kamer,
kammer,
die
;
–/-(e)n
, auch + Uml.;
zu
mhd.
kamere
,
kamer
(
Lexer
1, 1501
), dies aus
lat.
camera
›Gewölbe‹
(
Georges
1, 944
);
2-9 meist Spezialisierungen zu 1 oder tropisch daran anschließbar, 10-12 ütr. auf Hohlräume in Gegenständen.
1.
›Raum für unterschiedliche Zwecke in einem Wohnhaus (z. B. Wohnzimmer, Schlafzimmer, Dienstbotenzimmer, Vorratskammer, Abtritt)‹; speziell (nur in Komposita belegt): ›Privaträume, Wohnung (eines Fürsten, Adeligen)‹.
Bedeutungsverwandte:
bibliothek
,
estrich
 2,
gadem
 1,
gemach
(
das
) 2,
gewelbe
 2,
kochhütte
,
küche
,
1
laube
 3,
sal
,
stube
,
wonung
,
zimmer
; vgl.
aufenthalt
 3,
behalt
(
der/das
) 3,
1
keller
 1,
inwende
,
kemenate
.
Syntagmen:
eine k. aufdringen / aufstossen / ausleihen / bauen / beräuchen / haben / keren / malen / mieten / säubern / zieren / zurichten, mit etw.
(z. B. mit
gold
)
bedecken / belegen, bestreuen, jm. eine k. vergönnen, die k. e. S.
(Gen.)
berauben; sich der k. nahen; aus einer k. gehen / springen, in / für eine k. kommen / treten, jn. für eine k. füren, jn. / etw. in eine k. füren / lassen / nemen / tragen, sich in die k. machen, in einer k. auf- und niedergehen / hangen / liegen / sitzen / wonen, etw. in einer k. suchen, jn. in einer k. versperren, zu der k. ausfallen / eingehen; k. im gasthaus; k. des bauknechts / bräutigams / dieners / priesters, der braut / frauen / köchin, der eheleute / herren; die goldene / heimliche / kleine / niedere / obere / sondere k.
Wortbildungen:
kamerbär
ein Schimpfwort,
kamergenosse
,
kamerhund
(a. 1621),
kamerkachel
›Nachttopf‹ (seit 1612),
kamerkerze
(a. 1633), ˹
kämerler
(seit 1548),
kamerman
1 (a. 1599)˺ ›Mieter‹,
kamerpfoste
›Stützbalken‹,
kamerscherbe
›Nachttopf‹,
kamerschlos
(a. 1464),
kamerstege
›Treppe‹ (a. 1577),
kamerstul
,
kamerumhang
›Tapete‹ (a. 1444),
kamervase
,
kamerzins
1 ›Miete‹ (dazu bdv.:
betzins
,
stubenzins
,
tischgeld
; a. 1598). Zur Metonymie mit der Bedeutung ›Privatraum, Privatwohnung‹:
kamerbirse
(abwertend) ›Kammerfrau‹ (1. H. 15. Jh.),
kamerdirne
(a. 1580),
kamerjunge
(seit 1554),
kamerjungfrau
(seit 1474),
kamerjunker
(seit 1559),
kamerkapellendiener
(a. 1589),
kamerorganist
(a. 1605),
kamerschneider
(seit 1552).

Belegblock:

Joachim, Marienb. Tresslerb.
511, 31
(
preuß.
,
1408
):
35 m. dem grosscheffer von Marienburg vor gerethe dem groskompthur und treszeler in dy kamern.
Toeppen, Ständetage Preußen
2, 462, 8
(
preuß.
,
1442
):
furte mich der tresler [...] in eyne kamer, do sie ire privilegia und brieffe haben.
Luther, WA
50, 659, 10
(
1539
):
knie nider in deinem Kemerlein und bitte mit rechter demut und ernst zu Gott, das er dir durch seinen lieben Son wolle seinen heiligen Geist geben, der dich erleuchte, leite und verstand gebe.
Quint, Eckharts Pred.
1, 388, 10
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
er enwölte wider îngân in sîne kamer mit sîner brût.
Follan, Ortolf. Arzneib.
25, 3
(
rib.
,
1398
):
wo he gerne to stole ginge vnde et krimmet en sere in den lif; wan he vf dy kammeren kommet, so wyl nych von eme.
Buch Weinsb.
3, 404, 37
(
rib.
,
1587
):
haben [...] gegraben und ein oder zwa camern, wol geladen mit krut und loit, drunder gestalt.
Herborn u. a., Rechn. Jülich
62, 1
(
rib.
/
snfrk.
,
1398
/
9
):
wilche cleynoit ich [...] up mynre(n) vrauwen came(r) lev(er)de.
Wilkes, Ev. Gem. Duisb.
91, 34
(
snfrk.
,
1561
):
dat sie ire camerpost voirtsetten mogen an die kante des putz.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
20, 30
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
syn gemach unde camere dy sint gemolt unde geczirt.
Skála, Egerer Urgichtenb.
118, 4
(
nwböhm.
,
1574
):
die Maidt hab offen gelassen vnd sej fur sein Chammer [...] fur gangen.
Chron. Nürnb.
2, 305, 25
(
nobd.
,
1449
/
50
):
waz man aber zu den parfußen puch, daz schütt man in ein kammern in der pfistrei.
v. Keller, Ayrer. Dramen
2384, 15
(
Nürnb.
1610
/
8
):
Mich schilt die Magd vnd Haußfrau mein, | Vnd giessen mich mit Kammerscherbn.
Buck, U. v. Richent. Chron. Conz.
119, 22
(
alem.
,
um 1430
):
was ir yeglichem gebuwen sin sonder wonung, ain klains kemerlin mit aim bettstätlin [...] Vor dem kemerlin was ain klain kemerli gebuwen, da sin knecht inne lag.
Vetter, Pred. Taulers
104, 16
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
alse vil wonungen und kammeren sint in eime huse.
Roloff, Brant. Tsp.
1166
(
Straßb.
1554
):
thuͦndt im an das best gewandt | Das ich hab in der kamern mein.
Wickram
4, 47, 6
(
Straßb.
1556
):
Robertus und Sophia [...] giengen eylends für der braut kameren.
Goedeke, Fischart
2698
(
Straßb.
1594
):
Wann sie litten euch kammerberen | Euch weiberwölf, so hieß das haus | Ein raubhaus, weil ir drinnen maust.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
49, 12
(
Straßb.
1650
):
Alle Zimmer vnd Cammeren des Hauses waren ihres Zieraths beraubet.
Barack, Teufels Netz
12225
(
Bodenseegeb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Das sind die alten kamer wib | Mit iren alten kranken lib.
Rennefahrt, Wirtsch. Bern
25, 9
(
halem.
,
1592
):
dass ettliche [...] iren ancken in kellern oder kammeren beschlossen behaltend.
Chron. Augsb.
7, 92, 1
(
schwäb.
, zu
1548
):
die haben under den techern und elenden kemern erfrieren müssen.
Ebd.
8, 153, 9
(zu
1562
):
hat des Jacob Haffners stiefson seinen stiefvatter [...] in seiner kamer erstochen.
Barack, Zim. Chron.
1, 617, 28
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
er [...] begert an seine beed vettern, sie wellten ine in seiner chammer rüebig lassen.
Dreckmann, H. Mair. Troja
19, 19
(
oschwäb.
,
1393
):
wil ich dir bey ainem meinen haimlichen boten enbieten, daz du komist in mein camer.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
122, 37
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
das sy alles darine nemen soldten, [...] ausgenomen der frawen kamer, die soldt unversert beleyben.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
1153
(
oobd.
,
1607
/
11
):
Vier schlechte geraduff ohne bäuch cammervasi zu 12 zöll hoch.
Uhlirz, Qu. Wien
2, 2, 3438, 10
(
moobd.
,
1451
):
sein haus [...] mitsambt der kochhütten, kemern und gemechen, die er daselbs [...] gepaut hat.
Staub, Qu. Wien
3, 2, 2915, 11
(
moobd.
,
1419
):
darzue gehoͤrnt die kamer oben auf der stuben und die ober kemnaten.
Zingerle, Inventare
36b, 38
(
tir.
,
15. Jh.
):
in der kamer hinder der kochstuben ain spanpet.
Joachim, a. a. O.
210, 38
;
428, 7
;
Lohmeyer, K. v. Nostitz
126, 14
;
Chron. Köln
2, 113, 30
;
Froning, Alsf. Passionssp.
4973
;
Anderson u. a., Flugschrr.
27, 3, 33
;
Hertel, Hall. Schöffenb.
2, 201, 40
;
Köbler, Ref. Nürnberg
412, 6
;
Bihlmeyer, Seuse
127, 1
;
Wiessner, Wittenw. Ring
2025
;
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
589, 9
;
Morrall, Mandev. Reiseb.
156, 23
;
Sappler, H. Kaufringer
18, 167
;
Chron. Augsb.
8, 323, 7
;
Bastian u. a., Regensb. UB
434, 17
;
Munz, Füetrer. Persibein
506, 7
;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
61, 20
;
Voc. Teut.-Lat.
ee ijr
;
p viijv
;
q jr
;
Dasypodius
476r
;
Alberus
r iiijr
;
Maaler
240r
;
283v
;
Apherdianus
93
;
Golius
326
,
Henisch
581
;
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
265
;
Diefenbach
460b
;
Pfälz. Wb.
4, 39
;
Bad. Wb.
3, 60
;
Schwäb. Wb.
4, 180/6
;
6, 2258/9
;
Schweiz. Id.
9, 735
;
Vorarlb. Wb.
2, 13
;
Rwb
6, 785/6
;
820
;
913
/5;
933
;
939
;
949
;
976
;
992
;
Müller, Basler Ma.
1953, 248
;
Matzel u. a., Spmal. dt. Wortschatz.
1989, 158
.
Vgl. ferner s. v.
1
abseite
 2,
altan
,
aufdringen
 1,
ausbaden
 1,
ausfallen
 5,
badstube
,
1
balke
 1,
bauen
 7,
bedecken
 1,
behalt
(
der/das
) 3,
behaltnis
 7,
beikeller
.
2.
›Verkaufsraum, Laden, Bude‹; Spezialisierung zu 1.
Bedeutungsverwandte:
fleischbank
,
kaufhaus
,
laden
(
der
) 3,
werkstat
.
Wortbildungen:
kamerladen
.

Belegblock:

Helbig, Qu. Wirtsch.
2, 38, 20
(
md.
,
1453
):
hat Peter Schober [...] vorgebrocht, wy vehl gewant snyden heymlich in den husern vnd nicht kammern haben.
Ermisch, Freib. Stadtr.
251, 29
(
osächs.
, Hs. 
v. 1325
):
alle [...] sullen geben uz der kameren vumf virdunge alle iar.
Chron. Nürnb.
2, 310, 20
(
nobd.
,
1449
/
50
):
bei disen vier türen und den kemmerlein vor den laden bei iedem türlein ain man.
Mon. Boica, NF.
2, 1, 106, 11
(
nobd.
,
1464
):
Es ist noch ein kammer gewesen, die hat jerlich geben 2 pfunt [...] wirt duͤrch dieselben kammer viel schadens gethon der herrschaft.
Ebd.
209, 1
:
Die kemmerlein leszt ein castner, wie er wil und lewt hat.
Mollay, Ofner Stadtr.
72, 4
(
ung. inseldt.
,
1. H. 15. Jh.
):
Err sol ym auch nicht selberr mügen narung kauffen in sein gewelb oderr in sein kamerr oderr in sein gemach.
Küther, UB Frauensee
143, 33
;
Rot
355
.
3.
›Gefängniszelle‹; dazu als Metonymie: ›Gefängnis, Arrest‹; auch tropisch und in Bildern.
Bedeutungsverwandte:
stok
 9; vgl.
kerker
.
Syntagmen:
aus der k. kommen, jn. in eine k. setzen; k. unter dem rathaus; finstere / versperte k.

Belegblock:

Köbler, Ref. Wormbs
147, 5
(
Worms
1499
):
in sachen zwuschen frembden oder vssluten vff ein fürgenōmen arrest oder komer.
Böhme, Morg.R.
483, 23
(Hs. ˹
schles.
,
1612
˺):
Es [...] ist eine finstere Kammer des todes / da nichts gespuͤret wird.
Klein, Oswald
32, 8
(
oobd.
,
1423
):
Das ist die hell mit irem slund, | darinn wol siben kamer | grauslich sind erzunt.
Chron. Nürnb.
5, 656, 11
(
nobd.
,
E. 15.
/
A. 16. Jh.
):
die andern [...] puffet einen acht wochen in ein vinsters kemerlein auf den turn mit wasser und prot.
Chron. Köln
1, 339, 30
;
Opel, Spittendorf
144, 13
;
Klein, a. a. O.
32, 19
;
41, 42
;
Rwb
6, 796
.
4.
›abgeschiedener Raum (für die Andacht, das Gebet), Klosterzelle‹.

Belegblock:

Gille u. a., M. Beheim
428, 84
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
wann du | wilt peten mit pegerd, | sa gang du in dein kemerlein.
Lauchert, Merswin
3, 21
(
els.
,
1352
/
70
):
ich [...] wart sitzzende in miner kammer, vnd gedohte [...] an der welte valscheit.
Ebd.
35, 5
:
Die begine was gehorsam vnd det die tv́re vf vnd gie in die kammer.
Vetter, Pred. Taulers
186, 26
(
els.
,
1359
):
als du bettest, so solt du in gan in din kemerlin.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
218, 36
(
oobd.
,
1349
/
50
):
wenn dû deinen vater anruofen wellest, sô gê in dein kämerlein und rüef in an.
Schmidt, Rud. v. Biberach
124, 11
;
Lauchert, a. a. O.
9, 20
;
23, 10
.
5.
›Münzkammer; Schatzkammer; Rüstkammer‹; mehrfach metonymisch, dann z. B.: ›Vermögen einer (fürstlichen, städtischen, geistlichen) Behörde‹; ›Finanzverwaltung einer (fürstlichen, städtischen, geistlichen) Behörde‹.
Bedeutungsverwandte
(zu letztgenannter Metonymie):
fiskal
,
kanzleigeschäft
,
renterei
.
Syntagmen:
der k. gewaltig sein; der k. verfallen sein, zugehören, etw. einverleiben / überantworten / zuschicken; auf die k. acht haben, zu einer k. gehören, in die k. gehören / fliessen, etw. auf die k. legen, etw. aus der k. geben / verkaufen, dienstgelt aus / bei der k. auslösen / verrechnen / verrichten, etw. durch die k. verneuern, etw. in die k. anlegen / bezalen / empfangen / geben / reichen / verkaufen, jn. in die k. einlassen, etw. in der kamer nemen, jn. von der k. besolden, etw. von der k. empfangen; k. des bischofs / fürsten / herren / keisers / königs / treslers, der stat, des (römischen) reiches; dürftige / herzogliche / keiserliche / königliche / wienerische k.; präsident / verordneter der k
.
Wortbildungen:
kameranschlag
›Veranschlagung durch die Kammer‹ (a. 1547),
kamerartikel
›Abschnitt in einer Kammerordnung‹ (a. 1572),
kamerbefel
(seit 1629),
kamerbericht
(a. 1574),
kamerbräuchig
(a. 1624),
kamerbuch
›Rechnungsbuch‹ (a. 1430),
kamerbuchhalter
(a. 1579),
kamerbuchhalterampt
(a. 1600),
kamerding
(a. 1386),
kamerdorf
(seit 1525),
kamereigen
(a. 1476),
kamerexpedition
(seit 1568),
kamerfiskal
,
kamerforderung
(a. 1631),
kamerforst
(seit 1465),
kamergebiet
,
kamergebrauch
(a. 1599),
kamergeschäft
(a. 1578),
kamergewelbe
,
kamerhandel
(seit 1500),
kamerhaus
,
kamerhaz
›Hetzhunde einer Kammer‹ (16. Jh.),
kamerhof
1 (seit 1382),
kamerholz
›herrschaftlicher Wald‹,
kamerhort
,
kamerinsiegel
(seit 1586),
kamerintrade
(a. 1643),
kamerkanzlei
(seit 1498),
kamerkorn
(a. 1516),
kamerland
(seit 1471),
kamerlandgut
(a. 1616),
kamerman
2,
kamernuz
(seit 1481),
kamerordnung
(seit 1568),
kamerpapiermüle
(a. 1568),
kamerperson
(seit 1586),
kamerpfennig
(a. 1484),
kamerpferd
(seit 1470),
kamerpräsident
,
kamerrechnung
(seit 1528),
kamerregistratur
(dazu bdv.:
clausur
,
gewelbe
E. 16. Jh.),
kamerreite
›Grundbesitz einer Kammer‹ (seit 1465),
kamersache
(dazu bdv.:
handlung
seit 1527),
kamersak
(dazu bdv.:
beutel
 3,
fiskus
) ›Kasse für die Güter von Verurteilten‹,
kamerschreiben
›Geschäftsverkehr einer Kammer‹ (a. 1639),
kamerschulden
(seit 1567),
kamersekret
›Siegel‹ (seit 1498),
kamersekretär
,
kamersiegel
(a. 1498),
kamersilber
,
kamersteuer
(17. Jh.),
kamertafel
›Einnahmeregister einer Kammer‹ (a. 1425),
kamertrabant
(a. 1597),
kameruntertan
(a. 1574),
kamerverwalter
(a. 1631),
kamervisitation
,
kamerwald
,
kamerwesen
(seit 1568),
kamerwiese
(a. 1618),
kamerzins
2 (seit 1404).

Belegblock:

Toeppen, Ständetage Preußen
2, 406, 37
(
preuß.
,
1442
):
das sulche wustenunge in unszer camergebieten so seyn, das wir den dritten pfenning [...] nicht haben.
Lohmeyer, K. v. Nostitz
137, 14
(
preuß.
,
1578
):
Der silbermeister [...] muß in der kamer fleisig zusehen, das in der kamer reinlich gehalten werde.
v. Bunge, Livl. UB
4, 880, 23
(
nrddt.
,
1413
/
4
):
Des blivet in deme cammersakke LXXXVI mark.
Kollnig, Weist. Schriesh.
305, 4
(
rhfrk.
,
1512
):
so derselbe zinß zum letzten klagen nicht ußgerichtet werde, so weißen sie die güter in die cammer.
Weizsäcker, Graupn. Bergb.
135, 5
(
osächs.
,
1551
):
das sie dem [...] hern [...] des konigreichs Behemen obersten landschreiber und cammerpresedent die hutten [...] vorkauft.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 198, 24
(
schles.
,
1650
):
auch ir. ro. ka. mt. durch dero schlesischen kammerpräsidenten [...] etzliche victriolproben zu dero gesundheit begeret.
Pyritz, Minneburg
4006
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Wez sleht diner bosen zungen hamer | Muntz falsch in truwen kamer?
Dinklage, Frk. Bauernweist.
60, 8
(
nobd.
1448
):
Dobey sin eylf kammermenner gewest.
Chron. Nürnb.
3, 135, 14
(
nobd.
,
1488
):
daß er umb ein schnödes gelt, des doch in der stat kamer überflüßig wer, den Ludwig erzürnet.
Merk, Stadtr. Neuenb.
27, 26
(
nalem.
,
1357
):
das wir sie ledig sagen und machen [...] aller judenschulde [...] wann alle juden mit leib und guͦt in unser und dez reichen cameren ze recht gehoͤren.
Rennefahrt, Stadtr. Bern
195, 11
(
halem.
,
1365
):
funfczig marg goldes [...] die sullen halp in unser und des richs camern.
Chron. Augsb.
9, 157, 35
(
schwäb.
,
1544
/
5
):
daß ain erber rat [...] die schlissel zu der statt kamergewelb [...] tragen soll.
Bastian, Runtingerb.
31, 9
(
oobd.
,
1401
):
ich han aͤuz der stat chamer hie 200 guldein.
Vogel, Salb. Heiliggeistsp.
75, 34
(
moobd.
,
n. 1390
):
wir suͤllen [...] jaͤrleich sechtzigk Muͤnicher pfenning aus der duͤrftigen kamer geben.
McClean, Havich
4518
(
moobd.
, Hs.
15. Jh.
):
das sy tegeleich | des chaiser chamer phlag, | dar inn sein hort mit hauffen lag.
Turmair
4, 311, 6
(
moobd.
,
1522
/
33
):
das man denen, die im krieg lägen, solt aus der stat kamer solt geben.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
39, 38
(
m/soobd.
,
1508
):
Wer der ist der koll prant in seim furholz, urbarholz und kamerholz ân urlaub des jagermaister.
Ebd.
62, 20
(
16. Jh.
):
ist uns [...] verfallen zwai hundert mark löttigs golts, ains in unser camer, das ander dem closter.
Ebd.
225, 1
(
15. Jh.
):
es schol auch niemant ân urlob der vorstner in den chamerwalden nicht holz slachen.
Zingerle, Inventare
202a, 14
(
tir.
,
1493
):
vier grosse camersilber.
Wopfner, Bauernkr. Tirol
157, 26
(
tir.
,
1525
):
das sich der fŭrst bewilligt hat, ainen yeden richter von der camer zŭ besŏlden.
Ukena, Augsb. Hl. Kreuzsp.
1298
(
stir.
,
v. 1494
/
n. 1520
):
Herr nu kumpt in die kamer zu hant | Vnd thuͦt an das wappen gewant.
Klett, J. v. Soest
4, 900
;
Knape, Messerschmidt. Bris.
22, 99
;
Goerlitz u. a., Rechtsd. Schweidnitz
369, 2
;
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 24, 24
;
König-Beyer, Reichenb. Stadtb.
90, 35
;
Chron. Nürnb.
2, 266, 13
;
Roder, Stadtr. Villingen
91, 32
;
Merk, a. a. O.
46, 17
;
Leisi, Thurg. UB
5, 452, 18
;
Müller, Nördl. Stadtr.
306, 3
;
Chron. Augsb.
4, 270, 2
;
Primisser, Suchenwirt
3, 57
;
Auer, Stadtr. München
411, 9
;
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
195, 4
;
Rintelen, B. Walther
96, 12
;
Starzer, Qu. Wien
1, 5, 5742, 2
;
Lampel, Qu. Wien
1, 8, 16411, 6
;
Winter, Nöst. Weist.
3, 279, 35
;
Bischoff u. a., a. a. O.
232, 4
;
Schwartzenbach
G iijv
;
Dief./Wü.
685
;
Rwb
6, 787
ff. (bis
1805
);
Shess. Wb.
3, 1075
;
Pfälz. Wb.
4, 39
;
Bad. Wb.
3, 60
;
Schwäb. Wb.
4, 180/5
;
6, 2259
;
Öst. Wb.
3, 1041
;
Vorarlb. Wb.
2, 13
.
Vgl. ferner s. v.
aufenthaltung
 2,
ausgeben
 1,
auslösen
 4,
auswerk
 1,
beispiel
 2.
6.
›Gerichtsinstanz‹.
Bedeutungsverwandte:
gericht
I, 4.
Syntagmen:
jn. aus der k. ächten, in die k. dingen, etw.
(z. B.
eine sache
)
an der k. anhängig machen, bei der k. klagen, den richter in der k. besuchen; die k. des römischen reichs / königs; k. zu Rottweil / Speyer
(›Reichskammergericht‹).

Belegblock:

Buck, U. v. Richent. Chron. Conz.
16, 10
(
alem.
,
um 1430
):
Der marggrauff [...] ist gewaltig des römischen richs kammer gen.
Koller, Ref. Siegmunds
271, 34
(Hs. ˹
Augsb.
,
um 1440
˺):
so sol man dise pen an alle gnad in ain Römisch küngs kamer gen.
Köbler, Ref. Franckenfort
1, 5
;
Allg. Schau-Buͤhne
29, 31
;
Stieler
1, 920
.
Vgl. ferner s. v.
anhängig
 4.
7.
›Territorium eines Staatsgebildes‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
kamergut
.

Belegblock:

Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
2, 493, 7
(
halem.
,
1508
/
16
):
da mit das herzogthuͦm Meiland als ein camer des helgen roͤmschen richs wider an das rich uss des Francosen hand bracht wurde.
8.
›Bergbauverwaltung‹.
Syntagmen:
der k. etw. überantworten; an die k. appellieren, etw. in die k. niederlegen / verkaufen; amptleute / verwalter, geschäfte der k.
Wortbildungen:
kamerhof
2.

Belegblock:

Löscher, Erzgeb. Bergr.
116, 7
(
omd.
,
1548
):
Wen ein neufenger in seiner fundtgruben ader maßen ercz trifft [...] und in der herrschaft zehenten ader kammer uberantwort.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 8, 36
(
schles.
,
1529
):
wo wir aber unsere nachkommen solcher metall, [...] in unsere kammer zu verkeufen begerten.
Ebd.
22, 7
(
1532
):
wo iemand beschweret würde [...] der oder dieselben sollen macht haben an die kammer zu appelliren.
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
46
(
mslow. inseldt.
,
1537
):
soll er selliches [...] der Cammer amptlewten vnnd einem Ersamen Richter [...] anzaigen.
Ebd.
60
:
das nimants khain haber [...] nit teuer oder hoher als mann in den Kammerhoff zalet zallen [...] sol.
Wutke, a. a. O.
20, 263, 16
;
165, 3
;
167, 16
;
Piirainen, a. a. O.
39
.
9.
ein Flächenmaß für Weinberge; auch: ›Teil eines Weinberges‹.

Belegblock:

Kläui, Urk. Hermetschwil
60, 3
(
halem.
,
1452
):
ein soͧm wingeltz [...] uf und ab minen acht kamer rebben ze Ober Lunkhofen.
UB Zug
1637, 13, 5
(Regestbeleg).
10.
›räumliche Unterteilung, Hohlraum, Fach‹.
Bedeutungsverwandte:
schiesloch
.
Syntagmen:
gute / inwendige k.

Belegblock:

Luther, Hl. Schrifft.
1. Mose 6, 14
(
Wittenb.
1545
):
MAche dir einen Kasten von tennen Holtz / vnd mache Kammern drinnen.
Schwäb. Wb.
4, 181
.
11.
›Gehäuse im Geschütz für die Ladung mit Pulver‹.

Belegblock:

Thielen, Gr. Zinsb. Dt. Ord.
23, 20
(
preuß.
,
1414
/
22
):
1 schiff buchse mit 4 kamern.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
106, 30
(
preuß.
,
1446
):
5 lotbuchsen mit 22 kamern.
Ders., Marienb. Ämterb.
159, 27
(
preuß.
,
1448
):
22 hantbuchszen mit 39 kamern.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
485, 3
;
748, 11
.
12.
bezogen auf menschliche Organe: ›Gehirnkammer, Herzkammer‹; auch: ›Inneres des Menschen‹.
Syntagmen:
k. des gedächtnisses / sinnes; die gedenkende k
.

Belegblock:

Stackmann u. a., Frauenlob
3, 29, 7
(Hs.˹
schles.
,
14. Jh.
˺):
Mins herzen grunt, mins sinnes kamer.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
4, 22
(
oobd.
,
1349
/
50
):
Diu hirnschal hât dreu kämerlein.
Turmair
5, 42, 3
(
moobd.
,
1522
/
33
):
unser gemüet wär ein kemerlin.
Diefenbach, Mlat.-hd.-böhm. Wb.
64
;
Diefenbach
111a
.
Vgl. ferner s. v.
aufheben
 15,
aufsteigen
 1,
behüten
 5.