aussetzig,
Adj.
›vom Aussatz befallen, aussätzig‹; in 1 Beleg (
Schwäb. Wb.
) auch vom Hund gesagt; 1, 503
zu
aussaz
3.Bedeutungsverwandte:
grindig
malatschig
miselig
seuchig
sondersiech
unrein
vergiftet
ausgemerkt
aussiech
Syntagmen:
a. sein / werden
; jn. a. machen
; a. mensch / bruder / herre, a. kind / weib / wesen, a. fäulung / haut
; oft subst.: eine a. minnen, einen a. rein machen, keinen a. scheren
; der a. zur unzucht geneigt sein
; dem a. etw. verbieten.
Belegblock:
Joachim, Marienb. Tresslerb.
317, 7
(preuß.
, 1404
): der [arzt] zu dem usheczigen bruder ging und in arztigete.
Lau, Qu. Neuß
301, 12
(rib.
, 1636
): Fremde Aussetzige und verdechtige Perschonen [...] sollen an keiner Pfortzen ingelassen [...] werden.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 67, 31
(hess.
, 1463
): sal keyne meister noch sine gesinde keynen ußsetzigen scheren.
Franz u. a., Qu. hess. Ref.
3, 84, 21
(hess.
, 1548
): die andern alle sind alt, krank, lam und mit plagen und gebrechen beladen, usserhalb denen, so ussetzig und sondersiech sind.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
86, 16
(Frankf.
1535
): Hieralogodium / das ist ein electuarium das da reynigt die feuchtigkeyt des vssetzigen menschen.
Ebd.
182, 10
: Schwebel gestossen / vnnd darunder gemischt kindsharn / vnnd die aussetzige haut damit gesalbt / hilfft on zweifel.
Beyer, UB Erfurt
2, 714, 18
(thür.
, 1389
): alse von den irkant wirt, daz der uzseczig ist, so sal man den von stunt uz der stad [...] vortriben.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
26, 40
(omd.
, 1487
): app eins au̇ß ÿn au̇ssetzigk worde. will das gesunde recht thu̇n [...] so offt das au̇ssetzige von ÿm begertt dÿe wergk der ehe.
Ebd.
27, 21
: besser seÿ, das kinth ein au̇ssetzigk weßen habe. Wen das er gar nicht zeur werlt qweme.
Luther. Hl. Schrifft.
Mt. 8, 2
(Wittenb.
1545
): ein Aussetziger kam / [...] vnd sprach / HErr so du wilt / kanstu mich wol reinigen.
Thür. Chron.
15r, 27
(Mühlh.
1599
): Dieser Keyser ward bald hernach Aussetzig.
Palm, Veter Buoch
21, 8
(schles.
, Hs. E. 14.
/A. 15. Jh.
): Der vant einen vzsezigen an der straze ligen, der [...] hete weder nase noch hende noch vuze.
Jostes, Eckhart
77, 13
(14. Jh.
): Do waz ein furst auzsetzik, den weiset si zu dem propheten Heliseo, daz er in gesunt macht.
Schultheiss, Achtb. Nürnb.
68, 15
(nobd.
, 1338
/Hs. 1. H. 17. Jh.
): daß er eine Aussätzige geminnet, daß sie ein Kind bey ihm truge.
Voc. Teut.-Lat.
ii iijr
(Nürnb.
1482
): Vergyffter aussetziger grindiger. infectus leprosus corruptus.
Gille u. a., M. Beheim
258, 18
(nobd.
, 2. H. 15. Jh.
): Die blinden, die gesehen. | die lamen gen, ausseczig werden rain.
Sudhoff, Paracelsus
10, 339, 32
(1536
): so ist die aussezigen feulung ein verlassen corpus von dem salz und balsam des menschen und hat doch das leben in ir.
Vetter, Pred. Taulers
124, 18
(els.
, E. 14. Jh.
): neme derselbe herre den aller ussetzigesten menschen mit blotern und stinkende, blint und lam.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
167, 28
(els.
, 1362
): fant einen menschen, der waz gestalt also ob er usseczig were.
Adrian, Saelden Hort
8337
(alem.
, Hss. E. 14.
/15. Jh.
): Got frólich loben all sament, | gesunden, siechen, plinden, lamen, | ussetzigen, hohgerehten.
Koller, Ref. Siegmunds
224, 2
(Hs. um 1474
): Dye drytten, den almusen zügehort, das sein dye aussetzigen, dye da verschmecht sein von der welt.
Strauss, A. v. Villanova dt.
154v, 21
(obd.
, Hs. 1421
): Du solt nymmer ober eynem tische vische vnd rohe milch eßen oder wyn vnd rohe milch, wen ez mecht dich ußsetzig.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 327, 28
; Joachim, a. a. O.
254, 21
; Schmidt, a. a. O.
2, 272, 18/19
; Feudel, Evangelistar
2, 10
; 12, 3
; Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 139
; Gerhard, Hist. alde e
3258
; Hübner, Buch Daniel
3175
; v. d. Lee, a. a. O.
40, 41
; Gerhardt, Meister v. Prag
24, 18
; Schultheiss, a. a. O.
68, 22
; Gille u. a., a. a. O.
117b, 322
; Sachs
14, 193, 8
; 195, 4
; Sudhoff, a. a. O.
8, 270, 4
; Williams u. a., a. a. O.
611, 31
; Kurrelmeyer, Dt. Bibel
1, 28, 13
Var.; 36, 9
Var.; 5, 366, 13
Var.; Goedeke, P. Gengenb.
247, 34
; Geier, Stadtr. Überl.
84, 8
; 372, 14
; Schade, Sat. u. Pasqu.
2, 142, 19
; Leisi, Thurg. UB
8, 221, 30
; Koller, a. a. O.
94, 10
; 287, 20
; Barack, Zim. Chron.
3, 254, 10
; Eschenloher. Medicus
23, 20
; Gierach, Märterb.
1503
; 12588
; Seemüller, Chron. 95 Herrsch.
57, 23
; Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
13, 34
; Roth, E. v. Wildenberg
159, 7
; Voc. Teut.-Lat.
c iiijr
; Dasypodius
292r
; Maaler
46r
; Serranus
22v
; Dietz, Wb. Luther
1, 181
f.; Pfälz. Wb.
1, 469
; Schwäb. Wb.
1, 503
; Schweiz. Id.
7, 1549
; Stedtfeld, Roger-Glosse
125
; Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 139
; M.A. Holmberg, Die dt. Synonymik für ‚aussätzig‘ und ‚Aussatz‘. In: Nd. Mitt.
26, 1970, 25-71
.