1
lappe,
der
;
–/-n
;
zu
Lappe
›Stück Zeug‹ (Dwb
6, 194
).
›Fetzen, Flicken, Teilstück von Tuch oder anderen Materialien zur Herstellung und Reparatur von Kleidern, Kesseln, Schuhen oder für andere Zwecke‹; in verschiedener Richtung ütr., dann z. B. ›Blatt von Pflanzen‹; ›kleines Grundstück, Landparzelle‹; ›Markierungsnetz für das Revier bei Treibjagden‹; wahrscheinlich auch: ›Bannzeichen für eine Stelle, deren Inhaber dort fischen darf‹; ›sich ablösender Hautfetzen‹; ›Hahnenbart‹; als Synekdoche: ›Untergewand‹.
Phraseme:
am läplein das leder fressen
›am Kleinen Lust zum Großen bekommen‹;
lumpen und lappen arbeiten
›einfache Dinge verrichten‹.
Bedeutungsverwandte:
blez
 1,
flek
,
flik
,
lup
 2,
stük
.
Wortbildungen:
lappengeld
›in der Besoldung für Boten enthaltener Zuschuß für Fußlappen‹ (a. 1443),
lappenman
›in Lumpen gekleidete Person‹,
1
lapwerk
›Flickwerk‹ (dazu bdv.:
stükwerk
).

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
139, 2974
(
Magdeb.
1608
):
Jnsonderheit die blaw Muͤnchskappen / | Des Horne Mons aͤschfarbe lappen | Schierling / Wolffsmilch.
Alberus, Barf.
278, 2
(
Wittenb.
,
1542
):
Bruder Mattheus [...] hatte am menlichen glied den Krebs / da legt er drauff ein lappen / von bruders Gerhards kappen / bald ward er gesund.
Schöpper
87b
(
Dortm.
1550
):
Immissura. Lapp stuͤck bletz / lupp fleck flick.
Buch Weinsb.
2, 308, 25
(
rib.
,
1575
):
6 kessel [...] ist binnen gel, gans ohn lappen.
Wyss, Limb. Chron.
36, 13
(
mfrk.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
etzliche trogen kogeln, di [manne] hatten vornen einen lappen unde hinden einen lappen, di wanten eime iglichen an sinen knien; di lappen waren vursneden unde gezadelt.
Wiese, UB Wetzlar
1, 639, 8
(
hess.
,
1347
):
darnach ein stůcke [...], daz da beheldit zwene morgen, mid dem leppechin ubir den weg.
Schmitt, Ordo rerum
225, 20
(
omd.
,
1466
):
Subuncula lappe.
Luther, WA
17, 2, 9, 27
(
1525
):
das mans mehr opffer heyssen solle solche stůckwerck und lappwerck.
Ebd.
49, 478, 36
(
1544
):
Bistu nu ein solcher dieb, der den leuten nur gedenckt schaden zuthun, der lernt am leplin das leder freßen.
Als Sprichwort Ebd.
51, 649, 107
(
um 1535
):
An den lappen lern die hund ledder fressen
(›Untugenden fangen mit unbedenklichen Kleinigkeiten an‹).
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
217, 1
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Lappen zu machen. In manglung der federlappen kan man lappen von haferstroe nachfolgender gestalt machen.
Ebd.
218, 31
:
Einen hasen oder fuchs mit gewalt ins netz zu bringen. Nim petrosil mit kraut und wurzeln, und das in menschenbrunz gesotten, [...] die lappen [...] darin 8 tage geleget und also wieder trucknen lassen.
Bihlmeyer, Seuse
487, 13
(
alem.
,
14. Jh.
):
Ir súllent arbeiten lumpen und lappen in gotminnender meinsamkeit.
Sudhoff, Paracelsus
7, 340, 28
(
1529
):
welche luxische offen scheden sich vergleichen dem krebs [...] oder welche umbfressender art seind, underösen die haut, machen mancherlei leplin daran.
Schorer, Sprachposaun
6, 23
(o. O.
1648
):
damit er fuͤr allen Dingen gleichsam den Sammeten Rock seiner Sprach mit andern lausigen vngleichen Lappen
[›Versatzstücke‹, gemeint sind Fremdwörter]
muͤgen verbunden vnd schaͤnden.
Maaler
261
(
Zürich
1561
):
Das Laͤple so an eines hanen halß lampet oder hanget / der bart eines guͤckels. Palea.
Ebd.
445
:
Vberlatz (der) Lappen oder überlitz an einem ding / als an schůchen.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
295
(
Genf
1636
):
lapp / darmit man etwas flicket. [...] lapp / m. Ein Sole auff dem Schuch.
Sappler, H. Kaufringer
30, 106
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
am gewant habentz ermel als die mann, | mit strichen, lappen vil daran.
Barack, Zim. Chron.
1, 512, 22
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
das sie in sonst für ain lappenman gehalten.
Loesch, Kölner Zunfturk.
1, 182, 7
;
Pyritz, Minneburg
2943
;
Gille u. a., M. Beheim
167, 37
;
Fastnachtsp.
1435, 12
;
Wackernell, Adt. Passionssp. Pf. II,
1381
;
Klein, Oswald
18, 58
;
Voc. Teut.-Lat. h viijr; s ijv;
Voc. inc. teut. o iiijr;
Dasypodius
320v
;
Hulsius E iijr;
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
296
;
Rwb
8, 714
;
Pfälz. Wb.
4, 779
.
Vgl. ferner s. v.
bart
 4.