malvasier,
malmasier,
der
.›edler Wein, dessen Herkunft auf die Landschaft um Monemvassia (daher der Name) auf der Halbinsel Morea (Peloponnes) zurückgeführt wird‹; generell: ›Südwein‹;
malvasier
begegnet in den Belegen mehrfach zusammen mit anderen Weinen (z. B. mit alicante, bassaner, muscatel, reinfal, welschwein
) und Getränken (z. B. mit bier, met, gräussing
) sowie mit ausgewählten Speisen (fisch, wildbrät, confect
) und steht dann zeichenhaft für üppige Festlichkeiten auf hohem Sozialniveau.Syntagmen:
m. begeren / auftragen / dienen / schenken / schicken / nemen / trinken / kosten, auf den markt füren, m. bei etw
. (z. B. bei einem mas
) messen / verkaufen, jm. m. geben
; der m. etw. gelten, der beste / höchste trank sein, sich mit landwein mischen
; sich mit m. füllen
; der m. der treue
(poetisch); der edle / gute / köstliche m
.; der becher / stauf, das mas / lagel / achtel / viertel m
.Wortbildungen:
malvasierkrauch
Belegblock:
Luther, WA
32, 85, 17
(1530
): Eben als yhr zween kunnen einen becher Malvasier ynn der hande halten, der eine zittert mit den hand, der ander zittert nicht.
Ebd.
33, 101, 18
(1531
): ich wolt dir lieber rathen, das du malvasier trunckest und nur an Christum gleubtest undt liessest den Munch wasser oder seinen eigenen urin sauffen.
Blümcke, Hans. Gesandtsch.
25, 28
(nrddt.
, 1603
/05
): dass der Grossfurst etzliche stucke weinss, alss von Alekanten, Malvasier, auch Reinischen wein begerende.
Lau, Qu. Siegburg
120, 15
(rib.
, 1516-31
): ein hundert malmesienkruichen sall gelden 4 marck.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
35, 8
(osächs.
, 1570
/7
): Wann der wein vergohren hat [...], so nimb ein maß malvasier und thue den in ein [...] pfannen, setze das übers feüer. [...] geüß es so heiß ins ausgespielte faß, [...] und laß es vier wochen also liegen. Also dann zeüch den neüen wein darauf. Dieser schmeckt wie ein muscateller nachn stock.
Pyritz, Minneburg
2522
(nobd.
, Hs. um 1400
): Nym margram opfel wasser | Und diner gute zipper win | Und diner truwen malvasin, | Guͤß ez in mynes hertzen munt!
Fastnachtsp.
726, 4
(nobd.
, 15. Jh.
): Muscatell und auch Malmasier | Das trink ich für saurs pier.
Keil, Peter v. Ulm
142
(nobd.
, 1453
/4
): ein zagel-wasser. Nym iiij lot glet vnd ein achttail malmasirs: daz sewd vntereinander.
Loose, Tuchers Haushaltb.
66, 22
(nürnb.
, 1508
): ein lagel muschatel mallfesier, damit ich den herczog F(riedrich) kurfurst etc. mit verert hab.
Sachs
20, 446, 25
(Nürnb.
1563
): Da trug man auff wildbrät und fisch, | Malvasir, vernetsch und rot-wein.
Thiele, Minner. II,
12, 327
(Hs. ˹nalem.
/sfrk.
, 1470
/90
˺): nye dings was also dure, | es wurd unwerd, wurd es wolfeil gegeben. | wer sam der Ryn ein flus vonn malmasien, | sie gult nit eynen heller.
Ebd.
13, 307
: der edel malmasy | hatt sich gemüscht mit lantwin auch darunder.
Fuchs, Murner. Geuchmat
3555
(Basel
1519
): Rüschpret sy sich hertigklich, | Lieff ich in die appotecken glich | Vnd holet ein meßlin malmasier.
Sudhoff, Paracelsus
6, 246, 15
(1528
): herwiderumb auch der malvasir das höchst drank und das best, hingegen aber hat er den größten corrosivischen essig in im.
Baumann, Bauernkr. Oberschw.
220, 5
(schwäb.
, v. 1542
): Das tranck ist gwesen Rainfal, Malfensier, reynisch rot und weiß wein, Rosatzer, Neckerwein und aimbeckisch weis bier.
Chron. Augsb.
7, 401, 5
(schwäb.
, zu 1547
/8
): dem alcaldi gibt man nur ain fiertl Malmasier und 3 semlen, 3 bretzen.
Schmitt, Fachprosa
89, 11
(bair.
, 2. H. 15. Jh.
): Hertzog Sigmunds rennen Item nymb j lott birbaumben mistel, ein lott galgan, j lott epheu an den eichen, [...]. Vnd so du rennen wilt, so gib dem lauffer des puluers drey tag vff dem futter ye j lott vnd bespreng das futter mit gutem malmasier
[als Stimulans für Rennpferde].
So wurstu wunder erfaren. Zingerle, Inventare
69a, 41
(tir.
, 1484
): vermerckt, das Malmasier, Rainual, Passaner geyt das vass ain r. gulden.
Eis u. a., Asanger Aderl.
3, 17
(sböhm.
, 1531
): das ist ain guet regimen fur dj pestilentz. Recipe teuffels piß, [...], züm andren nym kranäugl, auch gepulffert, [...], zu dem dritten nym ttiriacam, [...], zum vierdnn nembt malmasier oder prantten wein. Temperiert das alles duricheinander.
Luther, WA
45, 360, 22
; Boon, St. Prätorius
71, 23
; Klett, J. v. Soest
8, 1588
; Helbig, Qu. Wirtsch.
3, 104, 18
; Welti, Pilgerf. v. Walth.
5, 22
; Opel, Spittendorf
124, 6
; Gille u. a., M. Beheim
354, 120
; Chron. Nürnb.
3, 393, 32
; Sachs
5, 337, 18
; Broszinski, Minner. Chir. Parva
83v, 22
; Müller, Nördl. Stadtr.
82, 13
; 456, 9
; Chron. Augsb.
3, 190, 8
; 233, 6
; Klein, Oswald
23, 54
; Stolz, Zollwesen
78, 10
; Mylius
C 8r
; Pfälz. Wb.
4, 1149
; Schwäb. Wb.
4, 1430
; Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 87
.‒
Vgl. ferner s. v. alemonie
, ampher
, bassaner
.