auffaren,
V., unr. abl.
1.
›flußaufwärts fahren‹.Belegblock:
Chron. Magdeb.
2, 221, 10
(nrddt.
, 1550
/1
): sein etwan 17 rotten auf der Elben aufgefahren.
Wyss, Limb. Chron.
62, 2
(mfrk.
, 2. H. 14. Jh.
): solden di Niderlenschen kauflude [...] den Rin uf faren in di misse zu Frankenfurt.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
24632
; Roth, E. v. Wildenberg
8, 20
; Golius
184
.2.
›sich bergauf begeben, die Alm beziehen‹.Bedeutungsverwandte:
aufgehen
aufsteigen
aufklimmen
Belegblock:
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
300, 24
(m/soobd.
, 16. Jh.
): Es sollen unser leut die albm miteinander haben, ainer vor den andern nicht auffahren.
Voc. Teut.-Lat.
c jr
; Rwb
1, 862
.3.
›(ein Besitztum) beziehen, (auf ein Gut) aufziehen, etw. in Besitz nehmen‹.Bedeutungsverwandte:
vgl. anfahen
anfaren
Belegblock:
Winter, Nöst. Weist
4, 5, 15
(moobd.
, A. 16. Jh.
): die hern von Khunigsperg haben freie gueter zu Zigerwerg aufzufarn und abzulassen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
321, 8
(m/soobd.
, 15. Jh.
): so dient der da aufvert habern und die zwen phening.
Rwb
1, 862
; Schwäb. Wb.
1, 374
; Trübner, Dt. Wb.
1, 142
.4.
›aufsteigen, auffahren zum Himmel (meist von Christus und ausgezeichneten Gestalten der christlichen Lehre gesagt); in den Himmel eingehen‹; mit Obj. d. P.: ›jn. hinaufführen‹.Religiöse und didaktische Texte.
Bedeutungsverwandte:
vgl. aufgehen
Syntagmen:
got, Christus, des menschen son, engel, Lucifer a.
; mit dem herren a., in den / in die / gen / zu himmel a., über alle winde a., hoch a. in die himlische freude
.Wortbildungen:
auffarung
aufgefaren.
Belegblock:
Hübner, Buch Daniel
4799
(omd.
, Hs. 14.
/ A. 15. Jh.
): Uf var ich [Lucifer] und wil setzen | Hin in der himle vletzen | Minen stuel.
Gille u. a., M. Beheim
355, 433
(nobd.
, 2. H. 15. Jh.
): die teufel in [Antekrist] alsa | [...] | auff furen in die wolke.
Vetter, Pred. Taulers
84, 25
(els.
, 14. Jh.
): Das wir nu alle mit unserme herren ufvarent.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
1, 309
(els.
, E. 14. Jh.
): er ist in moͤgentheite vf gefarn vnd sitzet zuͦ der rehten hant sins vatters.
Päpke, Marienl. Wernher
14030
(halem.
, v. 1382
): Do horte man die engel stim, | Die singent fuͦren uf mit im.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
3002
(halem.
, Hs. um 1435
): Wenn ich [Crist] ze himel uff gefar.
Ebd.
2897
: Jhesus Crist | Der nach siner ur staͤndi ist | Gefaren uff mitt lobes schal.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
47, 30
(tir.
, 1464
): das tu erstanden wërest von den toten [...] vnd auf fuerest in die himel mit deiner aigen chraft.
Froning, Alsf. Passionssp.
7877
; Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 132
; Bechstein, M. v. Beheim. Evang. 2. Vorr. Mt.
8, 24
; Luther. Hl. Schrifft.
1. Mose 17, 22
; Joh. 6, 62
; 20, 17
; Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 202, 48
; 259, 1
; Vetter, a. a. O.
76, 8
; 76, 11
; Päpke, a. a. O.
12368
; 14167
; Lindqvist, a. a. O.
2907/8
; A. à S. Clara. Glori
45, 30
.5.
›aufsteigen, in die Höhe steigen (von konkreten Bezugsgegenständen)‹; Ütr. auf abstrakte Bezugsgegenstände: ›sich erheben, emporschwingen, auffahren‹.Bedeutungsverwandte:
vgl. aufgehen
aufgehen
Wortbildungen
auffarung
erhebung
a. des herzens zu got
).Belegblock:
Pyritz, Minneburg
5292
(nobd.
, Hs. um 1400
): Do ich des werden adelarn | Glantzheit sach so hoch uff varen.
Ebd.
5320
: Dez [arn] wirde man sicht so hoch uff varn.
Vetter, Pred. Taulers
83, 2
(els.
, 14. Jh.
): die sele do Got inne wunnenclich uf sol varen, die muͦs ein berg sin.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
108, 33
(oobd.
, 1349
/50
): daz ist von dem erdischen dicken rauch, der auf gevarn ist in die lüft.
Niewöhner, Teichner
419, 95
(Hs. ˹moobd.
, 1360
/70
˺): ainer mich ze sagen pat, | wann die Trew hab auff gefarn.
Dietz, Wb. Luther
1, 127/28
; Trübner, Dt. Wb.
1, 141
.6.
›(Mauerwerk o. ä.) hochziehen, aufmauern, errichten‹.Bedeutungsverwandte:
vgl. aufbauen
Belegblock:
Welti, Stadtr. Bern
252, 13
(halem.
, n. 1437
): das man [...] mit dem steinwerch glich uor uff varen sol, vnd sol ouch iederman also vfuaren an den selben gassen vnd enkeinn bogen machen.
Ebd.
626, 15
(1539
): Wenn ouch einer vff ein mur, die [...] schon ietz stuͤnde, wytter muren vnnd vffaren welt.
Bastian u. a., Regensb. UB
418, 4
(oobd.
, 1374
): zwischen irer stuben und Ulreich des Hachelstataͤr haus [...] auf (ze) varn mit einem huͤltzein aufschuzz.
Welti, a. a. O.
190, 28
; Schweiz. Id.
1, 894
.7.
›sich plötzlich erheben, aufspringen, auffahren vor Erregung o. ä.‹.Wortbildungen
auffarung
anfarung
berespung
Belegblock:
Luther. Hl. Schrifft.
4. Mose 14, 1
(Wittenb.
1545
): DA fuhr die gantze Gemeine auff vnd schrey / vnd das volck weinete die nacht.
Ebd.
Dan. 3, 24
: DA entsatzt sich der könig Nebucad Nezar / vnd fur eilends auff / vnd sprach zu seinen Reten.
Keil, Peter v. Ulm
176
(nobd.
, 1453
/4
): die vnsynniglich [...] auffaren vnd wider vngeslaffent ligent.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
5, 221, 19
Var. (Straßb.
1466
; Var. Augsb.
1480
): die gruntuest des vmbringes seint eroffent von der berespunge
[Sa:
auffarung]
des herrn vnd von der inetnung des geistes seiner tobheit. Rwb
1, 862
; Schwäb. Wb.
1, 374
; Trübner, Dt. Wb.
1, 141
.8.
›sich entzünden, in Feuer aufgehen‹.Bedeutungsverwandte:
vgl. anentzünden
anerzünden
Belegblock:
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
40, 6
(osächs.
, 1570
/7
): es [leinöhl] bey großem feuer balt brennend wird, auffehret und anzündet.
9.
›aufschießen, sprießen (von Pflanzen); anschwellen, sich schwellend herausbilden (z. B. von Beulen)‹.Bedeutungsverwandte:
vgl. anbollen
aufgehen
Belegblock:
Lappenberg, Fleming. Ged.
104, 99
(1631
): Da vormals frische Lust, da grüne Gärten waren, | [...] | ist itzt ein wilder Stock selbst von sich aufgefahren.
Luther. Hl. Schrifft.
2. Mose 9, 9
(Wittenb.
1545
): Nemet ewre feuste vol Russ aus dem ofen / vnd Mose sprenge jn gegen Himel [...] / das vber gantz Egyptenland steube / vnd böse schwartze blattern auffaren.
Ebd.
3. Mose 13, 2
: Wenn einem Menschen an der haut seines fleisches etwas aufferet / oder schebicht oder eiterweis wird / als wolt ein Aussatz werden.
Fastnachtsp.
768, 4
(nobd.
, 15. Jh.
): Da hab ich ain erznei in einer püchsen; | Ob iemant ichz auf wer gefarn undern üchsen.
Deinhardt, Ross Artzney
146
(oobd.
, 1598
): Wo dan das pferdt den schaden hat, da werden khnoppen auf farn.
Turmair
5, 57, 3
(moobd.
, 1522
/33
): bei den gemechten fuer ains urbering auf und starben die leut also von stundan.
Dietz, Wb. Luther
1, 127/28
; Schwäb. Wb.
1, 374
; Trübner, Dt. Wb.
1, 141
.10.
›wohin aufbrechen, sich wohin begeben‹.Bedeutungsverwandte:
vgl. anbrechen
1
aufbrechen
auferheben
Belegblock:
Chron. Augsb.
1, 45, 1
(schwäb.
, zu 1376
): fuͦr der kaiser und der küng wider uff gen Nürnberg.
Winter, Nöst. Weist.
1, 236, 23
(moobd.
, 1499
): das zu Strasshofen ist ein freies guͦt, und mag da kaufen und verkaufen, abfaren und aufzufaren als oft es einen verlust.
11.
›(ein Geding, einen Arbeitsvertrag) antreten, erfüllen‹.Bedeutungsverwandte:
vgl. antreten
aufgehen
Belegblock:
Löscher, Erzgeb. Bergr.
173, 2
(omd.
, 1554
): Welche gedinge nicht aufgefahren und liegenblieben.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 84, 17
(schles.
, 1539
): wenn auch das geding aufgefaren.
Veith, Bwb.
30
.12.
›das Gestein eines Grubenbaues auf eine gewisse Länge aushauen, einen Grubenbau weitertreiben, forttreiben‹.Belegblock:
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
20, 159, 33
(schles.
, 1509
): Es ist der gemeine lauff, dass wann man eine grube oder gebeude auffehrt, so verdinget man einem heuer die arbeit.
Ebd.
21, 35, 19
(1534
): dass Gorge Klerer dasselbe stollordt, soviel er aufgefaren hat, mit guttem starken zimmer vorwaren soll.
Veith, Bwb.
30
.13.
›aus der Grube ausfahren, aufwärts (ans Tageslicht) fahren‹; konvers vom Sinkwerk: ›sich zur Arbeitstelle begeben‹.Belegblock:
Georg Agricola. Bergkwerck
180, 1
(Basel
1557
): so er darin [gruͦben] ist so fare er schnell widerũb auff / eb jn der schwaden begreiffe.
Patocka, Salzwesen.
1987, 119
(oobd.
, 1595
): Riekhlingen, auf vnd ab man fert.
Veith, Bwb.
30
; Trübner, Dt. Wb.
1, 142
.14.
›Verdämmungen vor den Brüchen (im Salzbergwerk) anbringen‹.Belegblock:
Patocka, Salzwesen.
1987, 120
(oobd.
, 1582
/85
): mit der wöhr fir die Prüch auffahren.