dorn,
der
;-s/-en
, auch -e
, -er
und -Ø
(+ Uml.).1.
›Dorn, Stachel‹; allgemein: ›scharfer, spitzer Gegenstand‹, auch verwendet als Werkzeug oder Waffe; überwiegend speziell: ›spitzer Teil einer Pflanze, Dorn (v. a. von Rosen)‹; vielfach ütr., dann z. B.: ›Missstand, Belästigung, Schmerz‹; ›Unedles, Unreines‹; ›Erbsünde‹, wobei dorn
als Symbol für v. a. religiöse und moralische Missstände und Verfehlungen steht; damit offen zu 2; 4.Phraseme:
rose ane dornen
›Jungfrau Maria‹; ein dorn jn. in den fus stechen
(ütr.:) ›in Nöte, Zweifel kommen‹; jm. einen d. aus dem fus ziehen
›jn. von einem Missstand befreien‹; barfus auf dornen gehen wollen
›schwer leiden wollen‹.Bedeutungsverwandte:
nadel
spitze
sporn
1
stachel
stichling
Syntagmen:
den d. aussenden / ausziehen, einen d. an etw
. (z. B. an einen schuh
) machen, j. dornen achten, etw
. (z. B. ein rosenstok
) dornen tragen, einen d. von js. krone nemen
; der d. jn. krätzen / reissen / stechen, reif werden, spiz sein, der dorn des jamers in füssen stecken
; barfus auf dornen gehen, etw
. (z. B. rosen
) auf dornen wachsen, j. in einen d. treten, sich in die dornen stechen, sich mit den dornen kratzen, jn. mit dornen berüren / durchstechen, etw
. (z. B. einen spies
) mit d. zurüsten, nach einem d. greifen
; der d. der rache
; der eingetretene d., die spitzigen dornen
; der schmerz der dornen
.Wortbildungen:
dornenstich
dörnerpfeil
dörnerstrauch
dornestecke
dorngürtel
gurt
dornspreis
dornstachel
Belegblock:
Kochendörffer, Tilo v. Kulm
1415
(preuß.
, 1331
): Vrou dich, rose sunder dorn | In dornheit uf gedrungen, | Clar lilge schon ensprungen.
Luther, WA
1, 166, 21
(1524
): Jch byn bekeret ynn meyn jamer, alßo der dornstachel eyngestochen ist.
Ebd.
1, 696, 38
(1518
): Allso stechen uns die dorn, das seind boͤse wort [...], boͤß eingebung des teüfels, das aigen flaisch und das gewissen gethoner sünde.
Ebd.
38, 9, 25
(1531
/3
): Ehe die dornen reiff werden odder zu achten sind am dornstrauch
[dies zu
dorn 2],
so komet der zorn. Peil, Rollenhagen. Froschm.
535, 901
(Magdeb.
1608
): Das Manthier legt jhm
[Pferd]
an den Zaum / | [...] | Vnd macht an seinen schuch ein dorn / | Weil noch nicht erfunden die Sporn. Ebd.
615, 3423
: Dazu hatten sie Distel keulen / | [...] | Vnd Dornestecken lang vnd rund / | Damit die Froͤsch zu kratzen wund.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
6794
(rhfrk.
, um 1405
): Er wirt da mit beruͤret | Mit den dornen und bebluͤdet.
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl.
153, 56
(Hs. ˹pfälz.
, M. 16. Jh.
˺): ee wolt ich ewig parfues uff dorrnen gan.
Knape, Messerschmidt. Bris.
35, 92
(Frankf./M.
1559
): Herr Brissonetus den spieß / mit den spitzigen dornē zu geruͤst / dem wurm [...] in den halß stieß.
Ebd.
42, 33
: auch also stechend vnd spitz waren die dornen / das niemand kein hand darauff [...] heben [...] dorfft.
Allg. Schau-Buͤhne
27, 47
(Frankf.
1699
): die Staͤnde [...] bey dem Hertzog von Parma, [...] instaͤndigst angehalten / diesen Dorn ihnen aus dem Fuß zu ziehen.
Jahr, H. v. Mügeln
294
(omd.
, Hs. 1463
): ab schult erwecket sinen zorn, | uß sent er siner rache dorn.
Henschel u. a., Heidin
1037
(nobd.
, um 1300
): Evch sticht liht ein dorn inden fvz.
Gille u. a., M. Beheim
169, 52
(nobd.
, 2. H. 15. Jh.
): [der rosen stokch] tregt rosen [...] | und dorn, die ubel chreczen.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 5, 21
(Nürnb.
1631
): Wer blindlich rohte Rosen bricht, | Gar leicht sich in die Dornen sticht.
Ebd.
2, 391, 1
(Bautzen
1567
): Maria zart, von edler art, | Ein Ros an alle Dornen.
Ebd.
3, 112, 6
(Bodenseegeb.
1517
): Vnd geüst dein [Jesu] bluͦt gantz miltigklich | Durch ruͦtschleg, gaisel, dorenstich.
Harsdoerffer. Trichter
3, 170, 3
(Nürnb.
1653
): Dorn. Deß Rosenstocks Gewehr / die Schirmung selber Blumen / der rauhe Doͤrner Strauch / der Stachel und die Spitzen die reissen / kratzen / ritzen. Rosen. Den zugespitzten Dornen gleich einer ähren Nadel. [...]. Die scharffen Doͤrner Pfeile.
Cirurgia H. Brunschwig
26vb, 39
(Straßb.
[1497
]): Das sybend capitel [...] seit ob etwas fremdes in d’ wunden were / als dorn sprissen.
Ebd.
30rb, 14
: artzeuie͂
[sic!]
die do vß zihent dorn. Lemmer, Brant. Narrensch.
36, 1
(Basel
1494
): Der kratzet sich mit den dornen scharff.
Klein, Oswald
13, 27
(oobd.
, 1416
): Wer ist die ros an doren, | do von man list und sagt.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
1827
(oobd.
, 1607
/11
): Ein ander nacket weiblin so den rechten fuß aufhebt und nach einem eingedrettenen dorn greifft
(erotisch anspielend). Leidinger, V. Arnpeck
666, 34
(moobd.
, v. 1495
): von dem obgemelten heyltum nam herzog Fridrich [...] ainen doren von der kron Cristi
(als Reliquie; vgl.
dorn 4).
Bremer, Voc. opt.
26016
(wbair.
, 2. H. 15. Jh.
): Cingula [...] dorngúrtel [...] gurt.
Peil, a. a. O.
537, 974
; Sachs
17, 35, 14
; 273, 1
; 274, 3
; Broszinski, Minner. Chir. Parva
231
; Bihlmeyer, Seuse
542, 10
; Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
160, 7
; Spechtler, Mönch v. Salzb.
2, 1
; Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
527, 7
; Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
107, 13
; Dasypodius
308v
; Serranus
53r
; Maaler
92r
; Mylius
E 5v
; Henisch
26
; 177/8
; Dict. Germ.-Gall.-Lat.
121
; Dietz, Wb. Luther
1, 449
; Dwb
2, 1287
ff.; Pfälz. Wb.
2, 355
; Schweiz. Id.
13, 1623-25
; Schwäb. Wb.
2, 279
; Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 79
.‒
Vgl. ferner s. v. arbeitseligkeit
1.2.
›Pflanze mit Dornen‹; auch: ›ein durch dornige Pflanzen gebildetes Gestrüpp oder eine entsprechende Hecke sowie deren Teile (z. B. Äste, Büschel, Bündel)‹; anschließbar an 1; genutzt als ›Baustoff für Einfriedungen‹; zudem verwendet als ›Festtagsschmuck vor Häusern‹ an kirchlichen Feiertagen, aber auch als ›Brennmaterial für Scheiterhaufen‹; in ütr. Verwendung: ›Unsitte, Sünde, schlechte Gewohnheit; sündige, gottferne Welt‹.Bedeutungsverwandte
(bzw. sachbereichsverwandt): brachendistel
, brame
, 1
busch
1, distel
, gerte
1, hecke
(die
) 1, holz
3, klette
1, meie
2, nessel
, rose
1, schlehe
, staude
1, unkraut
; vgl. gedörn
, hag
1.Syntagmen:
einen d. abhacken / abhauen / achten
›bemerken, erkennen‹ / anzünden / aushauen / ausreuten / darbringen / finden / hauen / roden / säen, jm. einen d. geben
; der d. stechen / überwachsen, ein d. hart / stechelig sein
; den dornen etw. bleiben
; etw. auf dornen wachsen, j. durch dornen rennen, dornen für die häuser setzen, etw. in dornen tun, etw
. (z. B. eine rose
) in dornen sich enthellen, etw
. (z. B. ein stam
) mit dornen verwachsen, etw. mit dornen verhagen / vermachen, etw
. (z. B. der friede
›Zaun‹) unter dornen stecken, etw. von dornen hauen
; der ast / die rosen eines dornes, der hag / die hecke von dornen
; der schwarze / weisse d., die dürren dornen
; häufig als Doppelform: d. und distel
.Wortbildungen:
dornach
dornbaum
dornbürde
dornbusch
dornenhecke
dornenkraut
dornenstok
dornenstrauch
dorn|essen
dorngestäude
dorngesträuch
dorngewächs
dornhag
dornhandschuh
dornhecke
dornheit
dornholz
dornrose
dornsamen
dornstam
dornstaude
dornstrauch
dornstraus
dornwächsen
dornwelle
dornzaun
dornzeil
Belegblock:
Luther, WA
21, 472, 18
(1544
): Ein friede, der da stecket mitten unter Dorn und Hecken.
Ders. Hl. Schrifft.
1. Mose 3, 18
(Wittenb.
1545
): Dorn vnd Disteln sol er [Acker] dir tragen.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe
285, 31
(Wolfenb.
1593
): Disteln vnd Dorn stechen sehr, | Lügenhafftige Zungen aber viel mehr.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
217, 5293
(Magdeb.
1608
): Dem Vihe gaben sie Silbr / vnd rinden / | [...] | Der wilden richenden Dorn rosen / | Solt sie von der gefahr erloͤsen.
Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 243, 6
(Köln
1582
): Sie [menschen] warn vm mich wie bienen guͦt, | Dampfften, wie fewr in doͤrnen thuͦt, | Ich hab [...] | Sie vmbracht alzuͦsamen.
Ders., Lieder 14./15. Jh.
14, 2, 2
(14.-15. Jh.
): Salve mueter hochgeporen | pluem von doren auserkoren | pluem in ruem des dorneichs
[hier ütr. für ›sündige Menschheit, Welt‹]
er. | Wir das dorneich mit der sünde | darvmb verwunden in die gründe | du gar par vor dornechz ser. Struck, Klöster
224, 46
(mosfrk.
, 1516
): hinder der muern dorne abgehauwen 3 alb.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
129, 16
(rhfrk.
, um 1435
): vnd [die konnigynne] rante [...] durch dorne das ir antlitz an allen enden bludete.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 211, 13
(hess.
, 1607
): Die weg in den fachen sollen frey sein [...], auch kein dornbaum darein gelegt [...] werden.
Stambaugh, Milichius. Zaubert.
16, 32
(Frankf./M.
1563
): Auff den tag vor Philippi und Jacobi hat man Buͤchen Meyen unnd Doͤrner fuͤr die haͤuser gesetzt.
Hübner, Buch Daniel
1963
(omd.
, Hs. 14.
/A. 15. Jh.
): Rosen wachsen manchir var, | [...] | Uf dorne und ane dorn.
Schönbach, Adt. Pred.
28, 6
(osächs.
, 1. H. 14. Jh.
): daz ist ein dorn der da hart und stechelich ist.
Ebd.
28, 29
: unser herre Jesus Christus [...] vant in dem akkere der werlde dorn kletten nezzeln und ander uncruͦt.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
266, 21
(osächs.
, 1570
/7
): Einen selbwachsenden zaun zu machen. Samle im herbst allerley dornsamen, als weißdorn, schleedorn.
Anderson u. a., Flugschrr.
19, 15, 20
([Eilenb.
] 1524
): vnd fallen daruber in eine dorn hecken das ist in heidenische cerimonien [...] in vil fasten vnd bethen.
Gille u. a., M. Beheim
238, 108
(nobd.
, 2. H. 15. Jh.
): o edler chunig, merk und gam, | lass deinen hach gepelczten stam | mit dornen nicht verwachsen.
Ebd.
244, 8
: das er [gartener] seinen garten | [...] | auss haket, reutet und auch haut | pas disteln, nesseln und unkraut | und tarner ungelachsen, | Die darinn sein gewachsen.
Sachs
20, 479, 10
(Nürnb.
1563
): Darmit trug man das kindlein nauß, | Und legt es in ein dorenstrauß.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
3815
(halem.
, Hs. um 1435
): Davon er zornig und och gran | Sich rach mit dornen und schluͦg | Hopt, rippe, ruggen und buͦg.
Rennefahrt, Recht Laupen
56, 21
(halem.
, 1471
): die Laupener hätten zudem
etlich studern und tornern geriedet. Schib, Urk. Laufenb.
313, 26
(halem.
, 1605
): so solle der werkhmeister [...] allweg ein jungen eich dar gegen auf pflanzen, mit dörnen vermachen vndt verhagen.
Maaler
92r
(Zürich
1561
): Dorngesteüd / Ort voll doͤrnen.
Ebd.
194r
: Gruͤhaͤg (die) Toͤrnhaͤg / Zün auß [...] staͤchenden stauden.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
121
(Genf
1636
): Dorngestraͤuch, n. Hallier, Spinetum, Vepretum. [...] Dornholz, m. Solinéau, petit cheuron, Tignus Lacunar. [...] Dornwelle / ein buͦschlein von dorn, Faisseau d’espines.
Morrall, Mandev. Reiseb.
9, 5
(schwäb.
, E. 14. Jh.
): und ward er [got] ouch gekroͤnt von ainem ast ains wissen dorn.
Ebd.
47, 12
: man hett dar bracht dúrr dorn, und wurdent angezúnt.
Ebd.
85, 9
: daz man dar in [land] sayte neßlen und dorn und bromen.
Sappler, H. Kaufringer
5, 124
(schwäb.
, Hs. 1464
): er
[Mann auf Abenteuersuche]
kom zuo ainem dornzeil, | darbei ain hocher zaun was. Ebd.
7, 220
: ain dornzaun der stat nicht ferr | hinder meinem garten zwar.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 31, 12
(schwäb.
, 1574
): es soll niemands [...] weder von selben, doren, hägen oder anderm holz [...] nichzit hawen.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
2, 446, 7
(schwäb.
, 1615
): Welcher [...] felben, dornhecken oder ainich ander holz abhauet, der kombt umb fünf schilling.
Bremer, Voc. opt.
48220
(Augsb.
1468
): Spinetum [...] dorngewaͤchß.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
65, 22
(oobd.
, 1349
/50
): der môn hât in im swarz flecken, und sprechent die laien, ez sitz ain man mit ainer dornpürd in dem mônen.
Ebd.
183, 33
: ach got, dû waist wol, wâ dein stiglitz singent, dû waist auch ir haimleich dornezzen
[›Nahrung des Stieglitz‹; ütr. für ›demütiges Leiden der Gottgefälligen‹]
wol. Ebd.
219, 25
: Plinius spricht, daz der vogel [aglaster] in dem augst tobend werd, alsô daz er sich selber erhenke ze stunden in den dornpüschen.
Ebd.
406, 21
: mein liep oder mein freundinn ist gestalt under andern töhtern, [...] sam diu lilig ist gestalt under den dornstauden.
Klein, Oswald
42, 58
(oobd.
, vor 1408
?): Stauden stock | machet schock, | rauhen rock | als ain bock, | löblichen bedecket, | swarzer doren
[›Schwarzdorn‹],
| weisser koren, | gar verloren | ist der zoren, | den der winder wecket. Boot, Cassiodor. Hist. Eccl.
768, 9
(moobd.
, um 1385
): und nach der marter hiez im der fraissam, unguetig chuͤnig ein grazze dornweͣgzze rueten hinden dacz dem leib instoͤzzen.
Winter, Nöst. Weist.
1, 527, 14
(moobd.
, 1450
): wer [...] seim nachpawrn zu schaden abhakcht ainn durn darn, der ist zu wandel 72 ₰.
Peil, a. a. O.
21, 11
; Matthaei, Minner. I,
14, 43
; Schmidt, a. a. O.
1, 194, 17
; Knape, Messerschmidt. Bris.
42, 30
; Mayer, Folz. Meisterl.
133
; Valli, Baldemann
61
; Anderson u. a., a. a. O.
13, 6, 8
; Hübner, a. a. O.
1683
; Sudhoff, Paracelsus
11, 194, 2
; Boner, Urk. Brugg
514, 30
; Voc. inc. teut.
d vijr
; Dasypodius
308v
; Serranus
53r
; Maaler
404v
; Golius
361
f.; Volkmar
581
; Rwb
2, 1073
; Dietz, Wb. Luther
1, 447-49
; Dwb, Neub.
6, 1274
f.; Pfälz. Wb.
2, 355
f.; 358
; Schweiz. Id.
13, 1625-29
; Schwäb. Wb.
2, 280
f.; Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 21
; Lehmann, Rezeptb.
168
.‒
Vgl. ferner s. v. akelei
, ausreuten
1, auszälen
4, bau
.3.
›dornige Pflanzenteile als Material, aus dem z. B. die Dornenkrone Christi gefertigt wurde‹; Spezialisierung zu 2.Syntagmen:
die dornen aufladen, drein schlagen
; jn
. (Christum
), js. haupt mit dornen krönen, eine krone von dornen machen
.Wortbildungen:
dornenhut
dornenkrone
dornenreisig
Belegblock:
Oorschot, Spee. Trvtz-N.
203, 10
(wmd.
, 1634
): Schimpflich habens ihn
[Christus]
gekrönet; | Zeugets jener DörnenHut. Mathesius, Passionale
44r, 14
(Leipzig
1587
): der HERR Christus [...] Ist bespeyet / verspottet / mit Dörnen gekrönet [...] gewesen.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 165, 3
(Bautzen
1567
): Zu eim spot vor jedermann, | Sein heiligs Heupt gekroͤnet ward, | Die doͤrner drein geschlagen.
Rieder, St. Georg. Pred.
257, 12
(Hs. ˹önalem.
, 1387
˺): wie er an dem crútz stuͦnt mit dornen gekroͤnnet.
Koller, Ref. Siegmunds
342, 2
(Hs. ˹Augsb.
, um 1440
˺): als Cristus Ihesus auch ward gekrent mit ainer dürnenkron.
Wunderlich, Fierrabr.
5, 8
; 7, 14
; Kehrein, a. a. O.
327, 31
; 327, 33
; 358, 7
; Gille u. a., M. Beheim
167, 43
; Sachs
15, 264, 1
; Glatz, Chron. Bickenkl.
45, 36
; Morrall, Mandev. Reiseb.
8, 20
; Klein, Oswald
114, 58
; Dietz, Wb. Luther
1, 448
f.; Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 21
.4.
›Anfechtung, Versuchung; Sünde, Laster, fleischliche Lust; irdische Güter als Hindernis zu einem gottgefälligen Leben und damit als Gefahr für das Seelenheil‹; bildlich und ütr. von dorn
1; 2; häufig mit Genitivmetaphern.Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Bedeutungsverwandte:
distel
Syntagmen:
die dornen ausreuten / übertreffen
, etw
. dornen hegen / bären
(z. B. eine rebe / die lüste
); dornen
(Subj.) etw
. (z. B. trübsal / anfechtung
) bedeuten
; etw
. (z. B. zeitliches gut
) die dornen sein
; etw
. (z. B. die welt
) in dornen liegen, vol dornen sein, j. durch dornen laufen, in den dornen wandern, got dienen, das herz in den dornen zeitlicher güter stecken, samen in die dornen fallen
; der d. der bosheit / sünde / welt
; der rechte dorn
.Belegblock:
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
11304
(rhfrk.
, um 1405
): Obe ich mich wol beflecket han | Mit den dornen der boßheit, | Das ruwet mich.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
9988
(omd.
, 1338
): Wan wer von wiben wirt geborn, | Gephlantzet uf der sunde dorn, | Der mac ken Gote gar cleyne | Geschynen luter und reyne.
Neumann, Rothe. Keuschh.
2280
(thür.
, 1. H. 15. Jh.
): wi wirt ein junge maget bewart, | das ir kuscheit nicht werde vorlorn, | wanne di werlt ist gantz vol dorn?
Ebd.
3363
: der apphil ist des menschen licham | [...] | in dem wirt di kuscheid vorlorn, | wanne her muss wandern in den dorn.
Palm, Veter Buoch
42, 7
(schles.
, Hs. E. 14.
/A. 15. Jh.
): Din mvnt sal niemmer vbel wort vorbringen, als ein rebe, der nicht dorne birt.
Gille u. a., M. Beheim
189, 30
(nobd.
, 2. H. 15. Jh.
): wie torat die leüt sein, | das sy durch dorner lauffent | Also czu ires todes quell.
Dietrich. Summaria
26v, 33
(Nürnb.
1578
): In sonderheit aber sihet man inn diser Historia / wie das zeitlich gut die rechten dornen sind / welche die frucht des worts Gottes erstecken.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
183, 31
(oobd.
, 1349
/50
): die guoten lêrer auf ertreich, die vil leidens habent und doch in den dornen diser werlt frœleich got dienent.
Stackmann u. a., Frauenlob
14, 8, 4
; Dienes, E. Gros. Witwenb.
53, 21
; Harsdoerffer. Trichter
3, 170, 3
; Rieder, St. Georg. Pred.
52, 17
; Lindqvist, K. v. Helmsd.
851
; 2965
; Anderson u. a., Flugschrr.
2, 4, 18
; 7, 13, 2
; 19, 5, 4
; 12, 5
; Goldammer, Paracelsus
4, 250
.5.
›Stamm einer dornigen Pflanze als (gedachtes) aufnehmendes Gewächs bei der Pflanzenveredelung durch Pfropfen‹; Spezialisierung zu 2.Belegblock:
Rieder, St. Georg. Pred.
159, 4
(Hs. ˹önalem.
, 1387
˺): es waͤre ain harte wunderlich ding daz man uf ainen dorn zwigeti edel und guͦt fruht.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
333, 16
(oobd.
, 1349
/50
): und wenn man den paum [nespelpaum] pelzet auf ainen fremden stam, ez sei auf ains pirpaums stam oder apfelpaums oder torenpaums
[s.
dorn 2]
oder ains andern, sô wirt diu fruht grôz. Winter, Nöst. Weist.
1, 220, 21
(moobd.
, 1630
): auch ain dorn der guet und pelzt ist, ist pueß schuldig zwei schilling.
Rwb
2, 1073
.6.
›Stachel eines Tieres (z. B. eines Igels)‹; eng anschließbar an dorn
1.Bedeutungsverwandte:
vgl. 1
angel
1
stachel
steft
stichel
der
) 1, sticher
Belegblock:
v. Tscharner, Md. Marco Polo
55, 14
(osächs.
, 2. H. 14. Jh.
): [eynhorn] han eyn horn mittin an der stirnen unde das ist grob unde swarcz, ir czunge scharf sam dorn von langin stichiln.
Maaler
92r
(Zürich
1561
): Doͤrn an den Iglen vnd dorn schweynen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
138, 4
(oobd.
, 1349
/50
): sô wizz, daz der igel ain tier ist, daz vil nâtürleicher dorn auf seinr haut tregt.
Ebd.
251, 23
: die echen sint der krebzen geslähtes, [...] wan sie habent auch dorn an der füez stat.
Pfälz. Wb.
2, 355
; Schweiz. Id.
13, 1629
.7.
›Knochen‹; speziell: ›Wirbelsäule, Rückgrat‹; ›Fischgräte‹.Bedeutungsverwandte:
vgl. 1
bein
grat
Belegblock:
Stedtfeld, Roger-Glosse
56
(omd.
, Hs. 15. Jh.
): ist der man geslagen in dÿ bein vnde no bÿ der hant seÿn das da heißen toren.
Brack
d 6v
(Basel
1483
): Spina. dorn oder grat.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
24, 9
(oobd.
, 1349
/50
): Der ruck [...] strecket sein leng unz an die mistporten, und der dorn, der den rucken zesamen helt, ist auz vil painen.
8.
zu rechtsspezifischen Verwendungen s. Rwb
: ›Unterlage aus Dornen zur Abwehr des Wiedergangs‹; ›Stab des Gerichtsboten‹.2, 1073