ehehaft,
ehehaftig,
Adj.
1.
›gesetzlich, legitimiert, rechtmäßig (von Gerichten, Rechten); ordnungsgemäß und regulär einberufen (von Gerichtsverhandlungen und ihren Terminen)‹; in 1 Bergbaubeleg wohl: ›ordnungsgemäß genehmigt‹ (von einem Stollen); zu
ehe
(die
) 1.Obd.; vorwiegend Rechts- und Wirtschaftstexte.
Syntagmen:
der ehehafte stollen, das ehehafte banteiding / gericht / recht, die ehehaften dinge
.Wortbildungen:
ehehaftbarlich
Belegblock:
Schnelbögl, Salb. Karls IV.
75, 29
(nobd.
, 1366
/8
): ein iglich pecke zu drein ehaftigen dingen 45 hl.
Mon. Boica, NF.
1, 413, 2
(nobd.
, 1. H. 15. Jh.
): 3 ehaffte gerichte: 1 Walburgis, 1 Michaelis.
Ebd.
2, 1, 22, 15
(1464
): auch wo itlichs gut zwͤ halsgericht und eehaften rechten gee.
Leisi, Thurg. UB
8, 248, 27
(halem.
, 1396
): Do koment für uns [...] und ouch für ehafft offen vorbannen gericht der edel und vest Wilhelm.
Winter, Nöst. Weist.
2, 1013, 7
(moobd.
, 1530
): wan wir di recht haben alle jar zwai oder drei eehaftige panntading zu setzen.
Piirainen, Igl. Bergr.
21b, 37
(slow. inseldt.
, 16. Jh.
): Der ain der hajsset, ain suechstolen, der annder ain Ehafftig(er) Stollen.
Rwb
2, 1226
f.; Schwäb. Wb.
2, 547
.2.
›von Rechts wegen als Begründung bzw. Hinderungsgrund für etw. zu Befolgendes akzeptiert, legitimiert, berechtigt, rechtsgültig‹; mit Tendenz zu: ›notwendig, triftig, schwerwiegend, zwingend, dringend, schlüssig‹ (von Begründungen); Gründe der genannten Art sind: Krankheit, Tod (eines Angehörigen), geschäftliche Verpflichtungen, Ableistung einer Gefängnisstrafe, Naturkatastrophen (Feuer, Wasser), herrennot
u. Ä.; als Spezialisierung zu 1 auffassbar.Rechts- und Wirtschaftstexte.
Phraseme:
ehafte not / notdurft
›gewichtiger, juristisch anerkannter Notfall (als Aufschiebungs- bzw. Hinderungsgrund z. B. für das Nichterscheinen vor Gericht, den Nichtvollzug einer Dienstverpflichtung oder zur Begründung eines Zahlungsaufschubs)‹; der ehafte verdacht
›begründeter, dringender Tatverdacht‹.Bedeutungsverwandte:
glaublich
recht
rechtlich
rechtmässig
redlich
wichtig
Gegensätze:
frevenlich
mutwillig
Syntagmen:
e. abwesend sein
; der ehehafte bau / verdacht, die ehehafte forderung / leibesnot / notdurft / sache / unmusse / ursache
(mehrfach) / zeit, das ehehafte gericht / recht, ehehafte geschäfte / sachen
.Belegblock:
Koeniger, Sendgerichte
75, 8
(rib.
1566
): die personen, welche muthwillig und freventlich den sondag [...] ohne verleup eines jeden orthspastor ader ehehafte ursach solches uberschreiten.
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl.
3, 314, 27
(mosfrk.
, 1530
): sol ein jeder [...] amptman gotsfurchtig sein und [...] die tage, so gottes wort gepredigt wirt, auch in die kirche verfuegen und mit nichten, sie hetten dan ehhafte gescheft, daraus pleiben.
Laufs, Reichskammergo.
100, 14
(Mainz
1555
): so der fiscal sollichem seinem ampt selbst außzuwarten auß ehafften ursachen verhindert, daß er dasselbig seinem advocaten befelhen [soll].
Franz u. a., Qu. hess. Ref.
4, 125, 11
(hess.
, 1536
): Wann aber etwas ehhafter verdacht
[wärde],
der doch nit aigentlich kund worden, daselbst haben [...]. Mon. Boica, NF.
1, 356, 33
(nobd.
, 1. H. 15. Jh.
): ine irre dann herren- leibs- oder ehafte note.
Sachs
23, 65, 31
(Nürnb.
1555
): Wer ehafter not nit da kan sein, | Der-selb legt zehen pfening ein.
Merk, Stadtr. Neuenb.
55, 15
(nalem.
, 1427
): als si selbs, nachdem inen mit uns ze riten empholhen ist, ehafter sachen halp dabi nit sin möchten.
Rennefahrt, Stadtr. Bern
154, 14
(halem.
, 1352
): Giengi aber den selben gemeinen man ehaftigi not an von tode, von gevengischi, von siechtag [...], so mag der [...].
Leisi, Thurg. UB
7, 48, 24
(halem.
, 1376
): daz in êhaft not von swaͤrer gúlt wegen, die uff in gevallen waͤr, darzuͦbraht [...] het, daz er den hof [verkoffen muͤsst].
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen
301, 27
(halem.
, 1521
): Ist aber der vogte nit im land, oder in eehaͤfftigen unmuͤssen oder siechtagen, denne [...].
Barack, Zim. Chron.
4, 177, 14
(schwäb.
, M. 16. Jh.
): so hat kain caplon ohne erlauptnus oder sonder ehehafte ursachen wandern dörfern.
Werbow, M. v. Amberg. Gew.
873
(omd.
/oobd.
, v. 1382
): ander ehaftige notdurft, die ein menschen fur got entschuldigen mochte.
Fuchs, Kart. Aggsbach
167, 30
(moobd.
, 1400
): Wêr aber, das an dem egent(antn) haws icht ehaffts paws noͤt geschêch, als das ein mawr oder ein gewelb nydergieng [...], das soll der egenant [...] wider aufpawn.
Chron. baier. Städte. Mühld.
396, 6
(moobd.
, 2. H. 14. Jh.
): ez suͤllen di pekchen an der heiligen samptztagenacht nicht pachen, ez sei dann von rechter ehaffter not.
Winter, Nöst. Weist.
1, 317, 37
(moobd.
, 1540
): ob aber der landrichter [...] nit komen möcht auß geschäft aines lantsfüersten oder eehaft anderer vorderung, so soll [...].
Ebd.
2, 581, 27
(1512
): Ob ainer offene feintschaft hiet gegen dem andern in der eehaften zeit des feurs, so sol dieselb zeit sein ain guter handfrid.
Rössler, Stadtr. Brünn
392, 4
(mähr. inseldt.
, 1. H. 14. Jh.
): Von ehaftiger not. Ehaftiger not sint vier. Di erst haisset die herrennot; die andere haisset siechtum, [...]; daz drit ist venchnusse; daz vierd ist wazzernot.
Große, Schwabensp.
65a, 34
; Luther, WA
8, 248, 6
; Köbler, Ref. Wormbs
37, 18
; 154, 7
; ders., Stattr. Fryburg
80, 20
; Brinkmann, Bad. Weist.
290, 25
; Österley, Kirchhof. Wendunmuth
1, 193, 14
; Ermisch, Freib. Stadtr.
96, 31
; Schultheiss, UB Windsheim
151, 23
; Baumann, Bauernkr. Rotenb.
425, 22
; Rennefahrt, Wirtsch. Bern
14, 24
; ders., Staat/Kirche Bern
406, 20
; 431, 12
; ders., Statut. Saanen
258, 8
; V. Anshelm. Berner Chron.
2, 176, 5
; 4, 257
; Welti, Urk. Rheinfelden
859, 5
; Niewöhner, Teichner
598, 86
; Chron. Augsb.
3, 291, 9
; 7, 284, 21
; 9, 234,
Anm. 2; 244,
Anm. 2; Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 17, 4
; 215, 26
; Auer, Stadtr. München
31, 8
; Rudolf, H. v. Langenstein. Erch.
29, 96
; Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
1, 18
; 27, 19
; 35, 12
; Schöpper
92b
; Henisch
795
; Rwb
2, 1221
; Pfälz. Wb.
2, 732
; Schwäb. Wb.
2, 544
; 548
.