gefälle,
das
;
-s/-Ø
.
1.
›Fall, Absturz‹;
vgl.
gefallen
(V.) 1.

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus
2, 64, 12
(
Frankf.
1557
):
ein alt Weib nach frischen Feigen | Auff einen hohen Baum wolt steigen, | Vnd stelt sich eben zu den sachen, | Als obs ein groß gefäll wolt machen.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
452, 4
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Nain, nicht der Chriech ward des gevelles wer.
Pfälz. Wb.
3, 105
;
Shess. Wb.
2, 1156
;
Schwäb. Wb.
3, 152
;
Schweiz. Id.
1, 745
;
Vorarlb. Wb.
1, 1079
.
2.
›sich abflachende, abfallende Landschaft‹;
vgl.
gefallen
(V.) 1.

Belegblock:

v. Tscharner, Md. Marco Polo
8, 13
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Dornoch so kumt man an eyn groz gevelle, das wert czwu tage reyse, das hot vil vruchtbarer boume.
Hauber, UB Heiligkr.
1, 619, 27
(
schwäb.
,
1392
):
der underschaid soͤlt des ersten an vahen by dem stain der am brand lit und soͤlt uff hin gan vor dem klainn gefell vor dem stainach und vor des Kegels wis und ôch glich dar an bis uff die Tuͦnow.
3.
›Abgrund, Tiefe, Schlund, Verderben‹;
vgl.
gefallen
(V.) 1.
Syntagmen:
in das g. ziehen, in dem g. versinken; das grundlose / tiefe / unterste g
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Nicod.
3463
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
und has beide uns und dich gezogen | in daz underste gevelle.
Helm, H. v. Hesler. Apok.
4237
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Zu dem dritten weide | Vorkund hern in daz gevelle | Der grundelosen helle.
Ziesemer, Proph. Cranc Jes.
17, 1
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
Danascus wirt nymme sin eyne stat und wirt ein steinhufe in gevelle.
Niewöhner, Teichner
169, 34
(
moobd.
,
1360
/
70
):
durich daz gevelle | wolt ich nicht gein hell varen.
4.
›Zufall, Schicksal, Glück‹;
vgl.
gefallen
(V.) 3.
Syntagmen:
das böse / gute / menschliche / zeitliche g
.

Belegblock:

Thiele, Minner. II,
32, 40
(Hs. ˹
md.
/
rhein.
,
1. V. 15. Jh.
˺):
sicher guet ist dyn gevelle | dat du her bie ons bist comen.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
5585
(
omd.
,
1338
):
Wer gibt mir alsulch gevelle.
Wolf, Rothe. Ratsged. F
372
(
thür.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Vor bosem gefelle | Sine ampte wol bestelle.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
162, 7
(
thür.
,
1421
):
Die weile das eynn man gut gelucke unde gefelle habe, so sulle her nicht abe lassen, wenn is wandelt sich obir nacht.
Stackmann u. a., Frauenlob
3, 10, 4
(Hs. ˹
schles.
,
14. Jh.
˺):
Ein sinnic man, der sinnet, waz ez tut bekant. | spreche ich da von icht mere, ez were gevelle.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
51, 2
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
doch von dem urloge das sich irhub von der czit, hattin si keyn gevelle unde mochtin nicht gewinnen wen eyne burk.
Mayer, Folz. Meisterl.
52, 62
(
nobd.
,
um 1480
):
Het ich hie gut gefelle!
Vetter, Pred. Taulers
19, 20
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
soliche lúte wellent also wise sin und wenent es mit irre wisheit also bewarn und gebent dise ussewendigen gevelle dem gelúcke und unglúcke.
Niewöhner, Teichner
492, 13
(
oschwäb.
,
1368
):
der vil mænger in kloͤstern phligt, | daz er nit bedenckt und wigt | sinen schaden und sin gevell.
Österley, Steinhöwels Äsop
69, 6
(
Ulm
1474
/
82
):
So du aber ain mensch bist, so bedenke, daz du menschlichem gefell bist underwürftig.
Koppitz, Trojanerkr.
15393
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Der Erren riche dienstman | Warend ires gevelles do | Alle unmessenklichen fro.
Chron. baier. Städte. Regensb.
175, 2
(
noobd.
,
1541
):
So haben wir weder rue noch gut gefell.
5.
›Abgabe, Einnahme, Einkommen, Steuer, fälliger Zins‹;
vgl.
gefallen
(V.) 4; 5.
Bedeutungsverwandte:
einkommen
(
das
),
rente
,
ungelt
,
zins
,
zol
.
Syntagmen:
g. abrichten / absprechen / einnemen / nemen / zueignen; das irdische / zeitliche g
.

Belegblock:

Lohmeyer, K. v. Nostitz
125, 4
(
preuß.
,
1578
):
Daß lest ime sein bruder Cristoff Kreitz nach geben auch fur kochen und keller die außspeisung, [...] desgleichen frey holtzung und der cantzley halbes gefelle.
Kollnig, Weist. Schriesh.
203, 1
(
rhfrk.
,
1695
):
Die darzu gehörige äcker hat der herr pfarrer bis dahero genoßen, übrige gefälle seind durch gewieße männer jährlich eingezogen.
Foltz, UB Friedb.
1, 525, 34
(
hess.
,
1403
):
So hat die burg zu irme buwe und noden ungelt, zolle und ander gefelle in der stad.
Opel, Spittendorf
466, 10
(
osächs.
,
um 1480
):
Mein herr hatte auch angebracht umb die gefelle, die dem schultessen gebuhren.
Strauch, Schürebrand
39, 3
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Der lieb gnodenriche heilge vatter sante Franciscus, der was also gar lidig und blos aller eigenschaft und alles zitlichen gevelles.
Chron. Strassb.
601, 28
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
und hette von dem zolle und ungelte zuͦ Rome one ander schatzung und gefelle me denne hundertwerbe tusend gülden alle jor.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 276, 5
(
schwäb.
,
1592
).
Volgen die sportulae und geföll, so dem gericht zue Kürchberg allein einzuenemmen gebüren.
Schib, Urk. Laufenb.
363, 34
(
halem.
,
1620
):
das besagte patroni die gefäll [...] ihnen selbsten zue aignen.
Chron. baier. Städte. Regensb.
47, 18
(
noobd.
,
1522
):
daselbst wardt aller irsall, zwitracht und speen in beysizen hirtzog Wilhalms hingelegt und zu guten fründen gesprochen, dem pischoff dy capellen, alles gefeel darzue ganz und gar abgesprochen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
371, 37
(
m/soobd.
,
17. Jh.
):
darzue die mit den pauersleiten in der robath, züns, steuer und dergleichen geföll kein mitleiden tragen, die nit aufzuhalten.
Schmid, R. Cysat
6, 35
.