geschöpft,
das / die
;-(e)s
(für das
), -Ø
(für die
)/auch -Ø
;-t
des Lemmaansatzes kann mit -ede
von geschöpfede
identisch sein, es kann aber auch (eher) Einfluß des finalen -t
von geschäft
oder des subst. part. Adj.
geschöpft
vorliegen. – Obd.; Texte religiösen oder didaktischen Inhalts.
1.
›von Menschen gesetzte Ordnung‹; wohl auch: ›Gedanken, Betreiben, Sinnen und Trachten des Menschen‹.Bedeutungsverwandte:
ordnung
gesaz
stand
Belegblock:
Schade, Sat. u. Pasqu.
2, 143, 13
(els.
1521
): ir seind alle ain künigliche priesterschaft: seind underthänig aller menschlichen geschöpft
[
OrdnungLuther
1545, 1. Petr. 2, 13: ]
umb gots willen. Ruh, Bonaventura
351, 29
(orhein.
, um 1480
): du allein [got] macht vns besseren, du allein vir unsser mißdat genuͦg sin, der do allein weist vnsser geschöpte
[Vorlage:
figmentum].
Boos, UB Aarau
237, 23
(halem.
, 1415
): von sunderem gebott, geheisz und geschoͤpftes wegen des allrhochgelobtesten [...] fúrsten und herren herr Sigmuntz.
Schweiz. Id.
8, 1056
.2.
›Schöpfung, Schaffung der Welt, darunter des Menschen, als Akt Gottes‹; dazu als Metonymie (mit teils fließendem Übergang): ›Schöpfung als Resultat des Schöpfungsaktes‹; im einzelnen auf Teile der Schöpfung wie den Menschen, die Lebewesen bezogen.Phraseme:
das buch der geschöpft
›Genesis‹.Bedeutungsverwandte:
ehe
die
) 1›Gesetz, Bund‹, natur
geschäft
gescheffede
geschefnis
geschöpf
Syntagmen:
das / die g. auftreiben / beschaffen / volbringen, das g
. (Subj.) keinen bestand haben, zergehen, jm. gleich sein
; allen geschöpften ausgehen
›absagen‹, von den geschöpften predigen, die sele sich an die geschöpfte neigen, werke von der geschöpfte den anfang nemen
; das g. Adams, gottes g
.; das hohe / niedere g., die gemeinen geschöpft
; der herre / schöpfer der geschöpfte, die natur der geschöpfte
.Belegblock:
Gille u. a., M. Beheim
2
, Überschr. (nobd.
, 2. H. 15. Jh.
): gotes wesen vor den geschephten.
Ebd.
13
: E got ye kain geschepht volpracht, da was er got | drivalticlich.
Ebd.
26
: list man, das die furm und pildung vor im swebt | aller geschepht von angend pis czu ende.
Schmidt, Rud. v. Biberach
71, 9
(whalem.
, 1345
/60
): Der sin ist dvͥ craft der sel, dvͥ begrift liplicher dingen, liplich form vnd geschoͮft
[wohl Konsonantenerleichterung:
-pft zu
-ft]
so si gegenwuͥrtig sint. Rieder, St. Georg. Pred.
209, 6
(Hs. ˹önalem.
, 1387
˺): won sich denn dú sele her nider keret und sich naiget an die geschephte, dar ane geschehent all súnde.
Banz, Christus u. d. minn. Seele
2051
(alem.
, 1. H. 15. Jh.
): O herr, du bist min, so bin ich din; | Die trúw sol iemer stät sin. | Dir ist kain geschöpfft so gar gelich, | So die schön, die minneclich.
Warnock, Pred. Paulis
1, 54
(önalem.
, 1490
/4
): Mit den selben guͦtten werchen, die also iren anfang nement von der geschoppft, mag der mensch nit verdienen daz ewig leben.
Bächtold, H. Salat
182, 3
(o. O. 1537
): Als Gott der vater von ewigkeit | Beschuͦf den himmel und erden breit, | Geschöpft, element, kreft und natur, | Uf das den menschen nach siner figur.
Diehl, Dreytw. Essl. Chron.
96, 11
(schwäb.
, 1551
): das buch der geschöft, das er spricht, es werde der himel oder werde die erd.
Fellmann, Denck. Schrr.
2, 111, 25
(o. O. 1528
): so hett sein schaffen oder geschöpfft keyn bestand gemöcht haben deß widerwillens halb, wie es dann jetzund ist, und darum zergehen muß.
Niewöhner, Teichner
464, 277
(Hs. ˹moobd.
, 1370
/80
˺): Unser fraw ir paider phlag, | vater und muͦter, da von lag | div geschepft in gotes macht.
Ebd.
464, 911
: seid ers nach der geschepht und e | hat behuͤt vor allem we.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
233
(moobd.
, A. 15. Jh.
): Die gemainen gschepht sind naürleich czaichen. Auch wie vns ir lust czimleich sey. Auch sind si czaichen vnd natürleiche pücher vnser verstentnusse.
Ebd.
2123
: vater almechtigen scheppher hymels vnd der erden vnd aller sichtigen vnd vnsichtigen gescheppht.
Hohmann, H. v. Langenstein. Quästio
185, 62
(moobd.
, 1. H. 15. Jh.
): wie vnczimleich sy [gedänkch] mügen gesein, es sey von got oder von der geschepht, so schadent sew nicht.
Roth, E. v. Wildenberg
6, 10
(moobd.
, v. 1493
): Als die welt gestanden was nach Adambs geschepft.
Gille u. a., a. a. O.
76, 44
; Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 155, 30
; Roloff, Brant. Tsp.
2132
; Wiessner, Wittenw. Ring
3222
; Sappler, H. Kaufringer
16, 780
; Baptist-Hlawatsch, a. a. O.
292
; Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
137
; Schwäb. Wb.
3, 490
.‒
Vgl. ferner s. v. auftreiben
12, ausgehen
8.