begierig,
Adj.
1.
›erotisch oder sexuell nach jm. verlangend, jn. begehrend‹;
zu
begeren
(V.) 1.
Bedeutungsverwandte:
brünstig
 3,
hitzig
,
inbrünstig
 3.

Belegblock:

Alberus
Y jr
(
Frankf.
1540
):
weibs begirig. […]. manß begirig.
Schwartzenbach
D jr
(
Frankf.
1564
):
Begirig. Hitzig. Bruͤnstig. Inbruͤnstig.
Dasypodius
335v
(
Straßb.
1536
):
beGirig sein eins mans. Catulire.
Maaler
54r
(
Zürich
1561
):
Deinen Begirig / Der ein liebe zů dir hat.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. 
30, 1
(
moobd.
,
1478
/
81
):
Nu was dise gemelt künigin über masz ser begirig in der prinnenden unkeusch.
Dasypodius
335r
.
2.
›nach etw. hungernd, gelüstend‹ (im Beleg bildlich);
vgl.
begeren
(V.) 3.

Belegblock:

Gille u. a., M. Beheim 
131, 52
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
daz der mensch in diser frist | hungerig und pegirig ist | nach diser speisung warden.
3.
›nach etw. begierig, gierig, habgierig, voller Gier‹;
vgl.
begeren
(V.) 5.
Bedeutungsverwandte:
geitig
 1.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft. 
Hos. 4, 8
(
Wittenb.
1545
):
Sie fressen die Sündopffer meines Volcks / vnd sind begirig nach jren sünden.
Ebd.
Jak. 4, 2
:
Jr seid begirig vnd erlangts damit nicht.
Strauch, Schürebrand
33, 10
Var. (Hs.
1489
/
9
):
noch grosseme gewalte, noch glorierender herschaft hoher wirdiger ambahte: so sú des ie me hant, so sú ie minre begnuͤget und ie giriger
[Var.:
begiriger
]
und ie gritiger werdent […] und setzent kein gesast zil in sich, do mitte sú iemer welle begnuͤgen.
Maaler
54r
(
Zürich
1561
):
Begirig / Geytig. Cupidus, Auarus, Auidus. […]. And’ leütẽ gůts Begirig. […]. Noch eim ding vast Begirig / Der etwar zů ein grosse Begird vnd lust hat.
Seemüller, Chron. 95 Herrsch.
45, 16
(
oobd.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
Der [Nero] hies Röm an zünden, wan er ward begierig ain grozz fewr zu sehen.
Voc. inc. teut.
c iijr
;
Serranus
27v
;
Volkmar
39
;
Schwäb. Wb.
1, 762
.
4.
›etw. wünschend, nach etw. verlangend, auf etw. aus, an etw. interessiert‹, auf sehr unterschiedliche Bezugsgegenstände und -handlungen bezogen;
vgl.
begeren
(V.) 8; 10.
Bedeutungsverwandte:
geflissen
.

Belegblock:

Ralegh. America Bl. ijr,
12
(
Frankf.
1599
):
damit […] dem fleissigen vnnd solcher Sachen begierigen Leser an […] nichts mangelte.
Ebd.
11, 41
:
vnd war gar begierig die Warheit von den Kriegischen vnnd streitbaren Weibern zu erfahren.
Opitz. Poeterey
53, 21
 (
Breslau
1624
):
die mir […] an geschickligkeit vberlegen sein. Von denselben zue lernen bin ich so begierig / als ich willig gewesen bin / andere / […] zue vnterrichten.
Chron. Nürnb.
5, 728, 16
(
nobd.
,
1490
):
wiewol die gemein hie ganz begirig was wider den marggrafen auf zu sein.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
210, 15
(
Nürnb.
1548
):
diß ist die rechte quelle da rechte ehre von kommet / deren wir doch von natur alle begirig sind.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
164, 22
(
els.
,
1362
):
Der waz so begirig der martil daz er den durch etern engegen lief.
Anderson u. a., Flugschrr.
14, 6, 32
(
Straßb.
1524
):
die heylige […] meß | von Christo vnd den Aposteln | den trostlosen hungerigen | begirigen | vnd benoͤtigeten gewissen eyngesetzt.
Maaler
162r
(
Zürich
1561
):
Der artzney Geflissen vnnd begirig / Der sich fleyssig auff die artzney legt.
Henisch
246
(
Augsb.
1616
):
Jhr seit begierig vnd erlangts nicht […]. Dem begirigen ist auch eilen ein harre.
Ralegh. a. a. O.
17, 27
;
Göz. Leichabd.
294, 8
;
Fischer, Eunuchus d. Terenz 
8, 5
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. 
34, 4
;
174, 4
;
Maaler
54r
;
Dietz, Wb. Luther
1, 230
;
Crecelius
1, 110
.
Vgl. ferner s. v.
anbieten
 1,
auflaufen
 3.
5.
›eifrig, nachdrücklich; mit Macht, Kraft‹.

Belegblock:

Reu, Süddt. Kat.
1, 260, 42
 (
Heidelberg
1563
):
auff dz wir […] desto begiriger vergebung der sünden […] suchē.
M. Cunitia. Ur. Prop. 
154, 8
(
Öls
1650
):
es ist offenbahr / daß unter den Deutschen zu erlernung der Astronomia / so begierig alß taugliche ingenia sindt.
v. Birken. Erzh. Österreich
66, 22
(
Nürnb.
1668
):
Rudolphus sprengte ihn begierig an / und rieffe ihm zu.
Göz. Leichabd.
289, 1
;
Dasypodius
335r
.
6.
›voll mystischen Verlangens, voller Sehnsucht nach Erlösung, religiöser Erkenntnis, Vereinigung mit Gott‹, auch von Gottes Haltung den Menschen gegenüber gesagt;
zu
begeren
(V.) 12.
Älteres und mittleres Frnhd.; Texte religiösen Inhalts.

Belegblock:

Jostes, Eckhart
104, 35
 (
14. Jh.
):
da er vindet ein userwelt sel, dú sin wirdig und begirig ist, da durchgúzzet, durchflúzzet, durchlúchtet und durchdringt er ir sinne und kreft: so wirt die sel alz gar zůniement, daz sie alle zit ist beweget und wider flúzzet in got.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
16, 2
(
els.
,
1362
):
one vnderlos han ich dich gesůcht, vnd mit begirigem herzen hab ich dich funden bereit.
Schmidt, Rud. v. Biberach 
10, 20
(
whalem.
,
1345
/
60
):
got het enkein apotegge siner wisheit, von der er vertribe, die begirig sint der warheit vnd da bi an alle vppikeit sint.
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
61, 56
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
der wirt gesehen recht sam er pegyrig wär eyteleich der uͤbernatuͤrleich offenparung.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst. Vorr.
40
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
wirdet sein begirige parmherczichait offennleichen in der alten ee damit beweiset, daz er czu dem gepew seines tabernakel von den armen nam gaisseine vel.
Höver, Bonaventura. Itin. B
667
(
moobd.
,
1450
/
60
):
dis fewr ist anzúnden Cristus jn hicze seiner alle begirigisten vnd hiczigisten marter.
Hohmann, a. a. O.
109, 30
.