beschätzen,
beschatzen
(letzteres etw. seltener),
V.
1.
›etw. taxieren, hinsichtlich seines Wertes schätzen; jn. / etw. beurteilen‹.
Bedeutungsverwandte:
1
achten
 8,
anschlagen
 23,
bedunken
(V.) 1; 2; 3;
erachten
(V.) 1,
ermessen
 1,
erwägen
,
taxieren
 1,
trachten
(V.) 2,
urteilen
 1.
Wortbildungen:
beschätzer
1,
beschäzlich
›zum Zwecke der Steuererhebung zu veranschlagen‹.

Belegblock:

Maaler
60r
(
Zürich
1561
):
Beschetzen / Ein ding anschlahen was es gaͤlte oder waͤrt seye. [...]. Der die ross wol Beschetzen kan / wie sy abgericht seygind. [...]. Sein haab und gůt anzeigen vnd Beschetzen lassen. [...] Sich ander leüt urteilen und Beschetze͂ lassen. [...]. Beschetzer über die hüpsche. Formæ arbiter.
Ebd.
60v
:
Beschetzlich / Gůt zů beschetzen. Aestimabilis.
Rot
322
(
Augsb.
1571
):
Iudicirn, Vrtheilen / achten / trachten [...] beschetzen.
Ebd.
355
:
Taxirn / etwas vmb ein Gelt anschlagen.
Voc. inc. teut.
c vr
;
s vijr
;
Schwartzenbach
A vr
;
C iijv
;
Maaler
399v
;
Hulsius
O iiijv
;
Henisch
299
;
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
77
;
Schweiz. Id.
8, 1686/7
.
2.
›jn. / (einen Rechtsverband) befugterweise besteuern, mit einer Abgabe belasten; jm. eine Buße auferlegen; etw. konfiszieren‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
besteuern
 1.
Syntagmen:
jn
. (z. B.
die bürger / geistlichen
) / [einen Rechtsverband, z. B.
das land, die nachbarschaft
]
b., jn. / etw. mit etw
. (z. B.
mit einer steuer
)
/ um etw
. [einen Betrag]
b
.

Belegblock:

Chron. Magdeb.
2, 3, 13
(
nrddt.
,
1565
/
6
):
dadurch war das Stift sehr beschatzt und benohmen.
Volkmar
216
(
Danzig
1596
):
ich beschetze / eigene etwas des Koͤniges schatz zu.
Chron. Köln
1, 1264
(
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
sy beschatten arm ind riche | me dan da vure were sede.
Merk, Stadtr. Neuenb.
36, 18
(
nalem.
,
1368
):
so sein unser burger [...] von unsern wegen beschediget und beschétzt umb zwelfhundert guldin von den von Flekchenstein.
Koller, Ref. Siegmunds
258, 4
(Hs.
um 1474
):
man beschatzt nyeman anders.
Ebd.
263, 37
(Hs. ˹
Augsb.
,
um 1440
˺):
das eeleut dick wider ir er die ee prechen, die das teten, sol man pillich türnen und beschetzen.
Welti, Stadtr. Bern
258, 23
(
halem.
,
n. 1437
):
Wie die buherren den bu indrent dem jar beschowen soͤllent vnd beschetzen.
Kottinger, Ruffs Etter Heini
26
(
ohalem.
,
1538
):
von denen dann sy werdend b’schezt, | g’regiert, geherscht nach billigkeit.
Maaler
60r
(
Zürich
1561
):
Beschetzen / deß fursten schatz zůgehoͤrig machen. Confiscare.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
76
(
Genf
1636
):
Beschaͤtzen / Schatzung vnd Stewr aufflegen.
Wopfner, Bauernkr. Tirol
132, 35
(
tir.
,
1525
):
hat er gemaine nachperschaft mit ainer weichstewr beschetzt.
Turmair
1, 235, 18
(
moobd.
,
1529
):
het babst Gregorius X. mit den geistlichen ein groß concili [...], beschezt die geistlichen hart.
Opel, Spittendorf
217, 25
;
Pyritz, Minneburg
2584
;
Chron. Augsb.
1, 311, 14
;
Dirr, Münchner Stadtr.
43, 13
;
Turmair
1, 235, 28
;
Henisch
299
;
Schweiz. Id.
8, 1686
.
3.
›jn. machtsmißbräuchlich ausbeuten, aussaugen, jm. betrügerisch etw. nehmen, jn. ausrauben, mit Lösegeld o. ä. Auflagen erpressen, jn. mit willkürlichen Straf-, Steuerauflagen belasten, ruinieren, e. S. mit einer unrechtmäßigen Abgabe belegen, (eine Gemeinschaft, Stadt o. ä.) ausplündern‹.
Bedeutungsverwandte:
berauben
 1,
rauben
 2,
1
beschweren
 7,
plagen
 2.
Syntagmen:
jn
. (z. B.
die bauern / Juden / pfenner, den ritter
)
b., etw
. (z. B.
den sak
)
b., das volk / kloster / land, die stat b., jn. / etw. an / nach / mit / um etw
. (z. B.
um gut
)
b., jn. / etw. mit / durch gewalt, schwerlich b
.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
10345
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
gevangin einen rittir nam | und den beschatzin solde.
Kurz, Waldis. Esopus
4, 47, 22
(
Frankf.
1557
):
O hetstu fleissig | Zugsehn vnd mit der Molten gmetzt, | Vnd baß die Weytzen Seck beschetzt, | Doͤrffst jetzund nit Partecken lesen.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
52, 11
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Das volk ist alczu greslich den vremdin lutin: wen si eynen voen, so beschaczin si yn.
Thiele, Chron. Stolle
130, 8
(
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
unnd beswerten sine arme luthe allen enden unnd beraubeten unnd beschatczten dy.
Opel, Spittendorf
179, 30
(
osächs.
,
um 1480
):
das die pfenner gemeiniglich so beschatzt werden solten und nicht [...] zu rechte kommen mochten.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
55, 9
(
schles.
,
v. 1361
):
daz her di geschossin hat, geuangen, gestockit vnd beschaczit hat.
Chron. Nürnb.
1, 368, 15
(
nobd.
,
1420
):
het er ir 40 gefangen, und beschaczt sy umb groß gut.
Chron. Strassb.
340, 15
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
wie Pilatus were ein unreht rihter [...], und wie er die Juden und das volg zů vaste beschetzete und beroubete von grites wegen noch gůte.
Chron. Augsb.
2, 30, 13
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
vieng man die juden uberal in allen stetten und handlet man sie übel mit prennen, schlahen und beschätzen.
Ebd.
4, 419, 7
(zu
1492
):
wann sie her Jacob angriff oder ier armen leit wollte zwingen und beschetzen an recht durch sein aigen gwalt.
Ebd.
5, 209, 13
(
1523
/
7
):
Von Jörg Regel zů Liechtenberg, der von hertzog Wilhalm von Pairen umb 2 M fl beschetzt ward, darumb daß er ewangelisch was.
Ebd.
239, 27
:
ettlicher paur ward 2 oder 3 mal beschetzt, und auff die lötzst [...] lies in hencken.
Ebd.
325, 15
(Hs.
E. 15. Jh.
/
A. 16. Jh.
):
prant er dem hertzogen ain marckt auß und ettliche dörfer und pschetzet das frauencloster Pergen.
Langmantel, Schiltb. Reiseb.
25, 12
(
oobd.
,
n. 1427
):
dornach stürmat er die stat [...] und beschatzat die stat an gutt.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
31, 37
(
tir.
,
1464
):
Was gerëchtikhait sol das sein: peschëczen die totten vnd rauben die lebentigen.
Chron. Köln
2, 3v, 45
;
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl.
66, 114
;
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
6, 248, 8
;
Merz, Urk. Bremgarten
160, 8
;
Chron. Augsb.
1, 217, 19
;
327, 16
;
2, 301, 9
;
4, 432, 26
;
Niewöhner, Teichner
94, 58
;
576, 140
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 547
;
Schwäb. Wb.
1, 888
f.
4.
›jn. / etw. e. S. berauben, etw. antasten, e. S. schaden‹.
Bedeutungsverwandte:
berauben
 1.

Belegblock:

Kochendörffer, Tilo v. Kulm
3450
(
preuß.
,
1331
):
daz iz [vleisch] sich | Ny ken der sele saczte | Nach si ouch ny beschaczte.
Hübner, Buch Daniel
3681
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Daz du wirdest beschatzet | Aller eren.
Pyritz, Minneburg
4416
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Die hat beraubt und beschatzt | Mich miner freuden.
Niewöhner, Teichner
714, 13
(Hs. ˹
oschwäb.
,
1472
˺):
das volbringt die summer zeytt | und geitt es dann dem herbst seytt. | der beraubt es alles wider | und latt es dem wintter syder | gar beschatzet one frucht.