mesner,
der
;
-s/–
.
– Obd.; gewisse Beleghäufung für Rechts- und Wirtschaftstexte.
›Meßner, Kirchendiener, auf einer niederen Ansehensstufe stehende, oft in Naturalien bezahlte, der Forderung nach dennoch unverleumdete männliche Person, die für alle innerhalb der Arbeit der Kirche anfallenden einfachen Tätigkeiten, tendenziell auch für Aufgaben im Schulbereich (als
schulmeister
) sowie in der Gemeinde (z. B. als
hirte, turmbläser
) zuständig ist‹;
zu
1
messe
 1.
Phraseme:
das weis ein mesner auch
›das weiß ein jeder‹;
zulezt doch ein mesner werden
›(beim Streben nach Höherem) doch ein Kleines erreichen‹.
Bedeutungsverwandte:
büttel
,
kirchendiener
,
kirchenhüter
,
kirchner
,
kirchwarte
(
der
),
messant
,
opferer
,
sigrist
; vgl.
kirchenknecht
 1,
glokner
.
Syntagmen:
einen m. bestellen / feststellen / erwälen / fangen / haben / setzen / verwunden
;
j. ein m. werden, jn. m. sein lassen, js. anherre ein m. gewesen sein
;
der m. etwas gelert sein, einen guten leumund haben sollen, der m. der kirche abwarten, des kirchhofes geniessen, (nicht) faren dürfen
›sich nicht mit Waffen im Lande bewegen dürfen‹,
der m. etw. einschneiden
(z. B.
garben
)
/ haben
(z. B.
einen leib brot
) /
empfangen
(eine Naturalabgabe, z. B.
kerne
);
das dritte brot des mesners sein
;
dem m. etw. sagen /
[einen Betrag]
(aus)richten, etw. geben
(z. B.
eine morgensuppe
),
etw. schuldig sein
(z. B.
garben
),
dem m. etw
. (z. B.
schmalz
)
gehören
;
durch den m. schätzen, das [...]
;
der getreue / gute m
.;
der hof, das ros des mesners
.
Wortbildungen:
mesnerdienst
,
mesnergarbe
,
mesnerhaus
,
mesnerknecht
,
mesnerlehen
.

Belegblock:

Schöpper
64b
(
Dortm.
1550
):
Sacrificus. Opfferer meßner messandt.
Leman, Kulm. Recht
2, 5, 42
(
Thorn
1584
):
faffen vnd wip vnd ketzer vnd iuden. vnd meysenere dy sullen nicht selbir varn. sy sullen abir yre hulfe dortzu
[zum
yagen
der
echter
]
tun.
Mayer, Folz. Meisterl.
39, 31
(
nobd.
,
v. 1496
):
Es warb ein man noch pischoffs art, | Zu letst er doch ein mesner wart | Des selben stifftz unnd want im pei.
Chron. Nürnb.
5, 561, 5
(
nobd.
,
E. 15.
/
A. 16. Jh.
):
da pran es zu sant Sebolt hinten pei den glocken: kom auß in der meßnerknecht stublein.
Lexer, Tucher. Baumeisterb.
266, 24
(
nürnb.
,
1464
/
75
):
So sein zwen messnerheuser in den zweien pfarren.
Koller, Ref. Siegmunds
229, 17
(Hs. ˹
Augsb.
,
um 1440
˺):
das aller nottürfftiger ist, ainen guten mesner zu haben.
Roder, Stadtr. Villingen
152, 22
(
önalem.
,
1573
):
Welche zue messner in der statt [...] genommen werden, die sollen schwören, der kürchen nutz fürderen.
Sudhoff, Paracelsus
3, 8, 26
(
1526
/
7
):
das vil mer ist dan das du sprechist, es ist lepra: das weißt der meßner auch.
Leisi, Thurg. UB
7, 233, 2
(
halem.
,
1380
):
das die mesmer sollendt ain ampel brennen vor dyssem altar in ewigkait alle nacht, [...]. Darum sollen die messmer empfachen j mut kernen.
Ebd.
8, 91, 17
(
1339
):
Und sol ain ieklicher, der mesner wirt, den kilchmaigern der selben kilchen ainen aid zuͦ den hailigen schwerren, das er der kilchen getrúw si, und das er den kilchenschatz, es sien kelch, buͤcher, messgewand, wachskertzen und oͤl, getrúwlich besorge.
Maaler
373v
(
Zürich
1561
):
Sigrist oder Meßner (der) Aiditimus [...] Tutelarius.
Hauber, UB Heiligkr.
2, 387, 12
(
schwäb.
,
1494
):
das ouch nichtzit darusz gan sol dann [...] zwolf mesner garben.
Müller, Stadtr. Ravensb.
282, 10
(
oschwäb.
,
1542
):
hat ein e. r. den mesner dinst alhie in U. Fr. pfarrkirchen gebessret.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 812, 22
(
schwäb.
,
1610
):
der mesner schwöret [...], das er der kürchen mit allen iren rechten getrewlich abwarten, [...] wolle.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
1, 140, 13
(
schwäb.
,
1593
, Hs.
1655
):
Daß mößnerlehen alhier würth jährlich von ordens wegen dem mößner verlihen.
Ebd.
317, 1
(
1643
):
Schulmeister und meßner betr. [...], maßen er [schulmeister] dan jörlich uf Invocavit [...], seinen schuol- und mesnerdienst aufgeben soll, jedoch hat er, [...], darumben wider macht zu bitten.
Turmair
4, 732, 5
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Sein
[des
Herodes
]
anher ist ein mesner gewesen des gotshaus der sunnen in der stat Ascalon.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
122, 23
(
tir.
,
1464
):
alles, das er [pischolf] gesëhen het in dem gesicht, das saget er dem mësner wainent.
Brinkmann, Bad. Weist.
67, 9
;
79, 11
;
16
f.;
Chron. Nürnb.
3, 283, 28
;
4, 281, 11
;
Gille u. a., M. Beheim
325, 57
;
Lexer, a. a. O.
180, 20
;
Sachs
14, 136, 13
;
Geier, Stadtr. Überl.
502, 33
;
Roder, a. a. O.
204, 25
;
Gehring, a. a. O.
3, 256, 45
;
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
1, 8, 34
;
2, 110, 18
;
Chron. Augsb.
7, 221, 5
ff.;
UB ob der Enns
10, 359, 13
;
Vogel, Urk. Heiliggeistsp.
1, 267, 21
;
Thiel, Urk. Weltenb.
213, 19
;
Siegel u. a., Salzb. Taid.
26, 34
;
Bremer, Voc. opt.
36061
;
Brack
c 3v
;
Maaler
289r
;
Rwb
9, 553
.
Vgl. ferner s. v.
accolit
,
angesehen
(V.) 3,
aufschlag
 7.