1
geisel,die
,der
;–/-n
, auch -Ø
;zu
sie ist im Frnhd. zumindest noch nicht systematisch vollzogen, mhd.
gîsel
›Kriegsgefangener, Geisel‹
(Lexer
); die nhd. Unterscheidung von 1, 1022
Geisel
und Geißel
ist (laut Pfeifer
; anders unausgesprochen 2000, 415
Kluge/S.
) als Homographentrennung (gegen die Etymologie) zu verstehen; 2002, 340
s-
und ss-
Schreibungen begegnen also für beide Wörter.1.
›Bürge, Leibbürge, Gefangener, lebendiges Pfand‹.Bedeutungsverwandte:
bürge
bürgel
1
leister
pfandsman
Syntagmen:
die g. einsetzen / fordern / geben / halten / legen / nemen, jn. für eine g. küren / setzen; eine erbare g
.Belegblock:
Joachim, Marienb. Tresslerb.
71, 6
(preuß.
, 1400
): 5 firdung eyme furmanne, der 6 geysel von Samayten ken Strosberg [...] furthe.
Ebd.
186, 29
(preuß.
, 1402
): 1 m. [...] eyme knechte, der dem furmanne den geysel half bewaren.
Toeppen, Ständetage Preußen
2, 22, 34
(preuß.
, 1436
): das man nu nest czum Brieszke Heinrich Vorrath vor eyn geisel hat gekoren.
Wyss, Limb. Chron.
32, 7
(mfrk.
, 2. H. 14. Jh.
): iglich slug sich selber mit siner geiseln unde lißen di geiseln zu beiden siten gan ober di asseln.
Gerhard, Hist. alde e
5281
(omd.
, um 1340
): Er was gisel in Rom der stat, | Heimlich daruz zoch er mit rat.
Turmair
1, 166, 24
(Nürnb.
1522
): die burger zu Regenspurg schwuren nit allein, sonder musten auch geisel geben.
Karnein, Salm. u. Morolf
767, 4
(srhfrk.
, Hs. um 1470
): des wurdent die cristen | zu gisel in die heidenschafft gegeben.
Rennefahrt, Zivilr. Bern
668, 22
(halem.
, 1531
): Demnach ettwas unordnung bißhar gebrucht ist worden durch die, so zuͦ fuͦß und roß gysel und leystung gehalten hand.
Pfeiffer-Belli, Murner im Glaubensk.
2, 12, 6
(Luzern
1526
): reden [...] wie dir das geleit het wellen geysel geben vnd geleits lüt von allen orten wie du wellest.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
212, 33
(oobd.
, 3. Dr. 15. Jh.
): auff das ward an sy begert, die obgenannten zwen, die zu geisel stuenden, auch ledig zu lassenn.
Turmair
5, 283, 28
(moobd.
, 1522
/33
): Bei den alten Teutschen gaist geisl pürgen und lebendig pfand des frids zwischen den herren.
Bremer, Voc. opt.
268
; Schmitt, Ordo rerum
255, 31
; Dasypodius
153r
; Maaler
202v
; Hulsius
F ijr
; Henisch
1444
; Dict. Germ.-Gall.-Lat.
201
; Stieler
1, 827
; Dietz, Wb. Luther
2, 51
; Dief./Wü.
623
; Brinckmeier
893
; Schwäb. Wb.
3, 229
; Schweiz. Id.
2, 467
; Vorarlb. Wb.
1, 1095
; Rwb
3, 1520
f.2.
›gegenständliches Pfand, z. B. Geld, Ländereien, Gebäude‹.Belegblock:
UB ob der Enns
10, 3, 31
(moobd.
, 1381
): darumb haben wir zu fürphant vnd zu geysel ein gesaczt vnd geantwurt vnserm obgenanten herren herczog Albrechten [...] dy vestt vnd gesloz.
Ebd.
7, 38
: Darumb haben wir im zu furphant vnd zu geisel geseczt zwelif tausent phunt.