beschlagen,
V., unr. abl.
1.
›etw. (einen Gebrauchsgegenstand, auch Kleidungsstücke) mit (meist) Metallbeschlägen (zur Erhöhung der Haltbarkeit oder zur Verzierung) versehen, etw. beschlagen, einfassen, schmücken‹.Syntagmen:
etw
. (z. B. den karren / wagen / riemen / säbel / stab, die geisel / metze / tasche / truhe, das buch / gefäs / gewand / rad / schwert
) b., etw. mit silber / gold / eisen, mit einem reifen b
.; beschlagener eimer / gürtel / kopf
(›Becher‹) / pflug / rok
.Wortbildungen:
beschlagwein
beschlahlade
Belegblock:
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
3687
(rhfrk.
, um 1405
): Wenent ir das sij yn [stab] foͤchtent also sere | Als obe er vor beslagen were?
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
114, 13
(preuß.
, um 1330
/40
): dem Kraft goltschmid von meinem druckten petpüchlen czubeschlahen, [...], dafur ime beczalt 1 fl.
Bihlmeyer, Seuse
43, 5
(alem.
, 14. Jh.
): Er hat im selber ein geisel gemachet uss einem riemen; den schůf er ime beschlahen mit moͤschinen spizzigen steften.
Barack, Teufels Netz
12128
(Bodenseegeb.
, 1. H. 15. Jh.
): Si wil beslagen rök tragen | Und dem man zühen us dem magen.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
4, 340, 20
(Straßb.
1466
): Er mocht nit vertilgen die entweler des tals: wann sy begnúgten mit beschlagen
[
eisernLuther
1545: ]
wegen. Hampe, Ged. v. Hausrat
4, 4, 27
(Straßb.
vor 1514
): beschlagen Eimer zů dem brunen.
Maaler
60v
(Zürich
1561
): Ein trinckgeschir oben vmbhin mit silber Beschlahen.
Mollwo, Rotes Buch Ulm
150, 24
(schwäb.
, 1403
): daz och si metzen [...] haben, die geichet und beschlagen sien.
Ebd.
221, 24
(schwäb.
, 1411
): der mag wol beschlagens tragen an sinem gewande biz an dri mark.
Hauber, UB Heiligkr.
2, 355, 10
(schwäb.
, 1480
): an silber geschirn v becher, ii beschlagen koͤpf.
Rauwolf. Raiß
44, 9
([Lauingen
] 1582
): jre Sebel waren maistthails beschlagen / mit lang verguldten beschlaͤgen.
Gereke, Seifrits Alex.
6420
(oobd.
, Hs. 1466
): den schrein, | der da beslagen ward mit eyssen.
Weber, Füetrer. Poyt.
31, 7
(moobd.
, 1478
/84
): [Ir rais gewanndt] mit gstain vnd golld peschlagen.
Moscouia
B 3v, 33
(Wien
1557
): aus desselben Hiernschallen ein Tringkhgefaͤß gemacht / mit Gold beschlagen.
Mollay, H. Kottanerin
27, 1
(moobd.
, 1439
/40
): ain swert, das was beslagen mit silber.
Joachim, Marienb. Tresslerb.
61, 23
; Ziesemer, Gr. Ämterb.
92, 16
; ders., Marienb. Konventsb.
286, 26
; Karnein, Salm. u. Morolf
56, 9
; Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
72, 2
; Hauber, a. a. O.
484, 5
; Kurrelmeyer, a. a. O.
6, 85, 58
Var.; Sappler, H. Kaufringer
1, 139
; 385
; Bastian, Runtingerb.
2, 354, 15
; Zingerle, Inventare
112a, 7
; Gereke, a. a. O.
6401
; Piirainen, Stadtr. Sillein
80b, 10
; Rechn. Kronstadt
3, 521, 9
; Voc. inc. teut.
s vjv
; Rwb
2, 96
; Schwäb. Wb.
6, 1622
; Henisch
305
; Schweiz. Id.
3, 1069
; 9, 467
.‒
Vgl. ferner s. v. amptzeichen
.2.
›(ein Pferd oder sonstiges Zugtier) beschlagen‹; mit Verschiebung der Bezugsgröße; den ritter beschlagen
›mit Pferden ausstatten‹.Wortbildungen:
beschlagzeug
Belegblock:
Große, Schwabensp.
114a, 33
(Hs. ˹nd.
/md.
, um 1410
˺): de pfert sůlen vore beslagen sin vnde hindene nicht.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
11, 31
(osächs.
, 2. H. 14. Jh.
): von den ediln pferdin di man nicht darf beslon.
Lemmer, Brant. Narrensch.
94, 11
(Basel
1494
): Der selb den esel důt beschlagen | Der jn goͤn narrenberg würt tragen.
Henisch
305
(Augsb.
1616
): Man beschlegt die Ochsen auch / die zum zug an steinechten oͤrtern gebraucht werden [...]. Wer vil will reiten / der muß vil beschlagen.
Deinhardt, Ross Artzney
57
(oobd.
, 1598
): So ain pferdt nit gern stet zu dem beschlagen.
Bastian, Runtingerb.
2, 213, 28
(oobd.
, 1404
): gab von dem pfaͤrd peslahen und ze zaumrecht und ze underchauf 42 dn.
Zingerle, Inventare
121b, 3
(tir.
, 1478
): i grosser hamer, ain beschlagzug.
Rechn. Kronstadt
3, 327, 37
(siebenb.
, 1560
): dem schmidt, das Ehr das Jorr Iberr dÿ Ross beschlogenn hadt.
Loesch, Kölner Zunfturk.
1, 155, 2
; Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
8773
; Voc. Teut.-Lat.
y vijr
; Maaler
60v
; Schwäb. Wb.
1, 898
; Schweiz. Id.
9, 468
.3.
›etw. (z. B. Holz) zurechtschlagen, zu etw. (z. B. Zimmerholz) behauen; etw. (z. B. ein Lager, einen Verkaufsstand) aufschlagen‹.Bedeutungsverwandte:
schlichten
Wortbildungen:
beschlag
Belegblock:
Luther, WA
41, 126, 33
(1535
): bewme voller este und knoten, ob wir gleich lang dran waldrechten und beschluͤgen.
Ders. Hl. Schrifft.
Weish. 13, 11
(Wittenb.
1545
): wenn ein Zimmerman [...] etwa einen Bawm abhawet / vnd beschlehet vnd schlichtet den selbigen.
Sattler, Handelsrechn. Dt. Orden
502, 33
(preuß.
, 1429
): Das obrige halbe hundert [holtcz] ist zcu beslage gegangen.
Chron. Köln
2, 379, 15
(Köln
1499
): ind besloigen also dae iren legger, dat si alzit dae woulden bliven wonen.
Kurz, Waldis. Esopus
2, 43, 20
(Frankf.
1557
): [Die Zimmerleute] Fellten die Eychen vnd die Tannen, | Beschlugens vnd brachtens von dannen.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
14b, 7
(thür.
, 1421
): Mache dir eyne arche mit beslagen holtzern.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
30, 26
(osächs.
, 2. H. 14. Jh.
): von den stetin der koufmans also uf der bruckin beslagin.
Lexer, Tucher. Baumeisterb.
72, 17
(nürnb.
, 1464
/75
): wenn es [das zimmer] beschlagen und gewalthawet ist wider auf der Peunt.
Müller, Grafsch. Hohenb.
2, 283, 11
(schwäb.
, 1410
/11
): vier knechten ze lon und für cost, daz sy die höltzer valten und die besliegen in dem wald 2. lb.
Schweiz. Id.
9, 467
.4.
›etw. (Waren mit Bändern) verpacken, einschlagen; etw. umgeben, umzäunen, einhegen; etw. an Umfang ausmachen, umfassen; etw. verhüllen, verstecken, verdecken‹; hier anschließbar: die decke beschlägt jn., j. beschlägt die decke
(jeweils für den Vollzug der Ehe).Belegblock:
Loesch, Kölner Zunfturk.
1, 112, 15
(rib.
, 1397
): sowa einich broider [...] einiche wolle besloige of gelden wůlde, die zo irme werke goit were, in oirber vremder lude.
Ebd.
2, 154, 10
(1370-97
): so in sal man up ingeine geboiden virdagen ingein were an deim garrinampte doen, sunder in die varwe zo begaden of upzuschudden of umbzoschudden of zo beslaine.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
7995
(rib.
, 1444
): myne unvlait zo bedecken, | [...] | Ind myne gebreche dar in zo beslaen.
Ebd.
102, 36
: dat sij yre antlitze besloich | Mit yrre kogelen nauwe genoich.
UB Zug
990, 23
(halem.
, 1456
): das jetweder teil sinen teil deß hags soll haben uff sinem grund und den hag beschlahen und in gůtten eeren han.
Bastian, Runtingerb.
2, 177, 18
(oobd.
, 1395
): umb 12 loͤsch 31 grozz, zuͤ dem beslahen.
UB Zug
2133
; Schöningh, Int. Wortsch. Luthers.
1937, 2
; Matzel u. a., Spmal. dt. Wortschatz.
1989, 40
; Schwäb. Wb.
1, 898
f.; Vorarlb. Wb.
1, 300
; Preuss. Wb. (Z)
1, 551
; Schweiz. Id.
9, 469
; 471
.5.
›etw. (z. B. Mörtel) zum Verputzen verwenden‹; mit verschobener Bezugsgröße: ›etw. (eine Speise) mit etw. bestreichen, beträufeln‹.Bedeutungsverwandte:
vgl. (zu ersterer Variante) bestechen
Belegblock:
Buch Weinsb.
2, 141, 30
(rib.
, 1565
): van 1 malder kalk zu besclan 4 alb.
Hajek, Gůte spise
27
(rhfrk.
/nobd.
, um 1350
): vnd beslahez [blat von eyern] eins mit eyern vnd eins mit smaltze.
Buch Weinsb.
2, 137, 36
; Hajek, a. a. O.
95
; Schwäb. Wb.
6, 1622
.6.
›etw. mit Arrest belegen, beschlagnahmen, in Beschlag nehmen; jn. gerichtlich ansprechen‹; hier anschließbar: ›durch Inbesitznahme von etw. wo siedeln‹.Zur Sache:
Hrg
.1, 1971, 386
Bedeutungsverwandte:
bekümmern
Syntagmen:
etw
. (z. B. das brot / gut, die frucht, fische
) b., etw. rechtlich, mit kummer, mit dem richter b., jn. um schuld b
.Belegblock:
Chron. Köln
2, 425, 11
(Köln
1499
): Karolus Magnus: hatte der niet sin geslecht wit ind breit beslagen ind waren van groisser gewalt ind moegentheit.
Loersch, Weist. Boppard
228, 20
(mosfrk.
, 1551
/2
): man soll den guitern naich volgen und beslagen mit recht.
Wolf, Gesetze Frankf.
105, 2
(hess.
, 1405
): ensal kein sagdreger oder imands keinerley frucht [...] keuffen oder beslagen zu Sassinhusen.
Ebd.
107, 2
: sullen die fisschere vurter kein fissche in der banmyle uff dem Mein beslahen.
Matthaei, Minner. I,
2, 517
(Hs. ˹nalem.
, 1459
˺): waß gehoͤrt in der gaistlichhait, | [...] | daß beschlecht der Pfenning.
Anderson u. a., Flugschrr.
28, 7, 8
([Augsb.
] 1524
): sech ainer zů wie sy [münch] den vogelherd beschlahent.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 191, 8
; 422, 32
; Preuss. Wb. (Z)
1, 551
; Rwb
2, 97/8
.7.
›jn. ertappen, erwischen, stellen; jn. festnehmen, jn. in Ketten schlagen; (ein Tier) fangen‹; in der zweiten Nuance auch bildlich sowie ütr., in diesem Falle: ›jn. zum Schweigen bringen, zurechtweisen‹.Syntagmen:
den fuchs / storch / trügner, fische b., jn. mit eisen b., jn. auf der hurerei, auf frischer tat b
.Belegblock:
Kurz, Waldis. Esopus
1, 59, 8
(Frankf.
1557
): Ein grosser alter Adelar, | Schoß baldt hinab in einem flug, | Mit klawen bart das Fuͤchßlin bschlug.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
4688
(omd.
, 1338
): Das her [der wise] dy trugenere va | Unde behendeclich besla | In der valschen arklistekeit.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
144, 6
(osächs.
, 1570
/7
): eines halben gulden pfandegeldes deme, so sie
[gegen die Mahlordnung Verstoßende]
beschlegt oder umbtreibet. Vetter, Pred. Taulers
175, 8
(els.
, 1359
): Do der vische als vil beslagen und gevangen wart, do reis das netz.
Klein, Oswald
1, 36
(oobd.
, 1421
): mit trauren ich das überwind, | seid mir die bain und arm beslagen sind.
Ebd.
26, 113
(1427
): die mich vor jaren ouch beslüg | mit grossen eisen niden zu den bainen.
Kurz, a. a. O.
1, 60, 9
; Dalby, Lex. Mhg Hunt.
1965, 20
; Rwb
2, 98
; Preuss. Wb. (Z)
1, 551
; Schweiz. Id.
9, 470
.8.
›jn. mit etw. (positiv oder negativ Bewertetem) überhäufen, ausstatten, belasten; etw. mit etw. versehen‹ (z. B. ›die Weide mit Vieh besetzen‹).Bedeutungsverwandte:
vgl. (zu letzterer Variante) beschleipfen
Belegblock:
Helm, H. v. Hesler. Apok.
7067
(nrddt.
, 14. Jh.
): Jener swerzet sie [cleider] leider | Der mit sunden sich beslet.
Schade, Sat. u. Pasqu.
3, 49, 15
(wmd.
1521
): dar mit die christenlich weid tapferlich und wul beschlagen werden möcht.
Gille u. a., M. Beheim
50, 43
(nobd.
, 2. H. 15. Jh.
): Du bist der se, | der da mit we | Pharon pesluge.
Holtzmann, Gr. Wolfdietrich
238, 3
(Hs. A. 15. Jh.
): do ward beschlagen mit golde manig ritter lobsam.
Schwäb. Wb.
1, 899
; 6, 1622
.9.
›etw. (oft: die Herberge) belegen‹, mit Tendenz zu ›etw. besetzen‹.Syntagmen:
die herberge / kamer / stube b
.Belegblock:
Barack, Zim. Chron.
3, 561, 9
(schwäb.
, M. 16. Jh.
): das ein grose herrschaft in Ulm were und gar nach alle herbirgen beschlagen.
Mayer, Folz. Meisterl.
21, 19
; 56, 16
; Barack, a. a. O.
4, 270, 25
; Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 116
; Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
35, 33
.10.
›sich konkret in etw. verfangen; jn. umschlingen, umfassen‹; auch ütr., dann: ›sich mit etw. zufriedengeben‹.Belegblock:
Barack, Zim. Chron.
2, 39, 14
(schwäb.
, M. 16. Jh.
): so sich [schwein] in ainer reuchin von wegholder dermassen beschlagen, das [...].
Ebd.
174, 11
: Do hat es [gespenst] ine dermassen mit den fordern füessen beschlagen und geengstiget.
Ebd.
3, 597, 30
: der narr [...] hat sich in den garnen dermasen verwicklet und beschlagen, das [...].
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
251, 1
(oobd.
, 1349
/50
): eisnein rechen [...], dar inn beslahent sich die delphin.
Barack, a. a. O.
1, 244, 13
; Schwäb. Wb.
1, 899
; Schweiz. Id.
9, 470
.11.
›etw. überlegen; etw. planen, entwerfen‹.Wortbildungen:
beschlag
Belegblock:
Reissenberger, Väterb.
32536
(md.
, Hs. 14. Jh.
): In sime herzen er ez besluc | Daz Sathanas mit syner list | Ettewaz hette in der vrist | Die cristenheit in schaden bracht.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
307
(Köln
1476
): Ouch wart dar vast bestanden | Seer manch subtijll beslach.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 120, 14
(Straßb.
1522
): ich wil auch gemein und Teil an dem Beschlagen haben
(doppeldeutig; auch: ›mit Hufeisen versehen‹).
Niewöhner, Teichner
509, 15
(Hs. ˹oschwäb.
, 1368
˺): daz haut unser herre getaun. | der haut ælliuͤ ding beschlagen.
Dietz, Wb. Luther
1, 268
.12.
›schimmeln, von Schimmel befallen werden‹.Bedeutungsverwandte:
beschimmeln
verschimmeln
Belegblock:
Henisch
305
(Augsb.
1616
): Beschim͂eln / verschimmeln / beschlagen / graw sein / mucere, mucescere.
13.
›etw. durch Zusatz von Stoffen verändern (z. B. verdünnen) oder gebrauchsfertig machen‹.Bedeutungsverwandte:
überschlagen
Belegblock:
Henisch
305
(Augsb.
1616
): Beschlagen / vberschlagen / macerare aqua, vino, oleo, temperare, miscere convenienter.