1
baren,bären
II, (letzteres vereinzelt), V.;
1 und 2 zu
mhd.
gebâren
›sich gebärden‹
(Lexer
), 3 zu 1, 748
mhd.
bâren, bæren
›auf die Bahre legen‹
(ebd. 128); beide mhd.
Bildungen gehen letztlich auf *bher-
›tragen‹
zurück.1.
›sich in einer bestimmten Weise verhalten, geben, stellen; sich mit etw. beschäftigen, mit etw. umgehen; in einer bestimmten Weise handeln‹.Phraseme:
mit e. S. faren oder baren.
Bedeutungsverwandte:
vgl. bärden
gebärden
Syntagmen
(sich) adelich / fürstlich / herlich / höflich / betrüblich / närrisch / scheu / seine / einfältig / tugendlich / gefärlich b.
; sich baren, sam [...] / als [...]
; (sich) jm.
(z. B. einem manne
) gleich b.
›sich jm. ähnlich benehmen‹ sowie ›jm. ähnlich, gleich sehen‹, sich mit schreien / pfeifen b., mit werfen / schiessen b., mit etw. sparsam / ordentlich / gut b., mit etw. als sein eigen b., sich nach einem stat b.
; got b.
›sich als Gott verhalten‹; (subst.:) närrisches b.
Belegblock:
Kurz, Waldis. Esopus
2, 19, 38
(Frankf.
1557
): [Viel Leut] thun dasselbig hoch begeren, | Dem sie gemeß nit moͤgen peren.
Leman, Kulm. Recht
2, 5, 15
(Thorn
1584
): do sal nymant nicht barn myt werfen noch myt schysen.
Luther, WA Br.
4, 54, 8
(1526
): wie E. C. f. g. damit will faren odder baren, soll es geschehen.
Fastnachtsp.
52, 26
(nobd.
, v. 1486
): Herr wirt, habt uns fur kein ungelimpf | Unser grobhait und nerrisch parn!
Bachmann u. a., Volksb.
7, 18
(alem.
, 15. Jh.
): Si baret sich ouch so betrüeplich, daz man wol sach, daz kein fröd in ir hercz was.
Spanier, Murner. Schelmenz.
44, 25
(Straßb.
1512
/3
): Die cloͤster sindt gestifftet worden, | zů halten ein geistlichen orden; | So woͤlt ir yetzundt fürstlich boren.
Maaler
50v
(Zürich
1561
): Sich Baren / Vor froͤuden etwas baͤrd treyben. Gestire. Sich einem anderen geleych Baren. Cõparare uultũ suum è uultu alterius.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin
2, 67, 125
(schwäb.
, 1471
): ettlich, die halb edel waͮren, | Die sach man gar hoflichen paͮren.
Pfaff, Tristrant
45, 9
(Augsb.
1498
): Sy westen vor solicher grossen ungestuͤme nit wie sy baren solten.
Primisser, Suchenwirt
24, 199
(oobd.
, 2. H. 14. Jh.
): Seu sprachen: ‘Wem part ir geleich?’
Guth, Gr. Alex.
54
(Hs. ˹oobd.
, E. 14. Jh.
˺): Allexander | [...], der | All diße werlt in zwelf jarn | Tet under seinen gewalt parn.
˺
Klein, Oswald
121, 15
(oobd.
, 1. H. 15. Jh.
): ei du roselachter mund, | mach gesund, | ber dort, hie, wo mir enprisst!
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
168, 7
(moobd.
, 1473
/8
): Ob ich nit kante dich, | so parstu einem manne vil geleiche.
Ebd.
445, 7
: Die fürsten wundertt’ all geleich, | das Achilles dartzue part also saine.
Weber, Füetrer. Poyt.
219, 6
(moobd.
, 1478
/84
): Wie ir paren sollt | in meinem haws, wil ich zu recht euch leren.
Turmair
1, 417, 19
(Augsb.
1517
): simulare ‘gleich abmachen, der gleichen parn, thuen, stellen’.
Ebd.
4, 1056, 31
(moobd.
, 1522
/33
): Damit er aber niemant belaidiget, meniglichs gunst behielt, pârt er, sam er ein gueter christ wär.
Goedeke u. a., Liederb.
338, 291
; Bächtold, N. Manuel. Zugabe H. R. Manuel
305, 2
; Sappler, H. Kaufringer
14, 397
; McClean, Havich
4503
; Weber, a. a. O.
40, 6
; Turmair
4, 776, 16
; Henisch
172
; Harsdoerffer. Trichter
2, 122
; Dietz, Wb. Luther
1, 209
; 769
; Preuss. Wb. (Z)
1, 406
; Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
21
; Schwäb. Wb.
1, 640
; Schweiz. Id.
4, 1439
; Schmeller/F.
255/6
.2.
›etw. vollziehen‹.Bedeutungsverwandte:
vgl. aufrichten
auserfolgen
ausfertigen
ausfolgen
Belegblock:
Matthaei, Minner. I,
5, 334
(Hs. 15. Jh.
): manig fligen wirt von ym [valke] gebert, | dez yn doch wenig verdruͤßet.
3.
›jn. aufbahren, auf die Totenbahre legen‹.Belegblock:
Chron. Köln
1, 349, 23
(rib.
, Hs. 1. H. 15. Jh.
): huisgesinde van eirberre priesterschaf [...] ind guden luden, die da mit dem licham gebert in dem schiffe stainde [...] lenden an der Nuwergassen.
Bihlmeyer, Seuse
456, 14
(alem.
, 14. Jh.
): Lieber weri mir, daz ich dich sehe gebaͮret uff ligen, denne keinen abwank in so getaner wise von gotte nemen.
Schwäb. Wb.
1, 640
.