leut,
der / das
;
-es/–
.
– Zur Lautung von 'Leute' in den rezenten deutschen Mundarten s.
regionalsprache.de, s. v.
Leute
.
– Im mittleren Frnhd. auslaufend.
1.
›geringe Anzahl bis größere Menge von Menschen; Volk; Menschheit generell; einem Herrscher zugehörige Menschen, Untertanen, Leute‹.
Vielfach Texte der Sinnwelt ,Religion‘.
Wortbildungen:
leutlos
›menschenleer‹ (um 1476),
leutsdrek
,
leutskot
,
leutsstein
(zur Erklärung s. den Beleg),
leutswurm
wohl eine Laus oder ein Darmwurm.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
4145
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
An cleiderin rîcheite | und ubirvluzzikeite | nicht achtit noch daz selbe lût.
Große, Schwabensp.
104a, 34
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
Mich suͦchet vil luͦtes nach miner vfirstende.
Helm, H. v. Hesler. Nicod.
4390
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
du [Crist] bist war heil des lutes.
Ders., H. v. Hesler. Apok.
5323
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Lut und vie wirt selic dort.
Leman, Kulm. Recht
2, 23
(
Thorn
1584
):
Begrift eyn man eyne iuncvrouwe vf eyme ackir, do nicht lute en ist.
Fischer, Folz. Reimp.
9b, 100
(
Nürnb.
,
um 1485
/
86
):
alls es
[
worber
›eine Wahrsagerbeere‹]
ein richen hot
›riecht‹,
| So iß nicht anders dan leütskot.
Sachs
17, 203, 20
(
Nürnb.
1557
):
Der feyhel schmeckt gleich wie leutsdreck!
Hulsius
L iijr
(
Nürnb.
1596
):
Leut / gens.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
564, 14
(
els.
,
1362
):
Von disem zeichen wart vil lútes glǒbig.
Schade, Sat. u. Pasqu.
2, 150, 26
(
els.
1521
):
an feirtag, so vil leut zuͦm opfer kumpt in allen dörfern.
Merzdorf, Historienb.
673, 3
(
alem.
, Hs.
2. H. 14.
/
A. 15. Jh.
):
so wart er rich und gewan in demselben zil gar vil lútes und guͦtes.
Adrian, Saelden Hort
5212
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
swaz lútes in der gegene | man da sach kainen presten han.
Schmidt, Rud. v. Biberach
73, 1
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Verstentnissi ist ein kraft der sel [...] ,zvͦ ervarne goͤtlich heimlichi, vnd dar zvͦ kvmt wenig luͥttes‘.
Päpke, Marienl. Wernher
141
(
halem.
,
v. 1382
):
Den ainen tail si mǎssen | Mit trúwen dem armen lút.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
32, 25
(
oobd.
,
1349
/
50
):
die veigen machent niht guot pluot und dar umb machent si dem menschen vil leutswürm.
Ebd.
305, 16
:
pediculus haizt aigencleich ain füezling. daz ist ain leuteswürml oder ein kintpeiz, und haizt dar umb ain füezling [...], daz ez vil füez hât.
Ebd.
456, 8
:
Piropholos mag leutsstain haizen. wan [...], der stain ist gar edel und wirt auz ains menschen herz, daz mit vergift ist getœtt, wan daz herz mag in feur niht verprinnen.
Helm, H. v. Hesler. Apok.
18302
;
Pyritz, Minneburg
1926
;
Williams u. a., a. a. O. Aurea
632, 24
;
671, 29
;
750, 16
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 112
.
2.
›Kriegsvolk; Kriegsknechte; militärisches Aufgebot‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
kriegsvolk
.

Belegblock:

Päpke, Marienl. Wernher
10004
(
halem.
,
v. 1382
):
Das si
[Beine Christi]
do von ainander nút | Bringen mocht das vaige lút.
Bernoulli, Basler Chron.
5, 5, 175, 7
(
alem.
,
1421
):
die kurfúrsten [...] schribent iederman sine summ lútz, mit wie vil er solte kommen.
Chron. Strassb.
856, 12
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
do wart ouch menig schif so vol lütes, das daz schif underging.