harnglas,
das
.
1.
›Glas, in dem eine Urinprobe aufbewahrt und vom Arzt analysiert wurde‹. In der wesentlich auf der Humoralpathologie beruhenden spätmittelalterlichen Medizin bildete die Harnschau die wichtigste Diagnosemethode; das
harnglas
wurde zu einem Symbol des gelehrten Arztes;
zu
harn
.

Belegblock:

Fastnachtsp.
684, 15
(
nobd.
,
15. Jh.
):
DER ARZT: Ach ir baurn [...], | Was habt ir gemaint mit disem ding, | Das ir [...] habt ins harmglas geschissen?
Fischer, Folz. Reimp.
19, 175
(
Nürnb.
um 1520
):
Auf zwey harmglas ist sie bedacht, | Eins vor, das ander noch mitnacht.
Roloff, Brant. Tsp.
325
(
Straßb.
1554
):
Mit Küblen und questen thuͦt man mich baden | In schiffen thuͦt man mich überladen | Die aͤrtzt im harnglaß mich umbtriben.
Barack, Zim. Chron.
4, 165, 37
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Als nun Jacob Maienbron mit dem waser und anderm notturftigem bericht abgefertiget, begab sich user unfahl, das im uf dem weg das harnglass zerbrach.
Sachs
5, 4, 29
;
21, 65, 15
;
Vizkelety, Spangenberg. Glücksw.
246
.
2.
›Nachttopf, Nachtgeschirr‹.
Bedeutungsverwandte:
brunzscherbe
; vgl.
binkeltopf
,
binkkachel
,
brunzkachel
,
kachel
 2,
näzfas
,
nachtstul
.

Belegblock:

Hampe, Ged. v. Hausrat
2, 4, 20
(
nürnb.
,
1544
):
Wilt nun in dein schlafkamer gen | So mues darin Ein spanpet sten | [...] | Deck, pruntzscherben harnglas ain petuch | Nacht hawben, pantofel, nachtschuech.
Brack
a 6v
.