melancholei,
teils lat. Endung:
melancholia
; die
;-Ø/–
;zu
mhd.
melancholîe
(Lexer
), dies über 1, 2092
lat.
melancholia
aus dem Griech.
(Schulz/Basler
; 2, 96
Dwb
; 6, 1988
Kluge/S.
).2002, 611
›Melancholie, Schwermut, Schwarzgalligkeit‹; auch: ›künstlerische Darstellung der
melancholei
‹; nach der hippokratischen Temperamentenlehre ist melancholei
eine aus der Mischung von Säften (aus Blut, Schleim, gelber und schwarzer Galle) bestehende complexion
, ein Gemütszustand, dem man eine Reihe von Eigenschaften zuschreibt, z. B. Traurigkeit, Stumpfsinnigkeit, Phantasieerscheinungen, Schwindel, Mißlaunigkeit, Stimmungswechsel, Verzweiflung, Lasterhaftigkeit; teils stehen diese Eigenschaften im Gegensatz zueinander.Zur Sache:
Lex. d. Mal.
ff.5, 211
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): blödekeit
1; 2; 3, feuchte
, feuchtung
, flegma
, schwarzes geblüt
(s. v. geblut
, das
, 2), kleinmütigkeit
, phantasei
, schwermütigkeit
, taubsucht
, trägheit
, traurigkeit
3, unsinnigkeit
, verzweiflung
.Syntagmen:
(die) m. vermeiden / vertreiben / hinwegnemen, wein die m. ausgehen lassen, jm. die m. austreiben, eine m
. ›Darstellung‹ kaufen
; die m
. (Subj.) hingehen, jn. anstossen, jm. beiwonen, den durst / hunger dämmen, den menschen schwermütig machen, jm. etw. einblasen
; die feuchte m. heissen, feuchtigkeit m. genant sein, trägkeit m. sein
; etw. von art m. sein
; aus m. kommen, das [...], durch m. in der phantasei verwickelt werden, in m. den kopf schütteln, j. in m. fallen / geraten, verleitet sein, etw
. (z. B. schwindelung, der siechtag
) von m. kommen, etw
. (z. B. ein Kraut) wieder die m. sein, j. zur m. ins bad gehen
; die faule / grosse / schwere / hinfallende m
.; das wirtshaus der m
.Wortbildungen:
melancholieren
melancholei
hingeben‹, melancholisieren
complexiones
zuordnen, jn. einteilen‹.Belegblock:
Mieder, Lehmann. Flor.
721, 14
(Lübeck
1639
): Der Trawrig ist der Melancholey Wirthshauß.
Ebd.
761, 20
: Wenn der Teuffel wil sein Vnlust abwaͤschen / so geht er zur Melancholey ins Bad.
Oorschot, Spee. Trvtz-N.
88, 30
(wmd.
, 1634
): melancolieren | Hilfft warlich nitt ein Meidt.
J. W. von Cube. Hortus
102, 14
(Mainz
1485
): Platearius [...] brenget senfft stuͦlgenge vnd drybet vß dem menschen die melancoly das ist die yrdiß feuchtu͂g.
Ebd.
104, 15
: schwyndelung des heubtes die do kommet von der flecma vnd melancoly.
Pyritz, Minneburg
5426
(nobd.
, Hs. um 1400
): daz sie [mynnen glut] machet swinen bar | Den menschen, daz man went, ez sy | Von art gar melicoly, | Daz er kein freude niht mug gewegen.
Gille u. a., M. Beheim
246, 28
(nobd.
, 2. H. 15. Jh.
): Dy ander kumplex und ir stant | ist melancolica genant, | die an dem menschen ist pekant. | der mensch ist kalt und truken, | Neidig und hessig, pos und ark | und ungetreu, geitik und kark.
Loose, Tuchers Haushaltb.
127, 1
(nürnb.
, 1515
): adi 13 ottobris kauft von Türer maler 3 s. Jeronymus und 4 melemcholie von kupffer abgedruckt.
Rupprich, Dürer
1, 154, 133
(nobd.
, 1520
): Jch hab von Antorff auß geschickt: [...] St. Hieronimus jm gehaiß, die Melancholj, die dreÿ neuen Marien.
Sachs
1, 360, 6
(Nürnb.
1558
): Tragkeyt ist ein beschwerdter mut, | Der den menschen verdrucken thut, | Ist faul, langweylig und verdrossen, | [...] | Farenlessig, lab unnd urdrütz, | Vol kleinmütigkeyt und fantasey, | Umbschweyfender sinn, melancoley | Und der verzweiflung ein anfang.
v. Keller, Ayrer. Dramen
7, 7
(Nürnb.
1610
/8
): jhrer viel von oben eingangs gemeltem andern Laster deß müssiggangs [...] abzuhalten vnd allerhand andere [...] Melancoley zu vermeiden.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 99, 31
(Nürnb.
1631
): wird mit dem singen vertrieben die Melancholey vnnd Trawrigkeit deß Gemuͤhts.
Goldammer, Paracelsus
6, 61, 19
(1530
): so wir einfallen in solche melancolei, fantasei und unsinnigkeit, so ist unser arznei das wort gottes.
Sudhoff, Paracelsus
3, 99, 32
(1526
/7
): natürlich ist, das tristitia, melancholia und das schwer gemüt hunger und durst demme.
Ebd.
8, 117, 12
(1530
): man sol die kranken qualificiren, das ist cholerirn, melancholisirn rc, phlegmatizirn und sanguinirn.
Lauater. Gespaͤnste
12v, 14
(Zürich
1578
): daß sich vil lüt selber berede͂d / sy saͤhind oder hoͤrind Gspaͤnst / welches allein vß melancholy vñ taubsucht / vß biddigkeit der empfindtnussen / vnd vß forcht kompt.
Maaler
225r
(Zürich
1561
): Alles trauren vnd melancholy Hin legen.
Ebd.
287v
: Melancholy (die) schwartz gebluͤt das den menschen schweynmuͤtig machet.
Adomatis u. a., J. Murer. J. Man. Spieg.
625
(Zürich
1560
): was da dient zur liebe sust | Das sol byn üch syn allwaͤg fry | hiemit gadt hin dMelancoly.
Eis, Gesundheitsl.
121, 12
(oobd.
, 1520
/30
): die swartzen cholera, das ist melancolia, wermet vnd macht sy
[Bezug auf
weyn]
außgeen vnd beuget ir schäden. Ebd.
133, 11
: der kleyn Basilico
[Pflanze / Kraut]
ist wider die melancoleye vnd für den blutganck. Eschenloher. Medicus
75, 14
(Augsb.
1678
): wie daß ehegemelte seine Hausfraw Fastenzeit in der Kindbeth gelegen / vnd in solcher in schwere Melancholey gerathen.
Luther, WA
47, 20, 28
; Thiele, Minner. II,
30, 7
; Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
86, 12
; Sachs
3, 397, 18
; 4, 144, 6
; Menge, Laufenb. Reg.
1360
; 2221
; Sudhoff, a. a. O.
8, 73, 21
; Welti, Stadtr. Bern
505, 9
; Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
355, 5
; Klein, Oswald
91, 8
; Haage, C. H. v. Hoff. Kunstb., S.
133
; Turmair
1, 294, 11
.‒
Vgl. ferner s. v. anhebung
1, anstossen
9.