erstocken,
V.
1.
›fest, hart, steif werden‹; von Flüssigkeiten: ›gerinnen, verdicken‹;
zu
er-
8,
stocken
6.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
beliebern
,
erstarren
2,
gestehen
6,
grieseln
,
2
kallen
.

Belegblock:

Euling, Kl. mhd. Erz.
281, 24
(
nobd.
,
E. 15. Jh.
):
so wiert sein ferch, hercz, marck und plüt, | sein leyb und hercz so gar erschrocken | das ym sein adern wollen derstocken.
Turmair
4, 830, 30
(
moobd.
,
1522
/
33
):
wen mans [pluetfarb straim] zum feuer gesezt hat, ist’s wie ein schwarz erstockt pluet worden.
Schweiz. Id.
10, 1777
;
Schwäb. Wb.
2, 851
.
2.
›jn. / etw. lähmen‹; im Part. Prät.: ›eingeschlafen, taub‹;
zu
er-
4,
stocken
6.
Bedeutungsverwandte:
töten
6,
verstillen
; vgl.
erstarren
1,
tören
2.

Belegblock:

Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
140, 15
(
Frankf.
1535
):
Gyps [...] stellt den bluͦtfluß vnd den schweiß / getruncken / erstocket er denn menschenn.
Ebd.
152, 6
:
So man dauon trinckt / so verstillt es den bauch vnd harn / vnd erstockt also vnd toͤdt.
Maaler
118r
(
Zürich
1561
):
Erstockte glider / Entschlaffen / Vnentpfindtlich.
3.
›vor Schreck, Staunen erstarren, von Sinnen, wie gelähmt sein‹; daraus resultierend auch: ›handlungs-, entscheidungsunfähig sein‹;
vgl.
er-
3,
stocken
6.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
erstarren
1.

Belegblock:

Maaler
118r
(
Zürich
1561
):
Erstocken / Erstaune͂ / Ganz doll werden. Obstupere. Erstocket vnnd gantz on allen verstand.
Chron. Augsb.
3, 435, 29
(
schwäb.
,
um 1478
):
als herr Jos Onsorg, burgermayster, sogar erschrockhen und erstockhet was, haben ime die andern herrn des raths [...].
Fischer, Eunuchus d. Terenz
107, 10
(
Ulm
1486
):
Ich bin tod, Ist ain alt sprichwort deren die erstockt sind und nit wissen zevolbringen das si gern wolten.
Ebd.
135, 12
:
und erstockt in sorgen das er seine wort nit volsprechen kund.
Schweiz. Id.
10, 1777
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 294
.
4.
›uneinsichtig in einem Zustand verharren‹; überwiegend als Part. Prät. mit der Tendenz zur Lexikalisierung: ›verstockt, verhärtet, verblendet‹;
vgl.
er-
4,
stocken
5.
Seit dem mittleren Frnhd.; in wobd. / oobd. Belegen oft narrativer Texte.
Bedeutungsverwandte:
˹
erhärten
,
erstarren
3,
verblenden
,
verfinstern
˺ (im Part. Prät.),
verharren
; vgl.
starren
1.
Wortbildungen:
erstockung
›Verstocktheit, Uneinsichtigkeit‹ (dazu bdv.: vgl.
eigensin
1,
hertigkeit
5).

Belegblock:

Luther, WA
22, 241, 17
(
1544
):
Denn sie sind zu gar erstarret und erstockt in andern gedancken jres eigen duͤnckels und gefallens an denen dingen, davon sie viel halten.
Schade, Sat. u. Pasqu.
3, 28, 16
(
orhein.
1520
):
daß [...] ins end der welt ir manhaftigs geschrei ertönet, dorab sich uf disen tag die verblendten erstockten wölf entsetzen.
Pfeiffer-Belli, Murner. Kl. Schrr.
6, 86, 15
(
Straßb.
1520
):
das sie [...] noch vff disen tag in iren muͦtwillen vnd freuel verharren / vnd gantz erstocket sein.
Bachmann, Morgant
176, 24
(
halem.
,
1530
):
Do Ruolland erkant, das Rengnold so gar inn siner torheyt erstockt was, do ließ er inn ligen.
Pfaff, Tristrant
87, 14
(
Augsb.
1498
):
die verreterischen moͤrder [...] warent erherrt und erstockt in irer boßheit.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
53, 29
(
moobd.
,
1478
/
81
):
do enzündt der heilig geist das verfinstert und erstockt hertz des künigs.
Turmair
1, 187, 29
(
moobd.
,
1529
):
Si künden nichts, lassen in nicht raten noch helfen, seind gar plind und erstockt.
Ebd.
4, 806, 31
(
1522
/
33
):
Sant Pauls ist der erst gewesen, der den haiden geprediget hat. Do er sach die erstockung der Juden, das nichts an in helfen wolt.
v. Groote, Muskatblut
89, 11
;
36
;
Sachs
6, 71, 21
;
Chron. Augsb.
6, 39, 2
;
Turmair
4, 167, 32
;
622, 20
.