ausrede,
die
;
-Ø/-n.
1.
›phonetisch in besonderer Weise bestimmte Aussprache, Tonfall, Akzent‹;
zu
1
ausreden
 2.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
akzent
 1.

Belegblock:

Schottelius. HaubtSprache
154
(
Braunschweig
1663
):
wegen der Ausrede / Verstuͤmlung und unkentlich Machung der Teutschen und Einmengung der froͤmden Woͤrter / fast abstimmig von jetziger Teutschen Sprache scheinen [...]. Und Zustimmige / so an sichteutsch und durch die Ausrede und Mundartweis nur unterschieden seyn.
Ralegh. America
21, 19
(
Frankf.
1599
):
Die Voͤlcker Tiuitiuas seyndt hüpsche gerade Leut / geschickt zum Krieg / vnd mit solcher Außrede begabet / als ich noch kein Volck gehoͤret habe.
Volkmar
418
.
2.
›Entscheid, Schiedsspruch, entscheidendes Wort‹;
vgl.
1
ausreden
 5.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
abscheid
 5,
abschied
 5,
anlang
,
anlas
 4,
ausrichtung
 7,
ausspruch
 2.
Syntagmen:
die a. stet haben.

Belegblock:

Schweiz. Id.
6, 535
(a.
1314
;
1553
).
3.
›Ausrede, Ausflucht, unglaubwürdige Entschuldigung‹;
zu
1
ausreden
 8.
Phraseme:
mit der ausrede daheim bleiben
;
faule ausrede.
Bedeutungsverwandte:
argument
 1,
auszug
 14,
behelf
 5,
entschuldigung
 3; vgl.
abrede
(
die
) 5,
angstglosse
,
auslauf
 6,
auslüge
,
ausschlupf
,
ausweg
 2.
Syntagmen:
eine a. finden / haben / tun
;
sich einer a. behelfen / gebrauchen
;
sich auf a. bedenken, etw. zur a. genugsam sein
;
a. sein falsch, eine sünde, helfen nicht
;
lose / spötliche / ungegründete a.
;
a. der schützen.

Belegblock:

Gille u. a., M. Beheim
79, 475
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
dein argument und ausred ist | falsch und hilfft nicht ein phlaumen.
Mayer, Folz. Meisterl.
33, 52
(
nobd.
,
v. 1496
):
Hie prufft der gleichsener um sweiffe | Mit iren außreden und falschen widerseß | Und der verstockten herczen swer.
Fischer, Folz. Reimp.
19, 148
(
Nürnb.
um 1520
):
Das sie
[Ehebrecherin]
ir schmuck und etwas stel | [...] | Und sich dan all die weyl bedenck | Auff außrede.
Ebd.
25, 121
(
1479
):
Die [sund] ich hernach erzel und verkund, | Als rumen, geuden und eitel eer, | [...] | Herschung, auszred, gleychsnerey.
Goldammer, Paracelsus.
2, 139, 8
(
1530
/
5
):
es ist doch der bösen obrigkeit witz und alle ausrede nichts.
Niewöhner, Teichner
682, 40
moobd.
,
1469
˺):
dy hetten aus red yeden tag.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
112, 40
(
tir.
,
1464
):
der münch der vand ain ausrëd, der ward verziehen von tag zue tag züe gën in das chloster.
Bauer, a. a. O.
27, 35
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
78, 27
;
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
244
;
Schwartzenbach
C iiijv
;
Maaler
203v
;
Rot
309
;
Dietz, Wb. Luther
1, 177/8
;
Schwäb. Wb.
1, 496
;
Schweiz. Id.
6, 535
;
Sieb.-Sächs. Wb.
1, 334
;
Trübner, Dt. Wb.
1, 192
;
Spengler, Fischart.
1969, 176/7
.
4.
phras. an 3 anschließbar:
ane ausrede
›ohne Verzug, sofort, unmittelbar‹.
Bedeutungsverwandte:
fürderlich
,
unaufgehalten
,
unverlängt
,
unverzüglich
,
ane aufhalten
(s. v.
aufhalten
 18),
ane ausrede
(s. v.
ausrede
 4),
ane eintrag
,
ane säumen
,
ane säumnis
,
ane verlängern
,
ane verzeihen
,
ane verzug
,
ane wiederung
,
stehenden fusses
(s. v.
stehen
 6),
von stund an
,
zu hand
(s. v.
hand
 11); vgl.
auf dem fusse
(s. v.
3
auf
 7),
aufstehends
,
augenbliklich
,
bald
 5,
behende
(Adj.) 1.

Belegblock:

Schöpper
45a
(
Dortm.
1550
):
zu handt von stund [a]n vnuerzogenlich on seumen on saumnuß on außred on eintrag on vffhalten stehends fusses.
Schwartzenbach
H jv
(
Frankf.
1564
):
Fuͤrderlich. Vnverzogenlich. Vnverlengt. Auffs erste. Von stundan. Vnauffgehalten. On verzug. On saumen. On auff halten. On verziehen. On verlengern. On außrede. On eintrag. On widerung.
5.
›Rechtfertigung, Verteidigung, Verantwortung vor Gericht‹; auch als Verwahrformel:
ane alles wiederreden und ausrede
; vgl.
1
ausreden
 9; rechtssprachliche Spezialisierung zu 4.
Bedeutungsverwandte:
behelf
 4,
verantwortung
; vgl.
antwort
 2,
ausschlag
 11.

Belegblock:

Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
15, 1
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Beschonter ausrede bedarf wol schuldiger man.
Koller, Reichsreg. Albr. II.
172, 9
(
1438
/
9
):
wellen wir gehorsam sein und den volfuren und enden volkomenlich on hindernisz und on alles widersprechen und ausrede.
Winter, Nöst. Weist.
2, 733, 21
(
moobd.
, Hs.
um 1625
):
alle händl stehen auf außrödt.
Ebd.
3, 296, 7
(
1. H. 15. Jh.
):
sol man [...] den rechtspruch darüber seiner herschaft zueschikchen inner acht tagen und den zu ausred vodern.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
194, 42
(
m/soobd.
,
17. Jh.
):
selbiger solle ohne ainiche ausrödt der partei schuldig sein.
Bauer, Imitatio Haller
99, 16
(
tir.
,
1466
):
das jungst gericht, da du sten muest vor dem strengen richter, [...] der da nicht erhört kchaines ausred.
Rwb
1, 1072
;
Maaler
44v
;
Haltaus
78
;
Trübner, Dt. Wb.
1, 192
.