geschwindigkeit,
die
;
-Ø/-en
.
1.
›auf Vorteil, Betrug o. ä. gerichtete Schlauheit, Tücke, Falschheit (als Charaktereigenschaft); daraus resultierendes Handeln, Reden; einzelner Trick, Kniff, Rank‹; nur vereinzelt neutrale oder positive Bewertung, dann: ›Gewandtheit, Klugheit‹;
vgl.
geschwind
 1.
Bedeutungsverwandte:
abfürung
 1,
anschlag
 5,
anschlägigkeit
,
arglist
,
aufsaz
 9,
ausschlupf
,
behendigkeit
 4,
betriegerei
,
betrug
 2,
fünde
,
geschiklichkeit
 1,
list
 4,
praktik
 3,
rank
 2.
Gegensätze:
aufrichtigkeit
 1.
Syntagmen:
g. lernen / ersinnen / suchen / brauchen / treiben / üben, js. g. verlachen, etw. g. heissen
;
g
. (Subj.)
in einer person stecken
;
jm. etw. mit g. abstricken, sich mit g
. [wo]
eindringen, jn. mit g. in zweifel bringen
;
die g. der pfaffen, des verstandes
;
die listige / seltsame / subtile g
.;
das gemüt zur g
.

Belegblock:

Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe
287, 24
(
Wolfenb.
1593
):
Hedde ick doch all min leffdage niet en gelouet, Dat in ein frouwes person, so veele list ende geschwindicheit stecken soude.
Bell, G. Hager
532, 3, 8
(
nobd.
,
1610
):
Sie [Heüchler] kinen aus geben gar Süese worte, | bis sie ein an dem orte, | zu schaden bringen forte. | Das heist man ein ge schwindi keit.
Jörg, Salat. Reformationschr.
67, 20
(
halem.
,
1534
/
5
):
Betrüg / list / geschwindikeytt / und specklj / so diß nüwen secter uff die fallen gbunden / damit sy gelert / und ungelert disem fulen spil jngewicklett hand.
Ebd.
112, 2
:
mit wunderzeichen / so sy [ertzbuͦben] aber nit anders taatend / dann mit gschwindickeytt / wie man gougglett uß dem sack.
Ebd.
372, 27
:
man sott nit sophistriern / das jst gschwindikeytt und vertüncklung / abfuͤrung / und zwyflung [...] suͦchen.
Kottinger, Ruffs Etter Heini
685
(
ohalem.
,
1538
):
z’fil tribends [wysen] ir geschwindigkeit, | damitt sy ,svolch in torheit | und zwyfel bringend.
Maaler
174r
(
Zürich
1561
):
Geschwindigkeit / Ein feiner vnd guͦter list. Bonus dolus [...]. Geschwindigkeit zuͦ schmoͤcken ob ein ding ein guͦten oder boͤsen geschmack habe.
Ebd.
256v
:
Kunst (die) Wüssen / Geschwindigkeit.
Henisch
1550
(
Augsb.
1616
):
Gesdhwindigkeit auß dem jenigen / was man ergriffen vnd gewont hat ein anders zu schliessen [...]. Die Sprachen mit einem wunderbarlichen list vñ geschwindigkeit ergreiffen.
Luther, WA
52, 430, 25
;
Peil, Rollenhagen. Froschm.
132, 2752
;
Schade, Sat. u. Pasqu.
2, 5, 19
;
Bell, a. a. O.
205, 3, 20
;
Franck, Klagbr.
230, 36
;
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
45, 3
;
Jörg, a. a. O.
395, 18
;
Adomatis u. a., J. Murer. Hest.
642
;
Rennefahrt, Zivilr. Bern
286, 6
;
Chron. Augsb.
7, 302, 3
;
426, 7
;
8, 365, 2
;
Maaler
196r
;
Schweiz. Id.
9, 1965
;
Schwäb. Wb.
3, 509
.
Vgl. ferner s. v.
abstricken
 3,
gescheidigkeit
.
2.
›die normale Zeitdauer unterschreitende Schnelligkeit, Geschwindigkeit‹;
zu
geschwind
 2.

Belegblock:

v. Keller, Amadis
388, 16
(
Frankf.
1571
):
fieng er stattlich an auff den Hertzogen [...] zuschlagen, mit solcher geschwindigkeit, daß keiner vnder dem hauffen war; so jhn nicht für ein gewaltigen vnnd hertzhafften Ritter hielt.
Sachs
23, 218, 24
(
Nürnb.
1560
):
Mein prueder zu pringen umbs leben. | Der sach wil ich nach-trachten eben | Tag und nacht mit geschwindikeit, | Pis ich das volent kurzer zeit.
Trunz, Meyfart. Tub. Nov.
39, 8
(
Coburg
1626
):
da faͤhret dahin die gleubige Seele / den Weg der Ewigkeit / in vnnachdencklicher Geschwindigkeit.
3.
›unangemessene Eile, Übereilung, Vorschnelligkeit‹;
vgl.
geschwind
 4.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
gach
(
die
) 2,
gachheit
.

Belegblock:

Vetter, Pred. Taulers
30, 1
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
in in [anhebende lúte] stont vil gebresten, hochfart, geswindekeit, bitterkeit, eigenwillekeit, kriegelicheit.
Ebd.
106, 31
:
wan die swindekeit
[Var.:
geswindekeit
]
die verjaget und vertribet den heilgen geist zuͦmole.
Bachmann u. a., Volksb.
253, 5
(
alem.
,
15. Jh.
):
din anfang ist geschwindigheitt oder gäche, din mittel träg, din ende unfruchtber.