dorn,
der
;
-s/-en
, auch
-e
,
-er
und
(+ Uml.).
1.
›Dorn, Stachel‹; allgemein: ›scharfer, spitzer Gegenstand‹, auch verwendet als Werkzeug oder Waffe; überwiegend speziell: ›spitzer Teil einer Pflanze, Dorn (v. a. von Rosen)‹; vielfach ütr., dann z. B.: ›Missstand, Belästigung, Schmerz‹; ›Unedles, Unreines‹; ›Erbsünde‹, wobei
dorn
als Symbol für v. a. religiöse und moralische Missstände und Verfehlungen steht; damit offen zu 2; 4.
Phraseme:
rose ane dornen
›Jungfrau Maria‹;
ein dorn jn. in den fus stechen
(ütr.:) ›in Nöte, Zweifel kommen‹;
jm. einen d. aus dem fus ziehen
›jn. von einem Missstand befreien‹;
barfus auf dornen gehen wollen
›schwer leiden wollen‹.
Bedeutungsverwandte:
nadel
1; 2,
spitze
,
sporn
,
1
stachel
1; vgl.
stichling
2.
Syntagmen:
den d. aussenden / ausziehen, einen d. an etw
. (z. B.
an einen schuh
)
machen, j. dornen achten, etw
. (z. B.
ein rosenstok
)
dornen tragen, einen d. von js. krone nemen
;
der d. jn. krätzen / reissen / stechen, reif werden, spiz sein, der dorn des jamers in füssen stecken
;
barfus auf dornen gehen, etw
. (z. B.
rosen
)
auf dornen wachsen, j. in einen d. treten, sich in die dornen stechen, sich mit den dornen kratzen, jn. mit dornen berüren / durchstechen, etw
. (z. B.
einen spies
)
mit d. zurüsten, nach einem d. greifen
;
der d. der rache
;
der eingetretene d., die spitzigen dornen
;
der schmerz der dornen
.
Wortbildungen:
dornenstich
,
dörnerpfeil
,
dörnerstrauch
,
dornestecke
,
dorngürtel
(dazu bdv.:
gurt
c),
dornspreis
›Dornspreißel‹,
dornstachel
(a. 1517).

Belegblock:

Kochendörffer, Tilo v. Kulm
1415
(
preuß.
,
1331
):
Vrou dich, rose sunder dorn | In dornheit uf gedrungen, | Clar lilge schon ensprungen.
Luther, WA
1, 166, 21
(
1524
):
Jch byn bekeret ynn meyn jamer, alßo der dornstachel eyngestochen ist.
Ebd.
1, 696, 38
(
1518
):
Allso stechen uns die dorn, das seind boͤse wort [...], boͤß eingebung des teüfels, das aigen flaisch und das gewissen gethoner sünde.
Ebd.
38, 9, 25
(
1531
/
3
):
Ehe die dornen reiff werden odder zu achten sind am dornstrauch
[dies zu
dorn
2],
so komet der zorn.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
535, 901
(
Magdeb.
1608
):
Das Manthier legt jhm
[Pferd]
an den Zaum / | [...] | Vnd macht an seinen schuch ein dorn / | Weil noch nicht erfunden die Sporn.
Ebd.
615, 3423
:
Dazu hatten sie Distel keulen / | [...] | Vnd Dornestecken lang vnd rund / | Damit die Froͤsch zu kratzen wund.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
6794
(
rhfrk.
,
um 1405
):
Er wirt da mit beruͤret | Mit den dornen und bebluͤdet.
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl.
153, 56
(Hs. ˹
pfälz.
,
M. 16. Jh.
˺):
ee wolt ich ewig parfues uff dorrnen gan.
Knape, Messerschmidt. Bris.
35, 92
(
Frankf./M.
1559
):
Herr Brissonetus den spieß / mit den spitzigen dornē zu geruͤst / dem wurm [...] in den halß stieß.
Ebd.
42, 33
:
auch also stechend vnd spitz waren die dornen / das niemand kein hand darauff [...] heben [...] dorfft.
Allg. Schau-Buͤhne
27, 47
(
Frankf.
1699
):
die Staͤnde [...] bey dem Hertzog von Parma, [...] instaͤndigst angehalten / diesen Dorn ihnen aus dem Fuß zu ziehen.
Jahr, H. v. Mügeln
294
(
omd.
, Hs.
1463
):
ab schult erwecket sinen zorn, | uß sent er siner rache dorn.
Henschel u. a., Heidin
1037
(
nobd.
,
um 1300
):
Evch sticht liht ein dorn inden fvz.
Gille u. a., M. Beheim
169, 52
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
[der rosen stokch] tregt rosen [...] | und dorn, die ubel chreczen.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 5, 21
(
Nürnb.
1631
):
Wer blindlich rohte Rosen bricht, | Gar leicht sich in die Dornen sticht.
Ebd.
2, 391, 1
(
Bautzen
1567
):
Maria zart, von edler art, | Ein Ros an alle Dornen.
Ebd.
3, 112, 6
(
Bodenseegeb.
1517
):
Vnd geüst dein [Jesu] bluͦt gantz miltigklich | Durch ruͦtschleg, gaisel, dorenstich.
Harsdoerffer. Trichter
3, 170, 3
(
Nürnb.
1653
):
Dorn. Deß Rosenstocks Gewehr / die Schirmung selber Blumen / der rauhe Doͤrner Strauch / der Stachel und die Spitzen die reissen / kratzen / ritzen. Rosen. Den zugespitzten Dornen gleich einer ähren Nadel. [...]. Die scharffen Doͤrner Pfeile.
Cirurgia H. Brunschwig
26vb, 39
(
Straßb.
[
1497
]):
Das sybend capitel [...] seit ob etwas fremdes in d’ wunden were / als dorn sprissen.
Ebd.
30rb, 14
:
artzeuie͂
[sic!]
die do vß zihent dorn.
Lemmer, Brant. Narrensch.
36, 1
(
Basel
1494
):
Der kratzet sich mit den dornen scharff.
Klein, Oswald
13, 27
(
oobd.
,
1416
):
Wer ist die ros an doren, | do von man list und sagt.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
1827
(
oobd.
,
1607
/
11
):
Ein ander nacket weiblin so den rechten fuß aufhebt und nach einem eingedrettenen dorn greifft
(erotisch anspielend).
Leidinger, V. Arnpeck
666, 34
(
moobd.
,
v. 1495
):
von dem obgemelten heyltum nam herzog Fridrich [...] ainen doren von der kron Cristi
(als Reliquie; vgl.
dorn
4).
Bremer, Voc. opt.
26016
(
wbair.
,
2. H. 15. Jh.
):
Cingula [...] dorngúrtel [...] gurt.
Peil, a. a. O.
537, 974
;
Sachs
17, 35, 14
;
273, 1
;
274, 3
;
Broszinski, Minner. Chir. Parva
231
;
Bihlmeyer, Seuse
542, 10
;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
160, 7
;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
2, 1
;
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
527, 7
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
107, 13
;
Dasypodius
308v
;
Serranus
53r
;
Maaler
92r
;
Mylius
E 5v
;
Henisch
26
;
177/8
;
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
121
;
Dietz, Wb. Luther
1, 449
;
Dwb
2, 1287
ff.;
Pfälz. Wb.
2, 355
;
Schweiz. Id.
13, 1623-25
;
Schwäb. Wb.
2, 279
;
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 79
.
Vgl. ferner s. v.
arbeitseligkeit
1.
2.
›Pflanze mit Dornen‹; auch: ›ein durch dornige Pflanzen gebildetes Gestrüpp oder eine entsprechende Hecke sowie deren Teile (z. B. Äste, Büschel, Bündel)‹; anschließbar an 1; genutzt als ›Baustoff für Einfriedungen‹; zudem verwendet als ›Festtagsschmuck vor Häusern‹ an kirchlichen Feiertagen, aber auch als ›Brennmaterial für Scheiterhaufen‹; in ütr. Verwendung: ›Unsitte, Sünde, schlechte Gewohnheit; sündige, gottferne Welt‹.
Bedeutungsverwandte
(bzw. sachbereichsverwandt):
brachendistel
,
brame
,
1
busch
1,
distel
,
gerte
1,
hecke
(
die
) 1,
holz
3,
klette
1,
meie
2,
nessel
,
rose
1,
schlehe
,
staude
1,
unkraut
; vgl.
gedörn
,
hag
1.
Syntagmen:
einen d. abhacken / abhauen / achten
›bemerken, erkennen‹
/ anzünden / aushauen / ausreuten / darbringen / finden / hauen / roden / säen, jm. einen d. geben
;
der d. stechen / überwachsen, ein d. hart / stechelig sein
;
den dornen etw. bleiben
;
etw. auf dornen wachsen, j. durch dornen rennen, dornen für die häuser setzen, etw. in dornen tun, etw
. (z. B.
eine rose
)
in dornen sich enthellen, etw
. (z. B.
ein stam
)
mit dornen verwachsen, etw. mit dornen verhagen / vermachen, etw
. (z. B.
der friede
›Zaun‹)
unter dornen stecken, etw. von dornen hauen
;
der ast / die rosen eines dornes, der hag / die hecke von dornen
;
der schwarze / weisse d., die dürren dornen
; häufig als Doppelform:
d. und distel
.
Wortbildungen:
dornach
›Dorndickicht‹ (a. 1360; 1497),
dornbaum
,
dornbürde
›Bündel von Dorngestrüpp‹,
dornbusch
,
dornenhecke
,
dornenkraut
(a. 1483/4),
dornenstok
,
dornenstrauch
,
dorn|essen
,
dorngestäude
,
dorngesträuch
,
dorngewächs
,
dornhag
(a. 1512),
dornhandschuh
(a. 1529),
dornhecke
(häufig belegt; ›Dorngetrüpp‹),
dornheit
›das irdische Leben‹,
dornholz
›Dornbusch‹,
dornrose
›eine Rosenart‹,
dornsamen
›Samen von Dornbüschen‹,
dornstam
›Stamm eines Dornbuschs‹ (a. 1538),
dornstaude
,
dornstrauch
,
dornstraus
,
dornwächsen
›von einem Dorngewächs stammend‹,
dornwelle
›kleiner Dornbusch‹,
dornzaun
,
dornzeil
›Weißdornhecke‹.

Belegblock:

Luther, WA
21, 472, 18
(
1544
):
Ein friede, der da stecket mitten unter Dorn und Hecken.
Ders. Hl. Schrifft.
1. Mose 3, 18
(
Wittenb.
1545
):
Dorn vnd Disteln sol er [Acker] dir tragen.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe
285, 31
(
Wolfenb.
1593
):
Disteln vnd Dorn stechen sehr, | Lügenhafftige Zungen aber viel mehr.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
217, 5293
(
Magdeb.
1608
):
Dem Vihe gaben sie Silbr / vnd rinden / | [...] | Der wilden richenden Dorn rosen / | Solt sie von der gefahr erloͤsen.
Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 243, 6
(
Köln
1582
):
Sie [menschen] warn vm mich wie bienen guͦt, | Dampfften, wie fewr in doͤrnen thuͦt, | Ich hab [...] | Sie vmbracht alzuͦsamen.
Ders., Lieder 14./15. Jh.
14, 2, 2
(
14.-15. Jh.
):
Salve mueter hochgeporen | pluem von doren auserkoren | pluem in ruem des dorneichs
[hier ütr. für ›sündige Menschheit, Welt‹]
er. | Wir das dorneich mit der sünde | darvmb verwunden in die gründe | du gar par vor dornechz ser.
Struck, Klöster
224, 46
(
mosfrk.
,
1516
):
hinder der muern dorne abgehauwen 3 alb.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
129, 16
(
rhfrk.
,
um 1435
):
vnd [die konnigynne] rante [...] durch dorne das ir antlitz an allen enden bludete.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 211, 13
(
hess.
,
1607
):
Die weg in den fachen sollen frey sein [...], auch kein dornbaum darein gelegt [...] werden.
Stambaugh, Milichius. Zaubert.
16, 32
(
Frankf./M.
1563
):
Auff den tag vor Philippi und Jacobi hat man Buͤchen Meyen unnd Doͤrner fuͤr die haͤuser gesetzt.
Hübner, Buch Daniel
1963
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Rosen wachsen manchir var, | [...] | Uf dorne und ane dorn.
Schönbach, Adt. Pred.
28, 6
(
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
daz ist ein dorn der da hart und stechelich ist.
Ebd.
28, 29
:
unser herre Jesus Christus [...] vant in dem akkere der werlde dorn kletten nezzeln und ander uncruͦt.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
266, 21
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Einen selbwachsenden zaun zu machen. Samle im herbst allerley dornsamen, als weißdorn, schleedorn.
Anderson u. a., Flugschrr.
19, 15, 20
([
Eilenb.
]
1524
):
vnd fallen daruber in eine dorn hecken das ist in heidenische cerimonien [...] in vil fasten vnd bethen.
Gille u. a., M. Beheim
238, 108
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
o edler chunig, merk und gam, | lass deinen hach gepelczten stam | mit dornen nicht verwachsen.
Ebd.
244, 8
:
das er [gartener] seinen garten | [...] | auss haket, reutet und auch haut | pas disteln, nesseln und unkraut | und tarner ungelachsen, | Die darinn sein gewachsen.
Sachs
20, 479, 10
(
Nürnb.
1563
):
Darmit trug man das kindlein nauß, | Und legt es in ein dorenstrauß.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
3815
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Davon er zornig und och gran | Sich rach mit dornen und schluͦg | Hopt, rippe, ruggen und buͦg.
Rennefahrt, Recht Laupen
56, 21
(
halem.
,
1471
):
die Laupener hätten zudem
etlich studern und tornern geriedet.
Schib, Urk. Laufenb.
313, 26
(
halem.
,
1605
):
so solle der werkhmeister [...] allweg ein jungen eich dar gegen auf pflanzen, mit dörnen vermachen vndt verhagen.
Maaler
92r
(
Zürich
1561
):
Dorngesteüd / Ort voll doͤrnen.
Ebd.
194r
:
Gruͤhaͤg (die) Toͤrnhaͤg / Zün auß [...] staͤchenden stauden.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
121
(
Genf
1636
):
Dorngestraͤuch, n. Hallier, Spinetum, Vepretum. [...] Dornholz, m. Solinéau, petit cheuron, Tignus Lacunar. [...] Dornwelle / ein buͦschlein von dorn, Faisseau d’espines.
Morrall, Mandev. Reiseb.
9, 5
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
und ward er [got] ouch gekroͤnt von ainem ast ains wissen dorn.
Ebd.
47, 12
:
man hett dar bracht dúrr dorn, und wurdent angezúnt.
Ebd.
85, 9
:
daz man dar in [land] sayte neßlen und dorn und bromen.
Sappler, H. Kaufringer
5, 124
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
er
[Mann auf Abenteuersuche]
kom zuo ainem dornzeil, | darbei ain hocher zaun was.
Ebd.
7, 220
:
ain dornzaun der stat nicht ferr | hinder meinem garten zwar.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 31, 12
(
schwäb.
,
1574
):
es soll niemands [...] weder von selben, doren, hägen oder anderm holz [...] nichzit hawen.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
2, 446, 7
(
schwäb.
,
1615
):
Welcher [...] felben, dornhecken oder ainich ander holz abhauet, der kombt umb fünf schilling.
Bremer, Voc. opt.
48220
(
Augsb.
1468
):
Spinetum [...] dorngewaͤchß.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
65, 22
(
oobd.
,
1349
/
50
):
der môn hât in im swarz flecken, und sprechent die laien, ez sitz ain man mit ainer dornpürd in dem mônen.
Ebd.
183, 33
:
ach got, dû waist wol, wâ dein stiglitz singent, dû waist auch ir haimleich dornezzen
[›Nahrung des Stieglitz‹; ütr. für ›demütiges Leiden der Gottgefälligen‹]
wol.
Ebd.
219, 25
:
Plinius spricht, daz der vogel [aglaster] in dem augst tobend werd, alsô daz er sich selber erhenke ze stunden in den dornpüschen.
Ebd.
406, 21
:
mein liep oder mein freundinn ist gestalt under andern töhtern, [...] sam diu lilig ist gestalt under den dornstauden.
Klein, Oswald
42, 58
(
oobd.
,
vor 1408
?):
Stauden stock | machet schock, | rauhen rock | als ain bock, | löblichen bedecket, | swarzer doren
[›Schwarzdorn‹],
| weisser koren, | gar verloren | ist der zoren, | den der winder wecket.
Boot, Cassiodor. Hist. Eccl.
768, 9
(
moobd.
,
um 1385
):
und nach der marter hiez im der fraissam, unguetig chuͤnig ein grazze dornweͣgzze rueten hinden dacz dem leib instoͤzzen.
Winter, Nöst. Weist.
1, 527, 14
(
moobd.
,
1450
):
wer [...] seim nachpawrn zu schaden abhakcht ainn durn darn, der ist zu wandel 72 ₰.
Peil, a. a. O.
21, 11
;
Matthaei, Minner. I,
14, 43
;
Schmidt, a. a. O.
1, 194, 17
;
Knape, Messerschmidt. Bris.
42, 30
;
Mayer, Folz. Meisterl.
133
;
Valli, Baldemann
61
;
Anderson u. a., a. a. O.
13, 6, 8
;
Hübner, a. a. O.
1683
;
Sudhoff, Paracelsus
11, 194, 2
;
Boner, Urk. Brugg
514, 30
;
Voc. inc. teut.
d vijr
;
Dasypodius
308v
;
Serranus
53r
;
Maaler
404v
;
Golius
361
 f.;
Volkmar
581
;
Rwb
2, 1073
;
Dietz, Wb. Luther
1, 447-49
;
Dwb, Neub.
6, 1274
f.;
Pfälz. Wb.
2, 355
f.;
358
;
Schweiz. Id.
13, 1625-29
;
Schwäb. Wb.
2, 280
f.;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 21
;
Lehmann, Rezeptb.
168
.
Vgl. ferner s. v.
akelei
,
ausreuten
1,
auszälen
4,
bau
.
3.
›dornige Pflanzenteile als Material, aus dem z. B. die Dornenkrone Christi gefertigt wurde‹; Spezialisierung zu 2.
Syntagmen:
die dornen aufladen, drein schlagen
;
jn
. (
Christum
),
js. haupt mit dornen krönen, eine krone von dornen machen
.
Wortbildungen:
dornenhut
,
dornenkrone
,
dornenreisig
.

Belegblock:

Oorschot, Spee. Trvtz-N.
203, 10
(
wmd.
,
1634
):
Schimpflich habens ihn
[Christus]
gekrönet; | Zeugets jener DörnenHut.
Mathesius, Passionale
44r, 14
(
Leipzig
1587
):
der HERR Christus [...] Ist bespeyet / verspottet / mit Dörnen gekrönet [...] gewesen.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 165, 3
(
Bautzen
1567
):
Zu eim spot vor jedermann, | Sein heiligs Heupt gekroͤnet ward, | Die doͤrner drein geschlagen.
Rieder, St. Georg. Pred.
257, 12
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
wie er an dem crútz stuͦnt mit dornen gekroͤnnet.
Koller, Ref. Siegmunds
342, 2
(Hs. ˹
Augsb.
,
um 1440
˺):
als Cristus Ihesus auch ward gekrent mit ainer dürnenkron.
Wunderlich, Fierrabr.
5, 8
;
7, 14
;
Kehrein, a. a. O.
327, 31
;
327, 33
;
358, 7
;
Gille u. a., M. Beheim
167, 43
;
Sachs
15, 264, 1
;
Glatz, Chron. Bickenkl.
45, 36
;
Morrall, Mandev. Reiseb.
8, 20
;
Klein, Oswald
114, 58
;
Dietz, Wb. Luther
1, 448
f.;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 21
.
4.
›Anfechtung, Versuchung; Sünde, Laster, fleischliche Lust; irdische Güter als Hindernis zu einem gottgefälligen Leben und damit als Gefahr für das Seelenheil‹; bildlich und ütr. von
dorn
1; 2; häufig mit Genitivmetaphern.
Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Bedeutungsverwandte:
distel
.
Syntagmen:
die dornen ausreuten / übertreffen
,
etw
.
dornen hegen / bären
(z. B.
eine rebe / die lüste
);
dornen
(Subj.)
etw
. (z. B.
trübsal / anfechtung
)
bedeuten
;
etw
. (z. B.
zeitliches gut
)
die dornen sein
;
etw
. (z. B.
die welt
)
in dornen liegen, vol dornen sein, j. durch dornen laufen, in den dornen wandern, got dienen, das herz in den dornen zeitlicher güter stecken, samen in die dornen fallen
;
der d. der bosheit / sünde / welt
;
der rechte dorn
.

Belegblock:

Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
11304
(
rhfrk.
,
um 1405
):
Obe ich mich wol beflecket han | Mit den dornen der boßheit, | Das ruwet mich.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
9988
(
omd.
,
1338
):
Wan wer von wiben wirt geborn, | Gephlantzet uf der sunde dorn, | Der mac ken Gote gar cleyne | Geschynen luter und reyne.
Neumann, Rothe. Keuschh.
2280
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
wi wirt ein junge maget bewart, | das ir kuscheit nicht werde vorlorn, | wanne di werlt ist gantz vol dorn?
Ebd.
3363
:
der apphil ist des menschen licham | [...] | in dem wirt di kuscheid vorlorn, | wanne her muss wandern in den dorn.
Palm, Veter Buoch
42, 7
(
schles.
, Hs.
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
Din mvnt sal niemmer vbel wort vorbringen, als ein rebe, der nicht dorne birt.
Gille u. a., M. Beheim
189, 30
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
wie torat die leüt sein, | das sy durch dorner lauffent | Also czu ires todes quell.
Dietrich. Summaria
26v, 33
(
Nürnb.
1578
):
In sonderheit aber sihet man inn diser Historia / wie das zeitlich gut die rechten dornen sind / welche die frucht des worts Gottes erstecken.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
183, 31
(
oobd.
,
1349
/
50
):
die guoten lêrer auf ertreich, die vil leidens habent und doch in den dornen diser werlt frœleich got dienent.
Stackmann u. a., Frauenlob
14, 8, 4
;
Dienes, E. Gros. Witwenb.
53, 21
;
Harsdoerffer. Trichter
3, 170, 3
;
Rieder, St. Georg. Pred.
52, 17
;
Lindqvist, K. v. Helmsd.
851
;
2965
;
Anderson u. a., Flugschrr.
2, 4, 18
;
7, 13, 2
;
19, 5, 4
;
12, 5
;
Goldammer, Paracelsus
4, 250
.
5.
›Stamm einer dornigen Pflanze als (gedachtes) aufnehmendes Gewächs bei der Pflanzenveredelung durch Pfropfen‹; Spezialisierung zu 2.

Belegblock:

Rieder, St. Georg. Pred.
159, 4
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
es waͤre ain harte wunderlich ding daz man uf ainen dorn zwigeti edel und guͦt fruht.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
333, 16
(
oobd.
,
1349
/
50
):
und wenn man den paum [nespelpaum] pelzet auf ainen fremden stam, ez sei auf ains pirpaums stam oder apfelpaums oder torenpaums
[s.
dorn
2]
oder ains andern, sô wirt diu fruht grôz.
Winter, Nöst. Weist.
1, 220, 21
(
moobd.
,
1630
):
auch ain dorn der guet und pelzt ist, ist pueß schuldig zwei schilling.
Rwb
2, 1073
.
6.
›Stachel eines Tieres (z. B. eines Igels)‹; eng anschließbar an
dorn
1.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
1
angel
4,
1
stachel
1,
steft
3,
stichel
(
der
) 1,
sticher
4.

Belegblock:

v. Tscharner, Md. Marco Polo
55, 14
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
[eynhorn] han eyn horn mittin an der stirnen unde das ist grob unde swarcz, ir czunge scharf sam dorn von langin stichiln.
Maaler
92r
(
Zürich
1561
):
Doͤrn an den Iglen vnd dorn schweynen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
138, 4
(
oobd.
,
1349
/
50
):
sô wizz, daz der igel ain tier ist, daz vil nâtürleicher dorn auf seinr haut tregt.
Ebd.
251, 23
:
die echen sint der krebzen geslähtes, [...] wan sie habent auch dorn an der füez stat.
Pfälz. Wb.
2, 355
;
Schweiz. Id.
13, 1629
.
7.
›Knochen‹; speziell: ›Wirbelsäule, Rückgrat‹; ›Fischgräte‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
1
bein
6,
grat
1; 2.

Belegblock:

Stedtfeld, Roger-Glosse
56
(
omd.
, Hs.
15. Jh.
):
ist der man geslagen in dÿ bein vnde no bÿ der hant seÿn das da heißen toren.
Brack
d 6v
(
Basel
1483
):
Spina. dorn oder grat.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
24, 9
(
oobd.
,
1349
/
50
):
Der ruck [...] strecket sein leng unz an die mistporten, und der dorn, der den rucken zesamen helt, ist auz vil painen.
8.
zu rechtsspezifischen Verwendungen s.
Rwb
2, 1073
: ›Unterlage aus Dornen zur Abwehr des Wiedergangs‹; ›Stab des Gerichtsboten‹.