1
geträchte,das
;-s/–
;zu
mhd.
getrechte
›Sinnen, Trachten‹
(Lexer
), dies aus 1, 947
lat.
tractāre
›behandeln‹
(Kluge/S.
).2002, 923
– Obd.
1.
›Sinnen, Trachten, Grübeln, Sich-in-Gedanken-Verlieren, wie es in religiösen Zusammenhängen, in Bezug auf die Minne sowie generell in außergewöhnlichen Lebenslagen erfolgt‹.Gehäuft Verstexte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Bedeutungsverwandte:
gedank
mut
der
) 5, sin
beger
betracht
die
), gering
der/das
), geschöpft
die/das
) 1.Syntagmen:
ein g. anheben
; in g. hin- / umgehen
, in einem g. spazieren gehen
, [wo] sitzen
, [wodurch] reiten, mit g. etw. mannigfältigen, seine ere / wirdigkeit
[wohin] werfen, sich mit dem g. verkeren, von dem g. etw. vol gnaden werden
; das freudenreiche / geitige / hoffärtige / unkeusche g
.Wortbildungen:
getrachten
geträchtig
Belegblock:
Pyritz, Minneburg
5050
(nobd.
, Hs. um 1400
): Wo ich gedenke und hin gedrachte, | So kan ich kein ruwe niht vinden.
Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
10ra, 29
(nobd.
, E. 14. Jh.
): Swer si [gnade] andehticlichen / betraht daz von dem getrehte hertz vnd sin vñ mvt allez vol gnaden / wiirt.
Ebd.
19b, 11
: Jn dis stuͤcke schol man werffen mit getrehte sein ere. wirdichait schonheit heilichait.
Euling, Kl. mhd. Erz.
824, 4
(nobd.
, E. 15. Jh.
): pis parmherczig, andechtig, | und pis das leiden Gocz gedrechtig !
Sachs
1, 418, 25
(Nürnb.
1554
): In solchem trübsal und unmut | Gieng ich inn eym gedrecht spaciren.
Ebd.
4, 157, 20
(1534
): Mit gedrecht wurd gemanigfeltigt, | So lang biß mich gar uberweltigt | Ein tieffer schlaff.
Thiele, Minner. II,
6, 15
(Hs. ˹nalem.
/sfrk.
, 1470
/90
˺): daynn begund ich umbgann | in frewden richem gedrecht.
Völker, Antichrist
604
(wschwäb.
, 15. Jh.
): wes hertz nit geruͦwet ist von vnkúnschem vnd gitigem vnd hoffertigem geträchte, in dem wonet die gnaͮd des hailigen gaistes nit.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin
2, 57, 20
(schwäb.
, 1471
): Also rait ich in dem getracht | Durch veyol, rosen vnd durch clee.
Drescher, Hartlieb. Caes.
105, 9
(moobd.
, 1456
/67
): do die zehent leccion gelesen ward, da sasz er in einem getracht und doch im selber mit zugetanen augen, [...], und was do wegend und prúfen sein grosz swármutikait und lasshait mit reẃ und pitterkait seines herczen.
Klein, Oswald
117, 4
(oobd.
, 1438
): dorumb so wil ich heben an | zu singen wider, ob ich kan, | von manchem man, der sich mit dem geträchte | verkeren tüt
[›sich in seinen Gedanken verirrt‹],
so im der wein | zu nahent kompt. Mönch v. Heilsbronn. a. a. O.
11va, 19
; Sachs
23, 52, 22
; Niewöhner, Teichner
189, 97
; Weber, Füetrer. Poyt.
329, 1
.2.
›gezieltes Sinnen und Trachten, Absicht‹.Bedeutungsverwandte:
fürsaz
anleitung
anschlag
aufsaz
bewegnis
gestalt
die
) 6.Wortbildungen:
getrachten
Belegblock:
Enders, Eberlin
1, 177, 23
(Basel
1521
): moͤcht es der teuffel nit lyden, getrachtent die falsche hertzen der kirchen dieb zu argern werken.
Klein, Oswald
20, 30
(oobd.
, 1415
): es müsst mich reuen hie und dart, | ob im missling mit hinevart; | das pringt dein snödes geträchte.
Niewöhner, Teichner
631, 174
(Hs. ˹moobd.
, 1469
˺): das der herr mit der fart | mess hoͤrt und stuend dapay | andechtigkleich, getrachtes frey.
Dief./Wü.
618
.