1
dolen,V.;
zu
mhd.
doln
›ertragen, dulden‹
(Lexer
).1, 466
1.
›etw. ertragen, erdulden, erleiden‹.Obd.; Älteres und mittleres Frnhd.; meist Verstexte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Bedeutungsverwandte:
vgl. aufheben
aushalten
ausharren
ausstehen
dauen
gedauern
gedulden
geleiden
getragen
leben
Syntagmen:
das herz d
. (abs.); j. etw
. (z. B. kummer / unpreis / marter
) d
.; kumers dolen
; in etw
. (z. B. in js. zwang
) d., von jm. dolen
.Belegblock:
Matthaei, Minner. I,
9, 98
(Hs. 15. Jh.
): ich muͦz der stunde fluchen | die mir den schaden hat erholt | da von myn hercze unsanffte dolt.
Sappler, H. Kaufringer
6, 92
(schwäb.
, Hs. 1464
): wann ich grossen kummer dol.
Munz, Füetrer. Persibein
364, 7
(moobd.
, 1478
/84
): morgen auf seinem schillt mein sper | múeß hefften, da von vnpreis er múes dolen!
Wackernell, Adt. Passionssp. Pf. II,
1393
(tir.
, 1486
): Si muesten haimlich grosse marter dollen.
Thiele, Minner. II,
11, 164
; Mayer, Folz. Meisterl.
9, 33
; Haltaus, Liederb. Hätzlerin
2, 46, 61
; Klein, Oswald
55, 13
; Schweiz. Id.
12, 1650
.‒
Vgl. ferner s. v. 2
ander
1, babylonisch
2.2.
›etw. zulassen, geschehen lassen‹; auch: ›jn. dulden‹.Bedeutungsverwandte:
dulden
gedulden
gelassen
geleiden
gestatten
gestehen
hangen
lassen
1
leiden
passieren
statten
Syntagmen:
j. jn
. (z. B. die juden
) d., etw
. (z. B. eine schmachrede, die laster
) d., das glük sich selbst nicht d
.Belegblock:
Sachs
21, 110, 3
(Nürnb.
1559
): Ey, soll ich sollich schmachred doln [...]?
Schib, H. Stockar
14, 9
(halem.
, 1519
): hettend sy [Juden] nit so grosin frigett vom dürgestan kaser, man dolett sy nit da [Jerusalhem].
V. Anshelm. Berner Chron.
4, 170, 24
(halem.
, n. 1529
): hochmuͤetigs gluͤk mag sich selbs nit dolen, suͦcht und findt selbs sinen kêr und val.
Maaler
91v
(Zürich
1561
): Dolen / Dulden. Tollerare.
Piirainen, Stadtr. Sillein
83a, 18
(sslow. inseldt.
, 1378
): chein weyp en mach auch irez gutez nicht vorgeben an irez mannez willen daz er ez durch recht dolen duͤrfe.
Mayer, Folz. Meisterl.
93, 101
; Bächtold, H. Salat
211, 969
; Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
1, 461, 8
; Schweiz. Id.
12, 1650
ff.; Schwäb. Wb.
2, 250
.3.
›sich (nach etw.) sehnen, leidend verzehren‹.Bedeutungsverwandte:
vgl. begeren
gelusten
1
leiden
lusten
Belegblock:
Henschel u. a., Heidin
1097
(nobd.
, um 1300
): Der grave nach ir minne dolt.