ausbieten,
V., unr. abl.;
vereinzelt ausgebieten.
1.
›jn. aus einem Rechtsbezirk verweisen, verbannen; jn. aus einer sozialen Gruppe (z. B. einer Zunft) ausschließen; jn. gerichtlich zur Räumung eines Grundstücks auffordern‹; zu
bieten
(V.) 5.Bedeutungsverwandte:
vgl. ausfüren
Syntagmen:
jm.
(z. B. dem juden / pfarrer / schuldiger
) a.
; jn.
(z. B. den juden
) a.
; Akk.obj. nur einmal belegt.Wortbildungen:
ausbot
ausgebietung
ausgebot
Belegblock:
Kollnig, Weist. Schriesh.
286, 41
(rhfrk.
, 1668
): weil er [judt] [...] biß annoch seinen schutzbrief bey der churfürstlichen cammer nicht außgelöst, ist ihme außgebotten.
Roder, Stadtr. Villingen
131, 1
(önalem.
, 1501
/16
): so sollen die von Villingen dem selben ußbieten uß der statt Villingen.
Chron. Augsb.
6, 21, 22
(schwäb.
, zu 1513
): daß sie ir solten die stat verpieten und nichts am leben thun. also pote ir die kaiserliche maiestet aus.
Baumann, Bauernkr. Oberschw.
60, 25
(schwäb.
, v. 1542
): Es war die sag [...], die von Ulm hettent dem pfarrer daselbst außbotten.
Rwb
1, 990
; 1062
; Schweiz. Id.
4, 1871
.2.
›jn. zu etw. (meist: zur Heeresfolge) aufbieten, aufrufen‹; zu
bieten
(V.) 3.Bedeutungsverwandte:
vgl. aufbieten
aufrüfen
ausfordern
Syntagmen:
mit Dat.Wortbildungen:
ausbietung
ausbot
Belegblock:
Kollnig, Weist. Schriesh.
294, 38
(rhfrk.
, 1430
): sol uns unser gnediger here herzog Ludwig, oder wer uns von sinen wegen ußgebutet oder füret, die koste geben.
Brinkmann, Bad. Weist.
84, 7
(rhfrk.
, 1559
): der dann etlichen von Bargen vier oder sechsen ausgeboten habe, die ihrem vogtherrn gehorsam sein musten.
Chron. Nürnb.
1, 181, 15
(nobd.
, 1388
): sullen auch allen gesten und pawren und allen wegen und pferden dorzuͤ awz gebieten, daz die auch komen uff den kornmarkt.
Maaler
39r
(Zürich
1561
): Eim Außbietẽ / Einen zum streyt ladẽ / oder zuͦ einem kampff beruͤffen.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin
2, 67, 400
(schwäb.
, 1471
): Da lieff pirenstengel | Gar resch van hus ze hus | Vnd pot allen pawren usz.
Kollnig, a. a. O.
194, 44
; Serranus
20r
; Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 251
; Rwb
1, 990
; 995
; 1062
; Schwäb. Wb.
1, 454
; 6, 1554
.3.
›jn. zu etw. reizen, herausfordern, provozieren‹.Bedeutungsverwandte:
anreizen
2
aufreisen
ausfordern
antreiben
anstechen
Syntagmen:
jm.
(meist) / jn.
(1 Beleg) a., zu [...]
; (jm.) zu etw.
(z. B. dem wetlauf / kampf
) a.
; trozliches a
.Wortbildungen:
ausbieter
ausbietung
anreizung
ausbot
Belegblock:
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 110, 32
(Straßb.
1522
): Diser Florentiner bot im uß, zuͦ kempfen umb das Leben.
Ebd.
244, 13
: Es hetten uff einmal zwen Meister einander ußgebotten, zuͦ malen umb die Meisterschafft.
Dasypodius
256r
(Straßb.
1536
): Provocatio, ein anreytzung / außbùtung zum streyt / oder berùffung.
Goedeke, Fischart. Schiff
664
(Straßb.
1576
): [Sie] zaigt sich dem schiff auf den seiten, | Jm zu dem wettlauf auszubieten.
Bachmann, Haimonsk.
152, 9
(halem.
, 1530
): er ist ein manlicher rytter; wann er hat mir uß botten zestritten lib an lib.
Maaler
39v
(Zürich
1561
): Außbieter (der) Außhin reitzer. Prouocator.
Ebd. :
Außbott / das Außhin reitzen.
Dasypodius,
296r
; Maaler
39r
/v; Rot
343
; Hulsius
B ijv
; Rwb
1, 990
; Schweiz. Id.
4, 1871
; Öst. Wb.
3, 159
.4.
›sich nach außen darbieten, nach außen wenden; sich für etw. (z. B. für einen Geist) ausgeben‹.Bedeutungsverwandte:
vgl. ausgeben
Belegblock:
Quint, Eckharts Pred.
1, 225, 9
(E. 13.
/A. 14. Jh.
): Ein ieklich creature nach der edelkeit ir nature, so si me insiczet in sich selber so si sich me vs bútet.
Dietz, Wb. Luther
1, 159
.5.
›jm. etw. (ein Pfand vor der Pfandvollstreckung) zur Auslösung anbieten; die Pfandvollstreckung ankündigen‹; zu
bieten
(V.) 6.Belegblock:
Dinklage, Frk. Bauernweist.
92, 17
(nobd.
, 1536
/49
): wan die 3 tage hinkommen, so sol er 2 nachpaur bitten und sol deme, den er gepfent hat, das pfant ausbiten lasßen; loset er es nit, so magk er das pfant vorsezen.
Rwb
1, 990
.6.
›etw. ausloben, versprechen; jm. etw. (z. B. höheren Lohn) anbieten und ihn dadurch abwerben‹.Belegblock:
Winter, Nöst. Weist.
1, 938, 13
(moobd.
, 17. Jh.
): Wehr der ist der mehr auspeüt zu geben ainem arbeiter uber dem gemainen lohn, ist zu wandl 72 ₰.
7.
›etw. versteigern, öffentlich feilbieten; etw. öffentlich bekanntgeben, ausrufen‹; zu
bieten
(V.) 1; 6.Bedeutungsverwandte:
aufsteigern
feilbieten
verganten
versteigern
verteuern
abrufen
anbieten
antragen
aufrüfen
Wortbildungen:
ausbieter
ausbietung
ausgebot
Belegblock:
Schöpper
83b
(Dortm.
1550
): Auctionari. Verganten versteigen auffsteigern zũ thewrsten auß bieteñ hoͤhern verthewren.
Schwartzenbach
C iijr
(Frankf.
1564
): Außbieten. Faylbieten. Auffthun zu verkaufen. Einem etwas antragen oder anbieten.
V. Anshelm. Berner Chron.
5, 158, 16
(halem.
, n. 1529
): Nach beschehner verkuͤndung, usspitung und begleitung.
Turmair
4, 584, 12
(moobd.
, 1522
/33
): die [nation] hat alwegen fail auspoten und verkauft iren frid.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
20, 221, 8
(schles.
, 1522
): das wir [...] ein frey bergkwergk auskundigen und ausbiethen haben lossen.
Guth, Gr. Alex.
2872
(Hs. ˹oobd.
, E. 14. Jh.
˺): Alexander der werd | Hiez gebieten nachent und ver | Auzz in Persia daz land | Daz die fürsten gemand wern.
Turmair
1, 485, 8
; Schöpper
83a
; Serranus
19v
; Dietz, Wb. Luther
1, 159
; Dief./Wü.
118
; Rwb
1, 940
; 991
; 1026
; Preuss. Wb. (Z)
1, 286
.8.
›etw. (z. B. falsche Münzen) in Umlauf bringen‹; zu
bieten
(V.) 1.Belegblock:
Leman, Kulm. Recht
2, 5, 19
(Thorn
1584
): butet der muntzer eynen valschen pfennyng vs. so das her icht domete koufen wil.