betrieglich,
seit dem mittleren Frnhd. vereinzelt
betrüglich,
Adj.
1.
›in / mit falscher Absicht, mit Täuschungsabsicht, trügerisch, täuschend, verführerisch, blendend, falsch‹; zu betriegen
1; offen zu 2.Bedeutungsverwandte:
arg
aufsetzig
betriegig
falsch
füchsisch
listig
ränkisch
trieghaft
tückisch
hinterlistig
Gegensätze:
gewis
Syntagmen:
b. läugen / sprechen / schweren, etw. b. tun
; der betriegliche geist / geselle, die betriegliche asche / farbe / falle / lere / wollust / wunde, das betriegliche baren
.Belegblock:
Luther, WA
8, 271, 22
(1521
): die betrugliche lere, von dem vater der lugen auff gangenn.
Ebd.
8, 494, 33
(1521
): [Die Papisten] folgen yhrem ungewissen, betrieglichen guttduncken.
Ders. Hl. Schrifft.
1. Mose 34, 13
(Wittenb.
1545
): Da antworten Jacobs söne dem Sichem [...] betrieglich
[
in falschMentel
Var. 14752
: ]
/ Darumb das jre schwester Dina geschendet war. Peil, Rollenhagen. Froschm.
15, 48
(Magdeb.
1608
): ein redlich Hertz also fleugt / | Denselben / der betrieglich leugt.
Ebd.
41, 21
: sagt Broͤseldieb erst von den betrieglichen Meusfallen / vnd moͤrderlichen gifft.
Mieder, Lehmann. Flor.
887, 30
(Lübeck
1639
): Ein Weib / Pferd vnd der Wein / seynd drey betriegliche wahren.
Schöpper
16a
(Dortm.
1550
): Fallax. Falsch betruͤglich.
Ebd.
17a
: Dolosus. Listig arg / trieghafft betrieglich betriegig tuͤckisch fuͤchsisch auffsetzig ränckisch.
Dienes, E. Gros. Witwenb.
2, 16
(nürnb.
, 1446
): der vnsichtige feint, dieser werlt betriglichß paren vnd unsers aygnes flaisches natürliches belangen.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
80, 5
(Frankf.
1535
): Man püluert es aber auff die betruͤglichen wunden die vmb sich essen.
Anderson u. a., Flugschrr.
1, 6, 21
(Leipzig
1520
): sucht Bruder Martinus [...] tzu schmincken vnd mit anderer betriegklicher farb antzustreichen.
Ebd.
13, 6, 6
(Leipzig
1522
): Hiru͂b ist auch alles ketzrisch / falsch / vnd vorthumlich / dz Lud’ auff disem betrigliche͂ ketzrischen widerspruche / gebauet hat.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
177
(Nürnb.
1517
): Der ist arm [...], dem beheglicher sein die betriglichen dann die gewissen.
Trunz, Meyfart. Rhet.
1, 71, 11
(Coburg
1634
): Metaphora [...] / wie viel Arten derselbigen / wie solche nuͤtzlich / auch betrieglichen zugebrauchen.
Maaler
486r
(Zürich
1561
): Ein Wasser mit bösen faͤligen oder betruglichen furten.
Henisch
133
(Augsb.
1616
): Betruͤgliche asch / wann in der aschen noch heisse glut verborgen ligt.
Ebd.
351
: Betrieglich / betriegisch / subdolus, dolosus, fallax, fraudule͂tus, versipellis, hypocritta, met. vulpus, polypus, sepia [...]. Ein betrieglicher boͤser Mensch [...]. Betrieglich handel / ist jetzt aller Welt sitt. Junger Gesell sihe fuͤr dich / Die Jungkfrawen sind betrieglich. [...]. Etwas fälschlich vnd betrieglich thun.
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
91, 8
(moobd.
, 1. H. 15. Jh.
): wann dew menschleich [infliessung gots], die ist petriegleich vnd die goͤtleich vnpetriegleich.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
18, 32
; Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 689, 6
; 3, 149, 3
; Steer, Schol. Gnadenl.
6, 38
; Baumann, Bauernkr. Rotenb.
501, 18
; Dietz, Wb. Luther
1, 288
.‒
Vgl. ferner s. v. alchimist
, auszug
13.2.
›mit betrügerischer Absicht, mit der Absicht der Übervorteilung‹; zu
betriegen
2.Syntagmen:
b. etw. ändern / einnemen / fälschen / machen, jm. etw. b. abläuseln / zufügen, b. mit etw. handeln / umgehen; das weib b. sein
; die betriegliche furt / ware, das betriegliche mas / mittel / spiel
.Belegblock:
Luther, WA
10, 3, 265, 21
(1522
): Das auch der Bapst wol ein ertzdieb genandt mag werden, der aller welt gut und gelt betrieglich zu sich zeucht.
Köbler, Ref. Wormbs
94, 13
(Worms
1499
): so ein vormund arglistiglich oder betrüglich mit des Pupill oder kindes gütern geschandet.
Ders., Stattr. Fryburg
219, 20
(Basel
1520
): welche brieff / sigel / vnd ouch die müntz felschen / deßglichen wissentlich vnd betrüglich falch zügen vnd brieff / stellen.
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
175, 55
(osächs.
, 1523
/4
): sulcher handhaftiger tat, wie er mit seiner vorkaufung mit dem betruglichen
[auch als Ableitung von
betrug auffaßbar]
maße felschlich geubet hat. Chron. Nürnb.
5, 647, 4
(nobd.
, 1501
): und heten betrieglichen auf ir gesellen etlich tag solt eingenumen.
Sachs
17, 301, 20
(Nürnb.
1562
): Denn wirbt umb sie einer oder vier, | Die zu irem geldt haben begier, | Durch kuplerey und schmeichlerey | Wohnen sie ir betrieglich bey.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
36, 9
(Straßb.
1650
): wie das Urtheil vieler Menschen ungleich, widersinnig vnd betrüglich ist.
Rennefahrt, Wirtsch. Bern
36, 36
(halem.
, 1605
): sodaß
oft einem koufherren allein durch sölliche betrugliche und ungepürliche mittel uff ein jeden jarmerckt uber die hundert centner zugestelt werdindt. Löffler, Columella/Österreicher
1, 7, 6
(schwäb.
, 1491
): dennocht moͤcht der gemain nutz grůnen by unsern vordern oͮn die kúnst der betriegenlichen spil.
Chron. Augsb.
9, 104, 24
(schwäb.
, 1544
): unchristlicher wucher, untzimlicher fürkauf, betrügliche wahren, falsche gwicht.
Köbler, Ref. Wormbs
161, 2
; 360, 3
; ders., Ref. Nürnberg
70, 9
; ders., Stattr. Fryburg
218, 20
; Kurz, Waldis. Esopus
4, 81, 147
; Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
286, 2
; Müller, Alte Landsch. St. Gallen
134, 18
; Piirainen, Stadtr. Kremnitz
42
.‒
Vgl. ferner s. v. abläuseln
, amptschreiber
1.