gicht,
die / das
;–/
auch -Ø
sowie -er
.hier wird in Übereinstimmung mit dem
Dwb
und 4, 1, 1, 7274
Pfeifer
Herkunft (Verbalabstraktion) aus 2000, 448
mhd.
jëhen
(Lexer
), frnhd. 1, 1477
jehen
›sprechen‹
angesetzt; vgl. dagegen das Schweiz. Id.
; 2, 109
; 113
Kluge/S.
. Im Falle der Haltbarkeit der 2002, 357
Dwb-Etymologie wäre
gicht
2 die ,besprochene, beschworene Krankheit‘.1.
›Bekenntnis, Geständnis, rechtsrelevante Aussage vor Gericht‹; als Metonymien: ›Abgabe, zu der man verpflichtet ist‹; ›im Zusammenhang mit einer gicht
zu zahlende Buße‹.Bedeutungsverwandte:
bekentnis
versiegelung
1
busse
anhelligkeit
aussage
beichte
bekantung
bekennen
das
) 2, bekennung
confessat
Gegensätze:
laugnen
laugnung
logen
die
), logenung
Syntagmen:
(eine) g. begeren / bitten / geben / tun / schweren
; die gicht fallen
; die würtembergische g
. (im Gegensatz zu bairisch schweren
).Wortbildungen:
gichtbuch
Belegblock:
Chron. Köln
1, 304, 13
(rib.
, Hs. 1. H. 15. Jh.
): so hait der vurg. her Heinrich vanme Stave moitwillenclich in sime lesten ende gicht gedain und bekant.
Rudolph, Qu. Trier
34, 38
(mosfrk.
, 1561
): daß die frohnen, versiegelung und gicht, [...], nun hin furter von acht zu acht tagen fallen und gehalten wollen werden
[
gicht im
Rwb
als ›Beurkundung‹ interpretiert]. Boos, UB Aarau
242, 9
(halem.
, 1416
): Dis alles zigen si in an, inen harumb gicht oder loͮgung ze gebend und satzten das hin zuͦ uns an recht.
Merz, Urk. Wildegg
31, 10
(halem.
, 1428
): vnd begerte dar vmb gicht oder lognen von inen.
v. Bunge, Livl. UB
4, 726, 33
; Rudolph, a. a. O.
36, 16
; Vock u. a., Urk. Nördl.
244, 6
; Rwb
4, 868
; Schwäb. Wb.
6, 2040
.2.
›insbesondere der Einwirkung von Kälte, aber auch anderen Ursachen zugeschriebene lähmungsartige und schmerzhafte, dem Schaganfall verglichene Gliederkrankheit‹; oft in einem außerordentlich breiten Orientierungsfeld genannt (s. u. auch den Beleg Pfeifer
), insofern nicht genauer bestimmbar; am ehesten ›Gicht‹; auch ›Gliederlähmung‹; ›Epilepsie‹; meist dem Menschen, vereinzelt Tieren (Pferden) zugeschrieben.Phraseme:
habet die gicht
; das dir die gicht ankomme
; das dich die gicht bestehe
; das euch die gicht zudrünge
.Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): geschwulst
2, leid
(das
) 1, paralis
, seuche
, sucht
(die
) 1, schlag
6, tropf
I.Syntagmen:
die g. haben / brechen / vertreiben, der teufel die g. zuschicken / jm. anhängen
; die g
. (Subj.) von kälte kommen, geistlich etw. bedeuten
; jn. an der g. gesund machen, j. in die g. fallen
; die g. der beine
; die kalte / reissende g
.; arznei für die gicht
; salbe zu der g
.Wortbildungen:
gichtader
Hyrtl, Anatomie
), 63
gichtbaum
gichtbere
gichtblume
gichtholz
gichtrübe
Dwb
f.), 4, 1, 4, 7309
gichtsegen
gichtschuz
gichtsüchtig
tropfschlachtig
gichtwurz
königsblume
päonie
pfingstrose
Marzell
; laut 2, 124
Schwäb. Wb.
: ›Pfingstrose‹).3, 650
Belegblock:
Luther, WA
17, 2, 88, 8
(1525
): zu handeln, was der aussatz und die gicht geystlich bedeutte.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
139, 2976
(Magdeb.
1608
): Dieweil sie in dem glauben stund / | Des tags wer kein kraut vngesund. | [...] | Schierling / Wolffsmilch / vnd Coriandern / | Gichtruͤb / Nachtschad / Braunkraut zun andern. | Salbey mit Kroͤtengifft befleckt.
Follan, Ortolf. Arzneib.
89, 2
(snfrk.
, 1398
): Paralisis het dy gycht; dat kumt gerne van calden eder von czornne eder ouerigeme etene vnde drynkende eder van vnkuschet.
Helm, H. v. Hesler. Apok.
7817
(nrddt.
, 14. Jh.
): Der Jaspis der ist gruene: | Sin art vortribet die gicht.
Froning, Alsf. Passionssp.
453
(ohess.
, 1501ff.
): habet die giecht in euwerm gekroß!
Keil, Peter v. Ulm
200
(nobd.
, 1453
/4
): Die salb vertreibt die gicht, vnd den der slag troffen hat, hept es mit gewalt auß dem pet vnd ist zu allerley tropffen gut.
Ebd.
233
: Ein scharff-salb an dem leip. Nym ein holtz, heist gicht-holtz, daz ist als erlein vnd stinckt. [...]. [gicht-holtz] hat per als die weinper-trauben, die sind schwartz vnd heissen gicht-per.
Ebd.
249
: Ditz ist noch ein pesser ertzney für das gicht vnd die geschwulst, die von kelten ist.
Haage, Hesel. Arzneib.
3r, 3
(Hs. ˹noobd.
/md.
, E. 15. Jh.
˺): Wenn der harem ist plaichv [...] | so hat er die kalten gicht.
Voc. Teut.-Lat.
l jr
(Nürnb.
1482
): Gichtsuchtiger. parliticus. od’ tropfschlachtiger.
Ebd.
l iiijv
: Gichtwurtz. dictamium.
Sachs
21, 95, 9
(Nürnb.
1559
): Du leugst mich an, hab dir das gicht!
Golius
394
(Straßb.
1579
): Paonia [...] Pfingst rosen / Künigs bluͦmen. Gichtwurtz.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
201
(Genf
1636
): gichtwurtze [...] Rose de nostre dame, Pæonia.
Schade, Sat. u. Pasqu.
2, 120, 12
(schwäb.
, um 1521
): daß dichs gicht ankum in groben büffel!
Chron. Augsb.
1, 313, 19
(schwäb.
, E. 15. Jh.
): zwen beghart und ain paur, [...], die teten sich auß die leut gesund ze machen an dem gicht.
Ebd.
3, 25, 16
(E. 15. Jh.
): Es kam ain stuͦlbruͦder her gen sant Veit und prach in das gicht.
Henisch
1614
(Augsb.
1616
): Gichtblumen / Schlisselblume͂ / S. Peters Schlissel / primula veris odora, [...], herba paralysis.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
409, 34
(oobd.
, 1349
/50
): daz selb öl oder diu salb ist guot für daz paralis und für diu zwai vallenden lait, der ainz apoplexia haizt und daz ander epilencia, und ist guot für der âdern gegiht, daz artetica haizt, und für der füez und der pain giht, daz podagra haizt, und für der hend giht, daz ciragra haizt.
Deinhardt, Ross Artzney
169
(oobd.
, 1598
): so ain roß das geicht in bain hat, so nimb schwarz vnnd weiß schneckhen, auch salz.
Piirainen, Stadtr. Sillein
129b, 31
(sslow. inseldt.
, 1378
): ab dv schuldik seist daz dich daz gycht vnd dy misselsucht beste.
Luther, WA
37, 175, 18
f.; 57, 498, 6
; Keil, a. a. O.
56
; 147
; 391
; Haage, a. a. O. 8r;
Voc. Teut.-Lat.
k viijv
; l iijv
; Voc. inc. teut.
i vijr
; Dict. Germ.-Gall.-Lat.
201
; Schweiz. Id.
7, 290
; 452
; 1719
; Schwäb. Wb.
3, 648
f. (hier volkskundliche Information); 6, 2040
.‒
Vgl. ferner s. v. bederben
1.3.
eine Pflanze (als Heilkraut gegen Gicht).Bedeutungsverwandte:
benedicte
gamander
Belegblock:
Bremer, Voc. opt.
50144
(wobd.
, 15. Jh.
): Gariofilaca [...] gamandre [...] benedict [...] giht.
Schweiz. Id.
2, 112
(s. v. gicht
II).4.
›Seuche, Elend (der Sünde, der Verdammung o. ä.)‹; Ütr. zu 2.Syntagmen:
jeweils mit gen. explicativus.Belegblock:
Helm, H. v. Hesler. Apok.
7824
(nrddt.
, 14. Jh.
): Daz her vortribet die gicht | Der ewiclichen lemden.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
5668
(omd.
, 1338
): Doch hastu myner sunden gicht | Gesalbet und geheilet hy.
Ebd.
13478
: Ist aber daz sy horen nicht, | Verstocket inder sunden gycht, | Von dem swerte sy vergan.
Stackmann u. a., Frauenlob
67, 16
(Hs. ˹nobd.
, 3. V. 15. Jh.
˺): da von wirt slicht | des jamers gicht.