kriechen,
V., unr. abl.
›sich mit an den Boden gedrücktem Körper auf allen vieren fortbewegen; sich mühsam hinschleppen (von Menschen), sich mit dem Körper über den Boden gleitend fortbewegen‹ (von Tieren); ütr. ›schleichen‹.
Phraseme:
in ein mausloch kriechen
›sich verstecken‹, jm. unter den mantel kriechen
›bei jm. Schutz suchen‹; zu einer frau kriechen, zu winkel kriechen
›sich zum Beischlaf begeben‹, zum kreuze kriechen
›nachgeben‹.Bedeutungsverwandte:
3
kreisen
schleichen
2
schlingen
schnacken
Syntagmen:
auf allen vieren / händen und füssen / knien k
.; kriechender wurm, kriechendes tier
.Wortbildungen:
kriechwurm
Belegblock:
Helm, H. v. Hesler. Apok.
6822
(nrddt.
, 14. Jh.
): Die [...] siechen, | Die zu den strazen kriechen | Mit jamerigen ougtropfen.
Österley, Kirchhof. Wendunmuth
2, 171, 26
(Frankf.
1602
): sie krochen mehr auff händen und füßen zur stadt hinaus den weg nach heymen.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
63, 20
(omd.
, 1487
): vnehliche lewte als buler vnd bulerÿn, die mitteinand zcu winckell krichen, allein vmb wollust willen.
Luther, WA
47, 198, 32
(1538
/40
): Was wirdst den mit denen werden, die do sich verlasen auff S. Barbara [...] und kriechen Marien undter den mantel?
Ebd.
21, 10, 23
(1528
): da kroͤche einer wol ynn ein meusloch, wenns yhm nuͤr so gut werden kuͤnde.
Böhme, Morg.R.
149, 3
(Hs. ˹schles.
, 1612
˺): wann dieselbe an einander erhitzen in liebe-brunst [...] koͤnten sie einander in leib kriechen oder sich in ein leib verwandeln.
Vetter, Pred. Taulers
409, 25
(els.
, E. 14. Jh.
): wie tuͦnt wir armen wurmelin die hie noch kriechent in der erden.
Lemmer, Brant. Narrensch.
64, 72
(Basel
1494
): Eyn schlang die vff eym velsen krücht.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
147, 18
(oobd.
, 1349
/50
): des wolfes woll kreucht voller würm ze stunden.
Ebd.
275, 24
: dar umb kreucht si [nader] über sich sam daz feur tuot und kreucht sô lang, unz si an daz herz kümpt.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
159, 19
(oobd.
, 3. Dr. 15. Jh.
): kruchen sy [tausent natern] auß dem wasser an das lanndt.
Quint, Eckharts Trakt.
112, 6
; Peil, Rollenhagen. Froschm.
103, 1896
; Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
179, 8
; zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
174
; Bihlmeyer, Seuse
473, 14
; Sappler, H. Kaufringer
25, 133
; Schmitt, Ordo rerum
326, 2
; Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
238, 7
; Voc. inc. teut.
n vijr
; Voc. Teut.-Lat.
r iiijr
; Maaler
252r
; Golius
273
; Schwäb. Wb.
4, 748
.‒
Vgl. ferner s. v. ameise
, bank
2.