1
leffel,
1
löffel,
der
;
-s/-Ø
;
in manchen Belegen wortspielerischer Bezug auf
2
leffel
.
– Zur Lautung von 'Löffel' in den rezenten deutschen Mundarten s.
regionalsprache.de, s. v.
Löffel
.
›Schöpfinstrument, Löffel (je nach Verwendungsfunktion von unterschiedlicher Größe und Form, so z. B. Schöpflöffel, Kelle, Eßlöffel, Kochlöffel)‹; tropisch: ›(Eßlöffel) als Maßeinheit‹; ›Hasenohren‹. - Der Löffel gehört im Frnhd. zum geringwertigen Minimalbesitztum, dessen Verlust symbolisch völliger Armut gleichgesetzt werden kann. In wobd. Quellen ist der gemeinsame Gebrauch eines einzigen Löffels als Strafe für streitende Personen, häufig Ehepaare, belegt (
Rwb
8, 1382
).
Phraseme:
dem koch etw. in den löffel geben
›Trinkgeld geben‹;
jm. wird ein löffel nicht zuteil
›j. geht vollkommen leer aus‹;
jm. bleibt kein löffel
o. ä. ›j. ist vollkommen arm‹;
jn. mit einem leffel ertränken
›jn. langsam, aber sicher umbringen‹.
Bedeutungsverwandte:
schäufele
,
schnabelholz
.
Syntagmen:
(einen) l. aufheben / erben / finden / geben / haben / machen / nemen / schneiden; etw. an dem l. behangen, jn. in einem l. ertränken, etw. mit einem l. aufheben / rüren, mit dem l. essen, jn. um l. beklagen; ein l. vol e. S.
(Gen., z. B.
öles / rosenwassers
)
, ein l. von etw.
(z. B.
baringenkorn
)
; der beschlagene / buchsbaumene / eiserne / fläderne / geschnizte / hörnerne / neue / silberne / zinnene l.; schnit des l
.
Wortbildungen:
leffelbüchse
,
leffelfas
,
leffelfutter
›Futteral zum Aufbewahren von Löffeln‹,
leffelgans
›Pelikan‹,
leffelgiesser
,
leffelgurt
›an der Wand befestigter Riemen zur Aufbewahrung von Löffeln‹,
leffelholz
1. ›Holz (wohl des Faulbaums), aus dem Löffel geschnitzt werden‹; 2. ›Aufbewahrungsholz als Kasten zum Hineinstellen oder in Brettform zum Anhängen der verschiedenen Löffel‹ (dazu als Phras.:
nicht weit vom löffelholz sein; kein leffelholz machen können
›nicht das Geringste zustande bringen‹);
leffelkar
(Grundwort zu
1
kar
 1),
leffelkorb
,
leffelkratte
›Löffelkorb‹,
leffelkraut
›Cochlearia, Alisma plantago-aquatica oder Rundes Hasenohr‹ (
Marzell
1, 191
;
698
),
leffellade
,
leffelmacher
,
leffelnäbiger
›Löffelbohrer, Werkzeug in der Holzverarbeitung mit einer löffelähnlichen Höhlung‹,
leffelreim
,
leffelstal
›feiner, dünner Stahl‹,
leffelstiel
,
leffelwein
.

Belegblock:

Ziesemer, Gr. Ämterb.
289, 24
(
preuß.
,
1441
):
2 borer, 2 leffelnebiger, 4 windenebiger.
Ebd.
568, 37
(
1415
):
1 leffelvuter mit leffeln.
Chron. Köln
2, 132, 10
(
rib.
,
1357
):
In dem selven jair bleif der win also hart, dat man in mit lersen trat, ind dat heisch der loeffelwin.
Voc. inc. teut.
p ijv
(
Speyer
um 1483
/
4
):
Leffelfuter Cocleabulu͂.
Spanier, Murner. Schelmenz.
28, 32
(
Frankf.
1512
):
Eyn schelm wil gott regieren leren, | [...] | Der nie keyn loffel holtz kundt machen.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 498, 36
(
hess.
,
1601
):
landtstreicher als kesselflicker, löffelgiesser und störer.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
53, 25
(
thür.
,
1474
):
syne swester, beclaget umbe zcweyundezcwentczig leffele met silber beslagen.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
38, 41
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Species zum wermuthwein uf 1 eymer most. Rp. gemeine wermuth, Römische wermuth, [...] ein gut theil frische weintrauben
(Nachtrag:
schafgarbe, hollunderblüten, salbey [...] löffelkraut grün
).
Ebd.
201, 23
:
Nim [...] einen löffel honig, salz, ingwer, pfeffar nach gelegenheit.
Pyritz, Minneburg
3856
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
suͤde ez by begirde gluͤt, | Bitz ez behang vor sterke | An dem leffel sußer werk.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
115, 24
(
nobd.
1. H. 15. Jh.
):
Auch wen sie außzihen, so sein sie dem koche ein schulling pfennige in den loffel zu geben zu lecz.
Sachs
23, 240, 1
(
Nürnb.
1563
):
Die 18 löffel-reimen. Der leb. Ich, leb, thu alle dier regiern, | Mit gwalt tw ich thiranisiern.
Thiele, Minner. II,
18, 329
(Hs. ˹
wobd.
,
15. Jh.
˺):
ich glob, und kem der Encrist, | mir wird ain loͤffel nit zuͦ tail!
Bremer, Voc. opt.
10084
(
wobd.
,
14.
/
15. Jh.
):
loͤffelkar [...] loͤffellad [...] loͤffelfuͦtter [...] reseruatorium [...] loffelfas.
Spanier, Murner. Narrenb.
84, 8a
(
Straßb.
1512
):
Löffel schnyden. Hie schnyd ich loͤffel, groß vnd klein, | [...] | [...] | Ich bin gewiß des loͤffels schnit, | Doch brenn ich offt das mul do mit. | Eyn yeder gouch hat syn geschrey, | So findt man loͤffel mancherley, | Groß vnd klein, ouch iung vnd alt, | Die loͤflery ist manigfalt.
Ebd.
8, 34
:
Wer heßlich ist vnd acht sich stoltz, | Der ist nit wyt vom loͤffel holtz.
Ebd.
49, 28
:
Die andern tragent loͤffel feil | Und sindt nit doͤglich zuͦ dem guͦt
(bei
Murner
wortspielerisch mit
2
leffel
).
Hampe, Ged. v. Hausrat
4, 4, 18
(
Straßb.
1514
):
Ein Loͤffelgürt mitieren Loͤffeln vil.
Schade, Sat. u. Pasqu.
3, 101, 8
(
1525
):
da sind die pauren münchen und pfaffen so feind worden; wenn sie uns in eim leffel künten ertrenken, sie thetens gern.
Rennefahrt, Statut. Saanen
114, 17
(
halem.
,
1458
):
und sider si ein loͤffel geerbt hetti, si soͤlti ein pfund bezalen.
Bächtold, N. Manuel.
353, 1838
(
Zürich
1548
):
schüsslen, teller und platten, | Kessel, häfen, löffelkratten.
Maaler
274v
(
Zürich
1561
):
Loͤffler oder Loͤffelganß. Platea auis, Pelecanus.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
301
(
Genf
1636
):
Leffelkorb/ m. Panier à mettre les cuilliers [...]. Leffelmacher / Qui fait des cuilliers.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin
1, 35, 11
(
schwäb.
,
1471
):
Auch hatt er nicht ain pfannen. | So hebt sich greyn vnd zannen, | Wol löffelfuͦtter!
(Hier Öffnung zu ›Ohrfeigen‹). Barack, Zim. Chron.
2, 69, 7
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
so frembde gest in der fasten zur Scheer kommen, so bringt der kuchenbueb dem gast ainen newen löffel.
Ebd.
4, 232, 37
:
Sie kan leffel machen und affen schnitzen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
345, 3
(
oobd.
,
1349
/
50
):
rüer ez wol all tag mit ainem löffel.
Bauer, u. a., Kunstk. Rud.
366
(
oobd.
,
1607
/
11
):
1 schwartzgelacte runde, wie zu einem spiegel mit einer handheb oder leffel bix oder schachtel.
Uhlirz, Qu. Wien
2, 3, 4977, 8
(
moobd.
,
1483
):
[dass sie seinen armen Leuten]
ir traid und alles, das sy gehabt, nemen lassen, als sy ihm sagn, ir kainem nit ain loffel peliben sei.
Kummer, Erlauer Sp.
3, 199
(
m/soobd.
,
1400
/
40
):
da ist man muͦs und talkn | mit den loͤffeln als mit den schaltn.
Rechn. Kronstadt
2, 293, 30
(
siebenb.
,
1533
):
Eidem pro tenui chalibe, vulgo leffell stal, ad contos ferreos quibus cannalia exusta sunt asp. 18.
Ziesemer, Marienb. Ämterb.
1, 24
;
Ders., Gr. Ämterb.
66, 14
;
Joachim, Marienb. Tresslerb.
294, 41
;
Toeppen, Ständetage Preußen
1, 84, 33
;
175, 13
;
Hajek, Guͦte spise
43
;
Keil, Peter v. Ulm
6
;
15
;
159
;
418
;
Fastnachtsp.
385, 8
;
Loose, Tuchers Haushaltb.
61, 15
;
Ott-Voigtländer, Rezeptar
204v, 4
;
208v, 5
;
Major, Haussradt
A iijr, 12
;
Barack, Zim. Chron.
3, 620, 29
;
Bauer, u. a., a. a. O.
359
;
Uhlirz, a. a. O.
2, 3, 4610, 34
;
Starzer, Qu. Wien
1, 5, 5814, 395
;
Zingerle, Inventare
36a, 11
;
204, 1, 6
;
Voc. rerum
45v
;
Brack
c 1v
;
Dasypodius
114v, 2
;
Alberus
y ijr
;
FF ijr
;
Maaler
274v
;
Mylius
F 7v
;
Pfälz. Wb.
4, 1016
;
Dalby, Lex. Mhg Hunt.
1965, 140
;
Crecelius
2, 547
;
Lehmann, Rezeptb.
211
;
Matzel u. a., Spmal. dt. Wortschatz.
1989, 189
.
Vgl. ferner s. v.
1
alt
 11,
anis
,
arbeis
,
aufheben
 1,
baringenkorn
,
becher
 1; 2,
begier
 2.