abhauen,
V., unr. abl.
Konkret (1-8) ›etw. ab-, los-, durchschlagen‹ mit mehreren Spezialisierungen. Daneben figürliche Verwendungen (9-11).1.
›jm. etw. (ein Körperglied, vor allem den Kopf, als Straftat z. B. einen Finger, als Strafe vor allem die Hand oder Finger) abschlagen‹, je nach Verwendung dann ›enthaupten, köpfen‹, ›amputieren‹ usw.; zu
hauen
12.Erzählende und rechtsgeschichtliche Texte.
Bedeutungsverwandte:
abschlagen
abstümmeln
enthaupten
köpfen
abgeschroten
abkopfen
abschmeissen
abschwingen
absetzen
absträlen
Syntagmen:
den finger
(häufig)/fus, die hand
(häufig), das haupt
(häufig)/ or a
.Wortbildungen:
abhauung
Belegblock:
Chron. Köln
3, 887, 12
(Köln
1499
): he [...] kreich dat vuir an ein bein, so dat men iem dat moest afhauwen.
Feudel, Evangelistar
48, 10
(omd.
, M. 14. Jh.
): der eyne [...] hyp dem knechte [...] eyn ore ap.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
162, 27
(thür.
, 1474
): daz er ym [...] eynen finger abe-, den andern lam [...] gehouwen habe.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
2, 7, 15
(schwäb.
, 1502
): soll er die recht hand [...] im abzuhawen verwürckt haben.
Wyss, Limb. Chron.
90, 25
; Goerlitz u. a., Rechtsd. Schweidnitz
392, 25
; Grosch u. a., a. a. O.
195, 1
; Chron. Nürnb.
5, 574, 10
; 618, 24
; Chron. Strassb.
19, 16
; 428, 7
; Voc. Teut.-Lat.
a iijr
; Serranus A
2r
; Schöpper
69a
; Maaler
3r
.2.
›jn. erschlagen, töten‹; anzuschließen an das haupt abhauen
›enthaupten‹, ohne Objekt; zu
hauen
10.Bedeutungsverwandte:
vgl. abschlagen
Belegblock:
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
19131
(preuß.
, um 1330
/40
): âne dî abgehouwin | dem here wurdin.
Preuss. Wb. (Z)
1, 31
.3.
›jm. (das Haar, den Bart) abschneiden, scheren‹.Bedeutungsverwandte:
abscheren
Belegblock:
Maaler
3r
(Zürich
1561
): Abhauwen | Wirt auch etwan für abschaͤren genommen: als den bart oder daß haar abhauwen.
4.
›etw. herab-, herunterschlagen‹; zu
hauen
13.Bedeutungsverwandte:
vgl. abschlagen
Belegblock:
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
17, 24
(mslow. inseldt.
, 1546
): das Balaśśa Melcheors [...] das schloß abgehauen.
5.
›(Bäume) fällen; (Äste von Bäumen) abschlagen‹; zu
hauen
1.Bedeutungsverwandte:
abschneizen
beschroten
fällen
stummeln
abmeissen
abschlagen
abschneiteln
abstocken
Syntagmen:
den baum
(häufig)/ dorn, die rebe / erle, das holz
(häufig) a
.Wortbildungen:
abhauung
Belegblock:
Volkmar
339
(Danzig
1596
): Subluco, ich hawe die este ab / vnnd mache den wald licht.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Joh.
15, 2
(osächs.
, 1343
): di [wînrebe] sal her abe houwin.
Gille u. a., M. Beheim
99, 769
(nobd.
, 2. H. 15. Jh.
): so darff er nicht die tarn allein | abhawen.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
2, 441, 8
(schwäb.
, 1615
): Von verwiestung und abtreibung der wäld, auch abhauung und abschneidung der [...] beßamreiß.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
309, 5
(oobd.
, 1349
/50
): diu [hölzer] man ze unrehter zeit abhawet.
Große, Schwabensp.
160a, 9
; 189a, 25
; Dinklage, Frk. Bauernweist.
111, 3
; Grothausmann, Stadtb. Karpfen
7, 11
; Sachs
17, 56, 19
; 23
; Diefenbach, Mhd.-hd.-böhm. Wb.
89
; Schöpper
74a
; Maaler
3r
; Golius
354
.6.
›(eine Fläche) kahlschlagen, kahlhauen‹; gegenüber 5 (1. Nuance) mit verschobenem Objekt; zu
hauen
3.Bedeutungsverwandte:
vgl. abholzen
Belegblock:
Wyss, Limb. Chron.
82, 7
(mfrk.
, 2. H. 14. Jh.
): unde hip di wingarten abe.
7.
›(Gras oder eine Grasfläche) (mit der Sense) abmähen‹; zu
hauen
4.Bedeutungsverwandte:
abgrasen
abmähen
abschneiden
Belegblock:
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
72, 27
(osächs.
, 1570
/7
): Das gras [...] soll [...] nicht mit der sensen abgehauen werden.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
1, 430, 5
; Preuss. Wb. (Z)
1, 31
. – Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 1
.8.
›etw. durchschlagen, kappen‹.Bedeutungsverwandte:
vgl. abschlagen
abschneiden
abschnellen
abstossen
abstumpen
Belegblock:
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
7, 54, 12
(Straßb.
1466
): er [holofernes] gebot abzehauen ir eydsucht.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
453, 11
(nobd.
, n. 1525
): die [pawrn] [...] die streng hinder den pferden [...] abgehawen.
Weitz, Albich v. Prag
144, 8
(Hs. ˹oobd.
, A. 16. Jh.
˺): Wem die groß halß ader ab gehawen sey, das das plůt nit versten woͤll.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
129, 19
.9.
›etw. (z. B. Sünde) tilgen, aufheben‹.Bedeutungsverwandte:
ausgäten
ausreuten
Belegblock:
Vetter, Pred. Taulers
97, 26
(els.
, 14. Jh.
): Er sol zů dem ersten abehoͮwen und uzrúten die súben hoͮbtsúnde.
10.
›etw. (z. B. einen Buchteil) auslassen oder kurz abhandeln‹.Wortbildungen:
abhauung
Belegblock:
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
7, 139, 28
(Straßb.
1466
): so wirt abgehauwen ein grosser teyle des selben bůchs.
Fischer, Brun v. Schoneb.
9786
(md.
, Hs. um 1400
): ich wil iz [mere] kurzlich abehouwen.
Kurrelmeyer, a. a. O.
7, 139, 29
.11.
›(dem Leben) ein Ende bereiten, (es) beenden‹.Belegblock:
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
13795
(rhfrk.
, um 1405
): der Dot [...] | Er wilt dir din leben abehauwen zu hant.