antasten,
V.
1.
›etw./jn. berühren, anfassen, jn. streicheln, betasten‹; zu
tasten
1.Bedeutungsverwandte:
vgl. anrüren
Belegblock:
J. W. von Cube. Hortus
85, 17
(Mainz
1485
): feuchtikeyt [...] hanget an den henden so man die [celidonia] an tastet.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
20, 260, 31
(schles.
, 1528
): Wo iemand erzt blei oder sunst etwas verboten oder verkumert wurd, solchs soll keiner antasten
[auch als Synekdoche auffaßbar für ›an sich ziehen‹]
rieren noch wegnemen. Fastnachtsp.
737, 23
(nobd.
, 15. Jh.
): So mag ich schmorgens nit lang vasten | Und laß mich gern di knaben an tasten.
Fischer, Eunuchus d. Terenz
67
(Ulm
1486
): Du enpfachst den nutz [...], mit ir essen, by wesen, antasten, schertzst mit ir, etwan schlaffst nachend.
Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 118, 5
; Kurrelmeyer, Dt. Bibel
5, 467, 29
; Schweiz. Id.
13, 1977
.2.
›jn./etw. im geistigen Sinne berühren, anrühren‹; ütr. zu 1.Bedeutungsverwandte:
vgl. anstreifen
Belegblock:
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
2, 128
(Nürnb.
1517
): truckt sie [seel] die kreft des gewalts unter, alsbald sie vom geist gots angetast wirdet.
Vetter, Pred. Taulers
19, 17
(els.
, 14. Jh.
): Dise mirre wurt angetastet in zweigerleige wise, mit den sinnen und mit der vernunft.
3.
›etw. (im Beleg: eine Arbeit) anpacken, anfassen, übernehmen‹.Bedeutungsverwandte:
vgl. anfahen
anheben
Belegblock:
Turmair
4, 6, 26
(moobd.
, 1522
/33
): Solch groß arbait [...] mueß ir zeit und weil haben wil nit mit ungewaschnen henden angetascht und überrumpelt sein
[Beleg auch zu
antaschen stellbar].
4.
›jn. überkommen, befallen‹.Bedeutungsverwandte:
vgl. ansuchen
Belegblock:
Helm, H. v. Hesler. Apok.
13694
(nrddt.
, 14. Jh.
): stet vaste, | Swen die not uch an taste.
Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 160, 14
(Köln
1582
): Ich [...] | Plaget mein seel mit strengem fasten, | Da sie schwacheit thet hart antasten.
Klein, Oswald
55, 10
(oobd.
, 1. H. 15. Jh.
): den mich ir lieb hat angetast.
5.
›etw. betreffen, berühren‹.Bedeutungsverwandte:
vgl. anbelangen
antreffen
Belegblock:
Auer, Stadtr. München
510, 6
(moobd.
, 1343
): daz dieselb ansprach antast.
6.
›etw. (den Erzählfaden) wieder aufgreifen‹.Bedeutungsverwandte:
vgl. angreifen
Belegblock:
Helm, H. v. Hesler. Apok.
14643
(nrddt.
, 14. Jh.
): Dise wort ich wider antaste.
7.
›jn. ansprechen‹.Bedeutungsverwandte:
vgl. ansprechen
Belegblock:
Kottinger, Ruffs Etter Heini
499
(ohalem.
, 1538
): so gang er im uff d’strass entgëgen, | den buren thast er hofflich an.
Schweiz. Id.
13, 1377-1378
.8.
›jn. mit Worten angreifen, beleidigen, tadeln, lächerlich machen; etw. schmälern‹; zu
tasten
4.Bedeutungsverwandte:
anfaren
beleidigen
beschelten
tadeln
afterkosen
angreifen
antaschen
Syntagmen:
etw. / jn. mit büchern / (ge)schriften / worten a.
; jn. grob / hart / scharf / greulich a., js. ere / würde a
.Wortbildungen:
antaster.
Belegblock:
Chron. Magdeb.
2, 190, 34
(nrddt.
, Hs. 1601
): Es sein itzt von diesen gesten ein Hochw. Capittel [...] bedrawet und mit beschedtlichen Schrifften angetastet.
Schmitz, Schiltb.
142, 12
(Frankf.
1597
): daß sie nemlich darumb [...] von keinem [...] sollen angetastet / Verlacht / Veracht / Außgepfiffen / Außgerauschet / Außgeatzlet oder gevexirt werden.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
4, 248, 38
(Var. K-Oa: Nürnb.
1483
): so soll der scorpius [...] daz heylig werck mit vergifter zungen. anzutasten. ablassen.
Schottenloher, Flugschrr.
68, 17
(Landshut
1523
): derselb hat auch mich mit worttn alsdann angetasst und sagt, ich sey ein rauber.
Turmair
4, 194, 3
(moobd.
, 1522
/33
): wellen [...] grossen ruem erjagen, so si ander antasten, andern ir tädl herfür rucken.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
192, 40
(m/soobd.
, 17. Jh.
): Da ain burger ain man oder weibspersohn mit unerbarn und unzichtigen worten antastet.
Bell, G. Hager
121, 3, 43
; Welti, Urk. Rheinfelden
859, 29
; Chron. Augsb.
8, 377, 27
; Barack, Zim. Chron.
1, 535, 33
; Mell u. a., Steir. Taid.
72, 18
; 158, 14
; Schöpper
63a
; Serranus
15r
; Maaler
27v
; Crecelius
1, 36
; Dietz, Wb. Luther
1, 104
; Rwb
1, 746/47
; Schweiz. Id.
13, 1979
.9.
›jn. tätlich angreifen, anfallen, überfallen‹; zu
tasten
4.Bedeutungsverwandte:
gewältigen
angreifen
anlaufen
anplatzen
Belegblock:
Buch Weinsb.
4, 124, 23
(rib.
, 1591
): Haben auch einen an der Salzgassn angetastet, nach Deutz gefort, erstochen.
Goldammer, Paracelsus
7, 53, 24
(1530
): bei verdamnus soll niemants got die seinen anrueren oder antasten, die er zu knechten erwelt hat.
Winter, Nöst. Weist.
3, 740, 7
(moobd.
, E. 16. Jh.
): ob ainer den andern antastete und derselb in aines burgers hauß flüchtig wuert.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
12, 43
; Schwartzenbach
J jv
; Dietz, Wb. Luther
1, 104
; Rwb
1, 746
; Schweiz. Id.
13, 1979
.10.
›jn. ergreifen, festnehmen, verhaften‹; zu
tasten
4.Bedeutungsverwandte:
angreifen
annemen
fahen
Wortbildungen:
antastung
antast
Belegblock:
Aubin, Weist. Köln/Brühl
40, 1
(rib.
, 15. Jh.
): sullen minre frauwe amptluide [...] aldaer antasten und op den vurgenanten hoef gefenklich setzen.
Buch Weinsb.
2, 69, 1
(rib.
, 1555
): hat man das weib und etliche angetast und zu torn pracht.
Schmidt, St. Kastorst.
2, 458, 2
(mosfrk.
, 1465
): welche zyt eyn unßer gnediger herre eynen geistlich straifen wil ind in doyn antasten.
Ermisch, Sächs. Bergr.
198, 18
(osächs.
, 1509
): machtt haben an denselben enden freveler [...] antzutasten.
Fischer, Eunuchus d. Terenz
175
(Ulm
1486
): wellicher mensch hat ye gesehen. yemand für ain eeprecher in ainer bulerin haus an getast werden.
Chron. Köln
3, 593, 9
; Wyss, Limb. Chron.
69, 20
; Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
20, 258, 21
; Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
204, 34
; Turmair
5, 102, 18
; Schöpper
68a
; Preuss. Wb. (Z)
1, 183
; Rwb
1, 746/7
.11.
›jn. rechtlich belangen‹.Bedeutungsverwandte:
vgl. anfahen
angreifen
ansprechen
Belegblock:
Rwb
1, 746
.12.
›etw. mit Beschlag belegen‹.Bedeutungsverwandte:
vgl. angreifen
Syntagmen:
pfand / geld / gut a
.Wortbildungen
antastung
pfändung
verbotung
Belegblock:
Wyss, Limb. Chron. U
129, 6
(mfrk.
, 2. H. 14. Jh.
): so mogent dẏ vurgenanten herren [...] dẏ vurgenanten underpant anegriffen unde anetasten mẏt gerichte.
v. Bunge, Livl. UB
3, 561, 23
; 4, 766, 21
; Preuss. Wb. (Z)
1, 182/3
; Rwb
1, 746/7
.13.
jn. peinlich antasten
›jn. auf Leib und Leben strafen; foltern‹; zu
tasten
4.Bedeutungsverwandte:
vgl. angreifen
Belegblock:
Löscher, Erzgeb. Bergr.
113, 35
(omd.
, 1548
): Das aber in schulthendeln betrug gebraucht, welcher peinlich anzutasten were.
Rwb
1, 746
.14.
›jn./etw. militärisch angreifen, überfallen‹; zu
tasten
4.Bedeutungsverwandte:
vgl. angreifen
anstreiten
Wortbildungen:
antastung
Belegblock:
Chron. Köln
3, 917, 32
(Köln
1499
): was sere wunderlich, die lantschaf dae anzotasten.
Ukena, Luz. Sp.
2513
(halem.
, 1575
): Es werd mich mencher antasten / | [...] | Krieg würdt sin one zal.
Turmair
4, 622, 25
(moobd.
, 1522
/33
): das (es) etwan die ganz welt mit gewalt hat angetast, mit werender hand überrumpelt.
Dietz, Wb. Luther
1, 104
.