abstreichen,
V., unr. abl.
1.
›etw. (von einer Unterlage) abwischen, abkratzen‹; offen zu 2; zu
streichen
5.Bedeutungsverwandte:
abschaben
abwischen
Belegblock:
Drescher, Hartlieb. Caes.
228, 11
(moobd.
, 1456
/67
): was das wasser unflats abflewet, dasselbe abtrucket und abstreicht die peicht.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
399, 28
(oobd.
, 1349
/50
): daz kraut ist haiz und trucken und entlœst und klainet grôz materi und streicht ab alsô vast, daz ez wildez flaisch abnegt.
Ebd.
415, 7
: daz kraut [...] hât die art, daz ez diu swarzen mail abstreicht an dem leib.
Sexauer, Schrr. in Kart.
236, 25
(nöst.
, v. 1450
): daz das prot daz man im refent auflegt sawerlich / vnd nit verprunnen sey oder anders an im hab / das man abstreichen oder abschaben sull.
Maaler
7r
; Dietz, Wb. Luther
1, 32a
.2.
›etw. (die mystische Heiligung Störendes) ablegen‹; Ütr. zu 1.Bedeutungsverwandte:
vgl. abscheiden
Belegblock:
Vetter, Pred. Taulers
150, 27
(els.
, 1359
): Entrúwen, kint, du můst uswendige ding abstrichen als das widerwertig ist wider inwendikeit.
Ebd.
151, 11
: das dich hindert an dem nechsten wege der worheit, das striche alles ab.
3.
›jm. etw. rauben, nehmen‹.Phraseme:
das trinken abstreichen
›die Zeche prellen‹.Bedeutungsverwandte:
vgl. abnemen
Belegblock:
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
3232
(omd.
, 1338
): ab er hin von mir slichet | Und mir wider abe strichet | Syner genaden suze schicht.
Hübner, Buch Daniel
460
(omd.
, Hs. 14.
/A. 15. Jh.
): Nu ist abe gestrichen | Gar von tuvellicher list | [...] | Lant, daz sin von ewen was.
Niewöhner, Teichner
308, 30
(Hs. ˹moobd.
, 1360
/70
˺): ez wigt maniger unmazzen rinch | daz er den wirt geaefft hab | und streicht im daz trinchen ab.
4.
ral. jm. die flöhe a.
(o. ä.) ›jn. prügeln, jm. eine Tracht verabreichen‹.Bedeutungsverwandte:
1
abkeren
ablausen
absträlen
Belegblock:
Fastnachtsp.
756, 7
(nobd.
, 15. Jh.
): Da ward ir man mein da gewar. | Wer ich da nit von dannen gewichen, | So het er mir die flöh ab gestrichen | Mit einer schwern zuberstangen.
Sachs
17, 35, 9
(Nürnb.
1553
): Biß daß den pfaffen ich erschleich | Und im weidlich die flöh abstreich.
Ähnliche Wendung bei Barack, Zim. Chron.
3, 460, 26
(schwäb.
, M. 16. Jh.
): die andern [...] zogen ime die hosen überab und strichen im ein guete producten ab.
Preuss. Wb. (Z)
1, 68a
; Schwäb. Wb.
1, 74
.5.
ral. jm. mit dem fuchsschwanz die federn a.
›jm. schmeicheln‹.Belegblock:
Sachs
21, 304, 9
(Nürnb.
1566
): Da wir den armen und den reichen | Mit eim fuchsschwantz die federn abstreichen, | Mit schmeichelworten sie betauben.
6.
›die Hand beim Schwur sinken lassen, die Finger beim Schwur vom Kreuz nehmen‹.Bedeutungsverwandte:
vgl. abnemen
Belegblock:
Rössler, Stadtr. Brünn
213, 6
(mähr. inseldt.
, 14. Jh.
): quicumque postea digitos sibi subtrahere vel de cruce deponere praesumserit, quod vulgariter „abstreichen“ dicitur.
7.
›etw. abstreifen‹.Bedeutungsverwandte:
vgl. abschränzen
abstreifen
abstrupfen
Belegblock:
v. Tscharner, Md. Marco Polo
38, 17
(osächs.
, 2. H. 14. Jh.
): wen her strichit den strik
[der Hunde]
abe, so louft der eyne den lewin an. Ermisch u. a., Haush. Vorw.
239, 33
(osächs.
, 1570
/7
): Wann die knospen [...] schwarz werden, soll man sie, ehe sie aufberschten, abstreichen.
8.
›etw. (z. B. den Mauerverputz) glätten, glattstreichen‹; zu
streichen
6.Bedeutungsverwandte:
ebenen
Belegblock:
Buch Weinsb.
2, 75, 21
(rib.
, 1555
): Dissen widdenhof haben die kirchmeister a. 1541 laissen abstrichen.
Ebd.
258, 19
: glichfals den giffel des gansen haus und die maur den gansen Buchel uff verdingt ich abzustrichen und zu weissen.
Hierher (?) Voc. Teut.-Lat.
a iijv
(Nürnb.
1482
): Abstreichen oder ebnen. delinere.
9.
›ein Maß (hier: Getreidemaß) eichen‹. Dies geschah durch Füllung und anschließende Abstreichung des Eichmaßes; die Bedeutung ist deshalb an 8. anzuschließen; zu
streichen
6.Bedeutungsverwandte:
vgl. abeichen
abteichen
abzimenten
Belegblock:
Winter, Nöst. Weist.
2, 312, 46
(moobd.
, 17. Jh.
): denselben soll man geben mit den rechten metzen oder viertl, das soll abstreichen der richter und die geschwornen alle jahr ainist.
Schwäb. Wb.
1, 74
.10.
›sich davonmachen, sich wegstehlen‹; zu
streichen
1.Bedeutungsverwandte:
vgl. abstelen
Belegblock:
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
12947
(omd.
, 1338
): die bosen, unholden | [...] worden mit sehen ougen blint | Und itellichen [...] sich abstrichen | und von gote hin dan wichen.
11.
›etw. minderbietend versteigern‹. Belegblock:
Dief./Wü.
11
.