gescheidigkeit,
gescheidkeit
(letzteres vereinzelt);
die
;
-Ø/–
.
›Schlauheit, Scharfsinn‹, meist offen zu ›Gerissenheit, List‹, seltener in Richtung auf ›Klugheit, Verstand‹;
vgl.
gescheid
(Adj.) 1.
Bedeutungsverwandte:
arglistigkeit
 1,
argtücke
,
aufsaz
 9,
behendigkeit
 2; 4,
feinanz
,
feinanzerei
,
gefärde
(
die
) 1,
geschwindigkeit
 1,
hintergang
,
hinterlist
,
klugheit
 3; 4,
kündigkeit
 1,
list
 3; 4,
listigkeit
 2; 3; 4,
movendeln
(subst.),
räncke
,
scharfsinnigkeit
,
triegerei
 2,
trug
 1,
trügnis
 2,
tücke
,
vernunft
,
verstand
,
wißenheit
.
Syntagmen:
g. tun
›anwenden‹,
jm. g. geben
;
der g. vol sein
;
etw. aus g. tun, jn. mit g. aufreden, etw. mit g. denken / anfangen, zu wegen bringen, an sich ziehen, jn. mit g. zu sich brengen, um das geld bringen
;
die g. gottes, der alten
;
die angeborene / böse g
.

Belegblock:

Luther, WA
30, 1, 176, 10
(
1529
):
und wöllen solche nicht schalkeit sondern gescheidikeit und fursichtigkeit genennet haben.
Schöpper
16b
(
Dortm.
1550
):
Fallacia, seu dolus. List betrug auffsatz trug argduͤck hinderlist listigkeit tuͤcke truͤgnuß ränck triegerey geferd behendigkeit gescheidigkeit feinantz feinantzerey mouendeln hintergang.
Toeppen, Ständetage Preußen
3, 607, 24
(
preuß.
,
1453
):
und nort dem gemenen manne die ougen vorslissen, so das sy dy umb ir gelt mit gescheidikeit mogen brengen.
Volkmar
553
(
Danzig
1596
):
Sagacitas, scharffsinnigkeit / klugheit / gescheidigkeit.
Opel, Spittendorf
493, 34
(
osächs.
,
um 1480
):
Als sie nun mit ihrem [...] heischen den rathsmeister, [...], und auch die meister von innungen und gemeinheit mit solcher ihrer listikeit und gescheydigkeit nicht haben zu sich brengen können.
Chron. Nürnb.
5, 785, 22
(
nobd.
,
1516
):
die grösse und dapferkait der sachen (wie du dann auß angeporner geschaidigkait zu thuen pflegest).
Franck, Decl.
344, 26
(
Nürnb.
1531
):
Zu welcher sach man sich billich der alten gescheydigkeyt verwundern sol / die den wein temetum haben genant / das ist synnloß.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
8, 4, 17
Var. (
Straßb.
1466
):
daz den lutzeln werden gegeben: die kindikeit
[Var. Augsb. um 1475:
gescheidigkeit
;
Luther
1545, Spr. 1, 4:
witzig werden
]
vnd den iungen wissenheit vnd vernunft.
Ebd.
10, 278, 12
:
im wider stund der furst der priester vnd er mit gescheidikeit gedacht vnrechts zetun in der stat.
Golius
459
(
Straßb.
1579
):
Calliditas, geschwindigkeit / gescheidigkeit.
Maaler
172r
(
Zürich
1561
):
Gescheydigkeit (die) Scharpffer verstand. Sagacitas, Solertia, Astutia, Astus.
Sappler, H. Kaufringer
20, 50
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
kompt darnach der ander gerannt | und geit im mer dann diser man, | er vacht es mit gescheitkait an, | das er den ersten gar verlat.
Karnein, de amore dt.
246, 60
(
moobd.
,
v. 1440
):
Es ward auch ain weyb so ainfaltig noch so schlecht nye funden, sy künd das yr wol behalten vnd ander guet mit listen vnd gescheydigkait an sich ziehen. Wann ain ainfaltig weyb, so sy verkauffen sol ain huen, so tuet sy mer list, geschaidigkait vnd vmbred suechen dann der aller weysist man, [...], tät, so er ain grös geschlos vnd vessten verkaufft.
Mon. Boica, NF.
2, 1, 81, 17
;
Sappler, a. a. O.
7, 12
;
12, 3
;
13, 189
;
16, 228
;
Voc. Teut.-Lat.
m iiijr
;
Maaler
172r
.
Vgl. ferner s. v.
aufreden
 1.