geschänden,
V.;
auch mit Rückuml.
– Wobd. / oobd.
1.
›jn. (vor allem verbal) erniedrigen, schmähen, beleidigen, verleumden (von Personen); etw. schmälern, herabsetzen (z. B. von der Ehe)‹.
Bedeutungsverwandte:
beleidigen
 2,
beschalken
 1; 3,
ringschätzen
,
schmähen
,
uneren
,
verleumden
,
verschreien
.
Syntagmen:
jn. offenlich, des lebens halb g., etw
. (z. B.
die ere, das werk der bescheidenheit
)
g
.
Wortbildungen:
geschänder
1,
geschändig
1,
geschändigheit
›Schmach, Schande‹ (E. 14. Jh.),
geschändung
1 (dazu bdv.:
enterung
 2).

Belegblock:

Bihlmeyer, Seuse
119, 18
(
alem.
,
14. Jh.
):
dez kindes vater muͤsti er sin, und woͤlti in also geschenden mit dem kinde, daz er allenthalb ze ruͦf wurde.
Wyss, Luz. Ostersp.
8786
(
Luzern
1545
):
ir Juden wottend mich [Simon Cireneus] geschenden. | ich wills nit thuͦn, lass mich nun gan.
Maaler
172r
(
Zürich
1561
):
Einen offentlich Gesche͂den / als weñ man eine͂ ins halßeysen / oder an prãgen stelt / oder in steck legt. [...]. Geschender (der) Corruptor, Violator. Geschendig (der) Gottloß. Proteruus.
Ebd.
195r
:
Gschendung mit worten. Geschendung vñ enteeru͂g.
Ebd.
358v
:
Schmützred (die) Verleumdung / Geschendung mit worten.
z, Strauss, A. v. Villanova dt.
145v, 7
(
obd.
, Hs.
1421
):
tzorn vberhitzet alle die gelider dez leibs von der hytz vnd der bewegunge dez hertzen vnd geschendet alle werck der bescheidenheit.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
279, 6
(
moobd.
,
1473
/
8
):
vor Got und weiben ist er geschendt, | der durch tragkhait dy selben rais verliget.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
87, 25
(
tir.
,
1464
):
daz der sellig pischolf geschenttet vnd geschmëcht würd von allen menschen.
Bihlmeyer, a. a. O.
120, 5
;
Maaler
22r
;
423v
;
Schweiz. Id.
8, 899
;
Jelinek
294
.
Vgl. ferner s. v.
apostüzler
.
2.
›jn. / etw. schädigen, verderben, zu nichte machen, vernichten; jn. zuschanden machen, übel zurichten; Schaden anrichten; frevelhaft handeln‹; im religiösen Sinne: ›jn. verdammen‹.
Bedeutungsverwandte:
beschlirpen
,
besudeln
,
verderben
,
vermasegen
,
verwüsten
.
Gegensätze:
bessern
 1.
Syntagmen:
jn. (übel) g., etw
. (z. B.
die eier, die welt, die hoffart, das gut / ros, den wein
)
g
.
Wortbildungen:
geschändig
2,
geschändvogel
.

Belegblock:

Dubizmay, kurß zu Teutze
66, 7
(
hess.
,
1463
):
Der rechte got sneydet der sunder hals abe sie werden geschent vnd werden hin hinder gekeret die da hasten die cristenheit.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
671, 10
(
els.
,
1362
):
Herre ich bitte das mich dirre huͤrren gezierde nút geschende for dinem gerichte.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 249, 23
(
Straßb.
1522
):
Hoffart geschant ein Aff zuͦ Paryß.
Ebd.
362, 27
:
Nim dein Gelt wider, ich wil dir noch als vil darzuͦ schencken. Geschend mich nit!
V. Anshelm. Berner Chron.
1, 231, 6
(
halem.
,
n. 1529
):
die groͤst plag ist, so Got die welt ze blenden, gschaͤnden, z’verderben [...] ussschikt.
Adrian, Saelden Hort
2731
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
du [Johannes] wissest daz ich [Herodes] lan nit abe | e daz ich gar geschende | dich und din leben ende.
Qu. Schweiz. Gesch.
1, 167, 12
(
halem.
,
1470
):
lichtlich moͤchte geschehen, das man mer gschante dann besserete.
Bachmann, Haimonsk.
72, 18
(
halem.
,
1530
):
do kam er gegen ir uff Bayard und streitt mit ir und geschandt sy vast ŭbel.
Jörg, Salat. Reformationschr.
330, 18
(
halem.
,
1534
/
5
):
allen die von wegen jrs anhangs sich wider die andern ortt satztend / sj zuͦ bschirmen by all jremm fürnemen / und gschenden
[subst.].
Maaler
61r
(
Zürich
1561
):
Beschlirpen / Besudlen / Verwuͤsten / Geschaͤnden. Oblimare.
Ebd.
195r
:
Geschendig / Der schaͤdlich ist / einen schaden zuͦstattet. Damnificus, Damnigerulus. Geschendvogel.
Rennefahrt, Zivilr. Bern
783, 4
(
halem.
,
1615
):
Wer dem anderen nachts das syn gschendt.
Dubizmay, a. a. O.
23, 9
;
62, 10
;
Schib, H. Stockar
136, 5
;
145, 12
;
Jörg, a. a. O.
239, 4
;
Maaler
172r
;
425r
;
Schwäb. Wb.
6, 2019
.
3.
›(eine Frau) entehren, schänden, vergewaltigen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
bescheissen
 3,
beschlafen
 1,
beschwächen
 2,
entmägden
,
geschneien
,
lästern
 1,
schwächen
,
verderben
,
verfällen
.
Wortbildungen:
geschänder
2,
geschändung
2 (dazu bdv.:
enterung
 3).

Belegblock:

Bachmann, Morgant
157, 13
(
halem.
,
1530
):
du bist ein lesterer und kätzer und geschänder der jungckfrowen, ein zerstörer der armen.
Maaler
195r
(
Zürich
1561
):
Ein tochter Gschenden / Mit jren huͤrey treyben / Schwachen vnd verfallen [...]. Gschendung vñ enteeru͂g deß geschlaͤchts.
Bad. Wb.
2, 381
;
Maaler
104v
;
171v
;
366v
.
4.
›jn. verwirren‹.

Belegblock:

Boot, Cassiodor. Hist. Eccl.
12, 5
(
moobd.
,
um 1385
):
waz ist pezzer denn daz man mit der vorred underweist werd, also daz man yndert ein unbetreͣchtlıͤch wart yemant muͤg geschenden.