolte, a. a. O.
1, 23, 7
; Adrian, Saelden Hort
2708
; Wyss, Luz. Ostersp.
6664
; Völker, Antichrist
540
; Fischer, Eunuchus d. Terenz
82, 26
; Fichtner, a. a. O.
264, 4
; Turmair
4, 309, 26
; Bauer, Imitatio Haller
76, 14
; 100, 17
; dies., Haller. Hieronymus-Br.
111, 37
; Maaler
305v
; Dict. Germ.-Gall.-Lat.
341
.‒
Vgl. ferner s. v. anblik
1, arg
(Adj.) 5, auge
8, behalten
(V.) 1.