meissel,
der
;–/-Ø
;meissen
, auffaßbar.1.
›scharfes, mit einer Schneidfläche versehenes Instrument zur Bearbeitung von Holz, zum Behauen von Steinen, Eingravieren von Bildern u. ä.‹; auch tropisch; vgl.
meissen
.Bedeutungsverwandte:
grabeisen
grübeleisen
schabmesser
schneidmesser
stecheisen
stoseisen
beissel
der
), grabstickel
Belegblock:
Ziesemer, Marienb. Ämterb.
78, 33
(preuß.
, 1420
): im schirhuwsze 1 czymmerbiel, 1 axs, 4 nebiger, 2 meysel.
Luther, WA
23, 555, 24
(1527
): Die Juden aber und Pilatus sind hiezu
[zur Vervollkommnung durch das Leiden]
unsers Gottes meissel, steinexte und kloͤppel eisen gewest, die er dazu gebraucht hat, diesen stein zu polieren. Volkmar
563
(Danzig
1596
): Scalprum, ein meissel / schabmesser / schneidmesser.
Thiele, Minner. II,
31, 434
(Hs. ˹md.
/rhein.
, 1. V. 15. Jh.
˺): noch harter dan kein meizel | sleit syn hant dorch vindes her.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
7802
(omd.
, 1338
): Man wol mit eynem meyzel scharf | Grabe ineynen kyseling.
Voc. inc. teut.
p iiijv
(Speyer
um 1483
/4
): Meyssel der steinmetze͂. [...] Meissel der zimerleit.
Bremer, Voc. opt.
14023
(oschwäb.
, 1468
): Scalprum [...] maissel [...] stoßysen [...] significat instrumentum ferreum predurum in cono, per quod effigantur ymagines in lapidibus uel metallis.
Voc. rerum
55r
(Augsb.
v. 1474
): Scalprũ gruͤbel eysen vel meissel vel stoß eysen.
Winter, Nöst. Weist.
2, 692, 34
(moobd.
, A. 15. Jh.
/1566
): unrechte weer, armbst wurfpeil maissel und häckl, [...], die sint verpotten.
Ziesemer, a. a. O.
144, 27
; ders., Gr. Ämterb.
607,
Anm. 4; Luther, WA
23, 521, 18
; Schmitt, Ordo rerum
231, 7
; Voc. Teut.-Lat.
m vijv
; Dasypodius
428v
; Dict. Germ.-Gall.-Lat.
322, 3
.‒
Vgl. ferner s. v. abschüpfen
2.2.
›Sonde, kleines Messer des Wundarztes‹.Obd.; meist fachbezügliche Texte.
Wortbildungen:
meisseleisen
meisseln
Belegblock:
Keil, Peter v. Ulm
39
(nobd.
, 1453
/4
): ein gut pflaster, daz do heilt all frischen wunten an maissel.
Cirurgia H. Brunschwig
23vb, 21
(Straßb.
[1497
]): ein clein subtil meissel der den neruu͂ nit berürt / vff das er keinen schmertzen bring.
Ebd.
31ra, 33
: Das [Canfer] vnder ein ander getemperieret vnnd dan von dem ie ein wenig gewermet vnd dar in ein meyssel genetzet vnd in die wunden gestossen vnd gegossen.
Lemmer, Brant. Narrensch.
38, 16
(Basel
1494
): Wer gern well werden bald gesund | Der zoug dem artzet recht die wund | Vnd lyd sich / so man die vff brech | Oder mit meißlin dar jn stech.
Maaler
287r
(Zürich
1561
): Meisseleysen der wundartzten. Speciu͂, Specilium, Scalprum chirurgicum.
Weitz, Albich v. Prag
149, 11
(Hs. ˹oobd.
, A. 16. Jh.
˺): wenn ain wunden gar durch gieng, so solt du die wunden zu paiden seytten maisseln.
Ebd.
12
: die maissel sullen ain ander nit ruͤren.
Keil, a. a. O., S.
420
; Rohland, Schäden
478
; Voc. rerum
80v
; Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
238
; Dasypodius
223v
; 380r
.3.
›jm. geschlagene Wunde‹.Belegblock:
Pfälz. Wb.
1, 1284
(a. 1469
).4.
›Charpie, Bausch, Pfriem, Wieche, aus Tuch, Baummark o. ä. hergestellter und mit Salbe bestrichener Gazepfropfen zum Einführen in eine Wunde‹.Bedeutungsverwandte:
lumpe
pflaster
Wortbildungen:
meisseln
meisselwunde
meissel
2; a. 1399).Belegblock:
Voc. inc. teut.
p iiijv
(Speyer
um 1483
/4
): Maissel in ein wunde͂ plagella.
Fastnachtsp.
377, 23
(nürnb.
, v. 1494
): Wann ich wone in gar fleißig bei | Mit pflastern, meiseln und ander arznei.
Rohland, Schäden, S.
478
(nalem.
/schwäb.
, 1400
/33
): nim holder marck, das dürr ist, vnd trucke es vast zuͦ samen vnd mach dar uß ein meissel, das wol an ruͤorre in das löchlin gaut.
Maaler
173v
(Zürich
1561
): Die winckel der Geschwaͤren mit vndergeschobnen meisseln vnd lumpen außfullen.
Ebd.
287r
: Meissel von schleissen gemacht / wie jn die wundartzet brauchend. Pannus [...]. Ein Meissel in die wunden thuͦn oder lege͂. Linamentum dare in plagam.
Müller, Stadtr. Ravensb.
161, 17
(oschwäb.
, 1367
): daz man die selben wunden maiseln oder pflestern muͤsi.
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
238
.